DIE 3 GRÖSSTEN VOR- UND NACHTEILE EINE ÜBERGEWICHTIGE JUNGE FRAU ZU SEIN

Anspruch und Realität gehen meistens auseinander. Jedoch nirgendwo so weit, wie bei der Figur einer Frau. Und gerade wenn man zu denjenigen gehört, die „etwas mehr auf den Hüften“ haben, ist die Welt oft nur schwarz oder weiß eingeteilt. Nämlich in das, was Normalgewichtige denken und was man selbst fühlt. Gerade in der Metropolregion Stuttgart, wo es durch die Arbeitsplatzsituation und Ausbildungsmöglichkeiten sehr viele „Twentysomethings“ gibt, hat das für eine übergewichtige junge Frau ganz eigene Auswirkungen. Auf den folgenden Zeilen zeigen wir euch, wie es sich wirklich anfühlt, mit einigen Kilos mehr als dem bundesdeutschen Frauendurchschnitt zwischen Uni und Königstraße herumzulaufen. Dabei sprechen wir nicht von „etwas Hüftgold“, sondern dem, was der Fachmann laut BMI als übergewichtig bezeichnen würde, in dem Alter also alles jenseits der 24. Und nein, das hat wirklich nicht nur Nachteile!

NACHTEIL 1: DIE KLISCHEES

Jeder, der vom Durchschnitt abweicht, wird von der Masse mit Klischees bedacht. Übergewicht macht da keine Ausnahme. Zugegeben: Es gibt nicht erst seit gestern das sogenannte Fat Acceptance Movement, das es schaffte, zumindest die schlimmsten negativen Auswüchse aus den Köpfen der Masse zu verbannen. Viel Dank gebührt in diesem Sinne auch sämtlichen AktivistInnen, die dafür kämpfen, dass unsereins endlich nicht mehr dauernd auf den Körper reduziert wird.

Leider haben sich aber viele Klischees nur in Richtung positiv verlagert, was sie nicht besser macht. Dass übergewichtige Frauen immer besser im Bett seien, weil sie sich mehr Mühe gäben (klar doch, am besten, weil sie sonst keinen abbekämen…), ist in verdammt vielen Köpfen verankert und einfach falsch. Auch dieser Glaube, dass mit dem Übergewicht eine eher sanftmütige Einstellung einherginge, ist ebenfalls purer Stuss. Nein, wir haben einfach nur Übergewicht und sind ansonsten völlig normale Frauen, die in keiner Weise sonstige Auffälligkeiten zeigen. Get over it.

VORTEIL 1: DIE FIGUR

Wenn man zwischen den Zeilen lesen kann, fällt einem einiges auf: Immer wieder bekommt man von Männern und so mancher Frau mit, dass ihnen „was zum Anpacken“ lieber sei. Kaum ein Facebook-Foto von einem in voller Blüte stehenden Filmstar aus den 50ern oder 60ern (bevor der Schlankheitswahn ausbrach), unter dem sich nicht eine Masse Kommentare à la „das waren noch echte Frauen“ finden lassen. US-Schauspielerin Christina Hendricks (bekannt aus Mad Men) mit ihrem stark ausgeprägten Hüft- und Brustbereich kann sich auf Instagram nicht nur vor Followern kaum retten, sondern hat auch noch diverse Seiten, die ihr huldigen. Und vielen, vielen anderen Promidamen mit einer ähnlichen Figur geht es genauso.

Und ja, wenn man weiß, wie man sich mit diesem Körpertyp O in Szene setzt, also das Dekolleté betonen, Röhrenschnitt-Hosen tragen und auf vertikale Muster achten, dann wird man sehr schnell feststellen, dass einem, egal wo man sich in Stuggi befindet (und nicht nur da) auch ohne Promi-Status eine Menge Blicke hinterhergehen. Und zwar nicht der negativen Sorte, sondern die, aus denen man echte Anerkennung herausliest. Und das ist verdammt gut für das von der Werbung demolierte Ego.

NACHTEIL 2: DIE WERBUNG

Und Apropos Werbung. Denn abgesehen von einigen wiederkehrenden und dankenswerten Versuchen, auch übergewichtige Frauen (denn was die Industrie als Plus-Size definiert, hat nichts mit echtem Übergewicht zu tun) in der Werbung zu etablieren, scheint unsereins für die Werbestrategen schlicht und ergreifend nicht existent zu sein.

Einfach mal den Werbeblock einer auf Frauen gemünzten Sendung (Daily Soaps, anyone?) anschauen, dann wird einem schnell klar, dass beinahe schon ungesund schlanke Frauen nicht nur in den Augen der Modezaren das Maß aller Dinge darstellen. Und das Problem daran ist, dass dadurch eine Menge Frauen vollkommen zu Unrecht total verunsichert werden.

VORTEIL 2: ERNÄHRUNGS-ENTSPANNUNG

Schlank sein ist Stress. Denn jede Kalorie will gezählt und am besten vermieden werden, weil sie sich bei 49 Kilo natürlich schneller bemerkbar macht als bei 85. Klar, wenn man einmal die Woche aus sportlichen Gründen in der Sprungbude das Känguru macht oder in eines von Stuggis 21 (laut schneller Google-Maps-Zählung) Fitnessstudios aufsucht, dann nervt diese Tatsache, weil Abnehmen so unerträglich länger dauert.

Nein hier geht es nicht um klischeehaftes Mapfen, sondern einfach normalgesunde Ernährung: Als übergewichtige Frau kann man einfach stinknormal kochen und essen, ohne gleich Panik haben zu müssen. Man kann, wenn der Brokkoli so richtig gut ist, auch noch einen Nachschlag nehmen. Man kann bei Braun wirklich genießen statt ein schlechtes Gewissen zu haben und die Hälfte auf dem Teller zu lassen. Und ja, das macht das Leben echt stressfreier, weil mit knurrendem Diätmagen wirklich alles schwerer fällt. 

NACHTEIL 3: DIE KLAMOTTEN

Oh, Ihr dünnen Frauen, Ihr wisst nicht um eurer Glück. Es gibt in Stuttgart mehrere Dutzend Modegeschäfte und darunter eine, für eine Stadt dieser Größenordnung, lieblich hohe Zahl an schnuckeligen Boutiquen. Aber wir haben eben auch H&M und wie sie alle heißen. Und man muss gar nicht auf die immer wiederkehrende Leier abzielen, dass die Größen in den Ketten-Klamotten oft nur irgendwelche Phantasie-Zahlen sind.

Schon viele normalgewichtige Frauen haben Probleme, in diesen Läden passende Kleidung zu finden. Offenbar weil man dort glaubt, dass alles über 36 schon Plus Size wäre und Frauen jenseits der 40 gefälligst in Säcken herumzurennen hätten. Und selbst wenn es wirklich eine anständige Auswahl in diesen Größen gibt, dann stimmen die Proportionen oft nicht. Klar, ein großer Bundumfang gehört auch oft zu einer großen Frau – aber ebenso oft gehört er zu einer kleinen Lady, die mit den langen Hosenbeinen einfach nur bescheuert wirkt und den Neukauf gleich zum Schneider schleppen darf. Liebe Designer, kapiert bitte endlich, dass auch im Westen tendenziell die Gewichte steigen und gebt uns die Möglichkeit, zwischen „Groß und übergewichtig“ und „einfach nur übergewichtig“ zu wählen.

VORTEIL 3: DAS EGO

Den meisten Twentysomething-Frauen rutschte die Figur irgendwann zu Beginn der Pubertät aus. Das heißt, mit Mitte 20 kann man oft auf rund zehn Jahre Übergewicht blicken. Und eines darf jeder Normalgewichtige glauben: Niemand ist in diesem Bereich so gemein wie Teenager. Wer das überstanden hat, der hat im wahrsten Sinne des Wortes ein dickes Fell bekommen und weiß sich zu wehren.

Man hat gelernt, in jeglicher Hinsicht mit schnippischen Kommentaren umzugehen, ist schlagfertig geworden und vor allem wird man über die Tour auch ein weitaus weniger oberflächlicher Mensch. Man ist buchstäblich durch einen See voller großer und kleiner Gemeinheiten geschwommen und sitzt nun am Ufer einer Insel namens Ego. Nicht jede hat es geschafft, (zu) viele ziehen sich in sich zurück. Aber die Bewohnerinnen dieser Insel sind auf jeden Fall härter im Nehmen als normalgewichtige oder sehr schlanke Frauen. „Oh, er hat über mein Kleid die Nase gerümpft“. Sorry, aber uns ist das wirklich und ehrlich Hupe, da stehen wir drüber.

FAZIT

Ihr glaubt, wir Frauen mit Übergewicht würden den ganzen Tag wahlweise ans Essen oder Abnehmen denken? Wir wären schwach und hätten ein so mieses Selbstbewusstsein, dass wir bei der Partnerwahl gar keine Auswahlkriterien kennen würden? Falsch gedacht, eure Klischees sind so dermaßen von vorgestern wie die 50s. Wir sind ganz normale Frauen, wir werden nebenbei gesagt dank westlicher Ernährungsweisen immer mehr. Und wir haben mindestens ebenso viel zu bieten wie jede schlanke Dame. Das einzige, was wir nicht brauchen, sind oberflächliche Besserwisser und komisch denkende Modedesigner. Von denen kennen wir nämlich schon viel zu viele. Denn unsere einzigen echten Nachteile sind durch Dritte bestimmt und nicht unser Gewicht.

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