GEHEIMTIPP SRI LANKA

Ein Reisebericht von Carola und Volker

„Ayubowan“

…mit diesem Wort wünscht man auf Singhalesisch seinem Gegenüber ein langes Leben. In diesem Reisebericht wollen wir euch die wunderschöne Insel Sri Lanka näher bringen, die wir dieses Jahr für drei Wochen mit dem Rucksack besucht haben. Und – so viel wollen wir schon vorweg verraten – es lohnt sich!

Wie kamen wir eigentlich auf Sri Lanka? Im Grunde ganz leicht: Wir wollten sowohl einen Kultur- als auch einen Strandurlaub machen und am liebsten nach Asien. So kamen wir recht schnell auf Sri Lanka. Denn hier gibt es herrliche Sandstrände, eine reiche Kultur, Berge mit Teeplantagen – und all das auf kleinstem Raum. Denn die Insel Sri Lanka – die auch „Perle im Indischen Ozean“ oder „Träne Indiens“ genannt wird – ist nur in etwa so groß wie Bayern.

Ein weiterer Vorteil ist, dass aufgrund der Kolonialgeschichte – Sri Lanka wurde 1948 unabhängig vom Vereinigten Königreich – fast alle Sri Lanker Englisch gut verstehen und sprechen. Ein langer Bürgerkrieg hat dem Land, insbesondere dem Norden der Insel, schwer zugesetzt. Seit 2009 herrscht nun jedoch Frieden, so dass Sri Lanka heute ein sehr sicheres Reiseland ist. Die beste Reisezeit für den Süden und Westen des Landes ist entweder Anfang des Jahres von Januar bis März oder Mitte des Jahres zwischen Juli und September. So entgeht man den beiden alljährlichen Monsunen.

Jedoch ist man auch außerhalb der Regenzeiten nicht immer vor Niederschlag gefeit, was wir gleich bei unserer Ankunft nach insgesamt zehn Stunden Flugzeit am Flughafen der Hauptstadt Colombo erfahren sollten. Denn kurz vor der Landung hatte es geregnet. Uns erwartete daher ein feucht-heißes Klima. Die allermeiste Zeit hatten wir aber bestes Wetter – und das heißt: Sonnenschein von früh bis spät.

Die erste Nacht verbrachten wir in einem schönen Hostel in Colombo, das wir schon in Deutschland gebucht hatten. Ansonsten haben wir die Unterkünfte – meistens Homestays oder kleine Hostels – vor Ort im Internet gebucht. Hier hatten wir am Morgen auch unsere erste Begegnung mit sri-lankischem Essen: Pol sambola – scharfe Kokosnussflocken, String Hoppers – Reisnudeln in Wollknäuelform und reichlich Obst – von Bananen bis Papayas. Also ganz anders als in Deutschland isst man in Sri Lanka auch zum Frühstück schon warm und sehr herzhaft.

Am ersten richtigen Reisetag ging es dann also früh zum Bahnhof von Colombo, um den Zug nach Anuradhapura im Norden zu bekommen. Nach einer etwas längeren Wartezeit haben wir dann tatsächlich zwei Fahrkarten für die vierstündige Fahrt ergattert. Übrigens ist die Fortbewegung auf Sri Lanka wirklich spottbillig. Für diese Zugfahrt haben wir pro Nase lediglich 2 Euro gezahlt. Ebenso sind auch die überall fahrenden und haltenden Überlandbusse äußerst günstig. Hier zahlt man für eine Stunde Fahrt je nach Komfort (und Touri-Aufschlag) zwischen 1 und 3 Euro. Die Bahnen fahren in einem recht gemäßigten Tempo, so dass sich insbesondere junge Sri Lanker in die stets geöffneten Türen der Züge setzen und ihre Beine heraus baumeln lassen. Während der Fahrt laufen laut krakeelende Händler durch den Zug und verkaufen verschiedene Snacks, wie Teigbällchen mit Chilis und Zwiebeln. Wir haben uns auf der ersten Zugfahrt jedoch noch nicht rangetraut.

In der alten Königsstadt Anuradhapura ist die historische Altstadt – die heute zugleich wichtige Pilger- als auch archäologische Stätte ist – sehr sehenswert. Wir haben uns Fahrräder geliehen und uns so die Altstadt mit ihren beeindruckenden Dagobas – kuppelartige Bauten, in denen wichtige buddhistische Reliquien aufbewahrt werden – erradelt. Die bedeutendste Pilgerstätte Anuradhapuras ist der Bodhibaum Sri Mahabodhi. Der Überlieferung nach wuchs er aus einem Zweig jenes Baumes in Nordindien, unter dem Siddhartha Gautama, der Buddha, die Erleuchtung erlangt haben soll.

Unser nächstes Ziel war Dambulla mit seinem in den Berg gehauenen Höhlentempel. In diesem Weltkulturerbe und gleichzeitig größten Tempelanlage Sri Lankas finden sich in fünf großen Grotten historische Wandmalereien und Statuen. Von Dambulla aus haben wir auch Sigiriya besucht, ein 200 Meter hoher Felsen und eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Sri Lankas.

Weiter ging es nach Kandy, der Hauptstadt des letzten singhalesischen Königreichs. Hier ist vor allem der Zahntempel sehenswert. Er beherbergt einen Zahn Buddhas aus dem 4. Jahrhundert und dient noch heute als Pilgerstätte und Kloster. Dreimal täglich pilgern Gläubige und Touristen in den Tempel, um einen Blick auf den vergoldeten Reliquienbehälter zu erhaschen. Immer wieder sind wir auch auf aufgeschlossene Menschen gestoßen, die sich sehr für uns Touristen interessieren. So trafen wir im Zahntempel auf eine Gruppe sri-lankischer Polizisten auf einem Ausflug, die uns viele Fragen stellten, wie „How do you like Sri Lanka?“ oder „What ist the weather like right now in Germany?“. Es sind Begegnungen wie diese, die uns die Neugierigkeit der Sri Lanker gezeigt haben. Auch unsere Hosts in den Homestays waren immer sehr herzlich und im positivsten Sinne bemüht, uns einen tollen Aufenthalt zu bieten. Und ausnahmslos alle haben uns auf Wunsch ein leckeres Frühstück und Abendessen zubereitet. Eine mehr als gute Alternative zum Auswärtsessen.

Von Kandy sind wir mit dem Zug durch das Hochland von Sri Lanka nach Ella gefahren. Für die 160 Kilometer benötigt man ganze sechs Stunden. Allerdings ist dieser sehr zu empfehlende Trip auch mehr als eigene Sehenswürdigkeit denn als reine Zugfahrt zu sehen: Es geht vorbei an zahllosen Teeplantagen, kleinen Dörfern und durch die eindrucksvolle sri-lankische Berglandschaft. Ella selbst ist ein kleines Bergdorf umgeben von Teeplantagen und mittlerweile vollständig in der Hand von Rucksacktouristen, was sich auch im reichhaltigen Angebot von guten gastronomischen Locations zeigt. Unser Highlight war ein fantastisches Menü mit Bier – ganz stilecht in dieser Teeregion – aus Teekanne und eisgekühlten Teetassen. In Ella hat man die Möglichkeit zwei Berge zu erwandern, den Little Adam’s Peak und den Ella Rock. Von beiden bieten sich wunderschöne Ausblicke. Weiter ging es mit dem Bus von Ella raus aus den Bergen und in Richtung Kirinda. Nächster Stopp Indischer Ozean!

Generell ist es an der sri-lankischen Küste so: Je weiter man sich von Colombo weg in Richtung Osten begibt, desto ruhiger und weniger touristisch wird es. Und in Kirinda ist es wirklich angenehm ruhig. In dem kleinen Ort liegt ein buddhistischer Tempel malerisch über Felsen an einer einsamen Küste. Außerdem kann man Kirinda wunderbar als Ausgangsort für Safaris in den nahegelegenen Yala-Nationalpark nutzen. Diese finden vor allem vormittags statt und wir haben dort unter anderem Elefanten, Krokodile, Affen, Wasserbüffel, Hirsche, Adler und viele andere Vögel sowie einen Leoparden gesehen.

Unsere nächste Station Mirissa ist der perfekte Ort für einen Badeurlaub mit einem schönen Sandstrand. Der Ort ist auf der einen Seite noch nicht überlaufen, bietet aber auf der anderen Seite viele nette kleine Restaurants und Bars direkt am Meer für einen leckeren Cocktail, ein kühles Lion Bier oder ein romantisches Abendessen mit den Füßen im Sand. Außerdem ist Mirissa ein populärer Ausgangspunkt für Whale Watching. Hier sollte man sich im Voraus ein bisschen schlau machen, welche der zahlreichen Anbieter einen respektvollen Umgang mit den majestätischen Tieren pflegen. Wir haben auf unserer Reise das Glück gehabt, Blauwale beobachten zu können.

Unbedingt empfehlen können wir auch die Stadt Galle. Das 1663 von den Niederländern errichtete Fort mit Altstadt ist Weltkulturerbe. Sie ist die größte erhaltene europäische Festung in Südasien mit einem vielfältigen Miteinander von europäischer und asiatischer Architektur und einer Reihe von kleinen, italienisch anmutenden Kaffeebars und sogar Eisdielen.

Den letzten Strand-Stopp auf unserer Reise haben wir dann in Dalawella eingelegt, einem kleinen Ort in der Nähe von Unawatuna. Hier konnten wir in einem durch vorgelagerte Korallenriffe natürlichen Pool planschen und es uns an unseren letzten Urlaubstagen unter Palmen gemütlich machen.

Vor der Abreise nach Deutschland haben wir uns – entgegen vieler Hinweise in Büchern und Reiseblogs – dafür entschieden, uns auch Colombo anzuschauen. Und wir waren uns einig, dass die Hauptstadt durchaus auch ihre Reize besitzt. Spannend sind vor allem der Stadtteil Colombo-Fort mit seinen Kolonialbauten und die Vitalität der Stadt, die sich an den Massen von Menschen, Autos und den überall aus dem Boden sprießenden Hochhäusern zeigt. Hier ist einfach etwas los!

Was uns neben den beeindruckenden Landschaften und kulturellen Sehenswürdigkeiten, den schönen Stränden und offenen Menschen ganz besonders im Gedächtnis bleibt, ist das fantastische Essen. Das Standardgericht ist dabei Reis und Curry. Dabei ist unter Curry etwas anderes zu verstehen, als zum Beispiel unser Curry-Gewürz oder die berühmte Curry-Wurst. Als Curry werden Gemüse, Fleisch- oder Fischgerichte bezeichnet, deren Grundlage oft eine Soße aus verschiedenen Gewürzen und weiteren Zutaten ist. Gewöhnlich werden die verschiedenen Currys in kleinen Schalen serviert. In diesen finden sich dann Linsen, Fisch, Hühnchen, Kartoffeln, Bohnen, Spinat, rote Beete oder viele andere Gemüsesorten. Berücksichtigen muss man dabei immer, das viele Speisen scharf gewürzt werden. Da wir aber auch daheim gerne scharf essen, war das kein Problem für uns.

Alles in allem ist Sri Lanka wirklich faszinierend. Eine aufregende Insel mit viel Kultur und tollen Stränden, die einem unzählige Möglichkeiten bietet, eine gute Zeit zu haben. Wir kommen auf jeden Fall wieder!

Karte zentrieren
Verkehr
per Fahrrad
Transit