Eines gleich vorweg: Tokio ist so ziemlich das coolste, was ich in den letzten Jahren erlebt habe..

Ein Expat-Bericht von Andreas aus Stuttgart

…da können sich die europäischen Metropolen einiges von abschneiden, denn Tokio lädt zum Bleiben ein.

In der japanischen Hauptstadt leben über 12 Millionen Menschen, im Großraum sind es über 30 Millionen. Alles ist extrem sauber, die Menschen ultradiszipliniert, immer freundlich, alles ist bestens organisiert und funktioniert mit hoher Effizienz. Das lag ja so auch in meinem Erwartungsbild. Was mich überrascht und fasziniert hat, ist die Modernität der Stadt, das Grüne, das Verrückte trotz sehr traditioneller Kultur: schicke Architektur, megacooles Design, flippige Mode, verrückte Leute auf der Straße. Damit habe ich in diesem Ausmaß nicht gerechnet. Es fühlt sich alles erfrischend, leicht und entspannt an. Immer wieder inspirierend und beeindruckend.

Service ist hier selbstverständlich, Respekt und Achtung untereinander Teil der Kultur. Das Leben in den Straßen fühlt sich nicht hektisch an wie in anderen Großstädten. Überall gibt es Grünanlagen, alle sehr gepflegt, und der Verkehr auf den Straßen ist angenehm diszipliniert.

Auffällig viele schöne Frauen zeigen ihre schlanken Beine bevorzugt in sehr kurzem Rock oder Hotpants. Dazu leben die Frauen hier einen geradezu verrückten Schuhfetisch aus, aber immer mit Stil und Klasse, sodass es selten billig wirkt. Ich weiß nicht, wie oft ich mich in der letzten Zeit schon nach Frauen umgedreht habe. Während es für einen Heteromann ziemlich schwer sein dürfte, sein hormonelles Gleichgewicht zu halten, sieht es für die Frauenwelt meiner Meinung nach eher mau aus: die japanischen Jungs sind alle sehr schlank, selten über 1,70 m groß und eher feminin. Gerade ist es wohl unter den Männern in Tokio megahip, mit riesengroßen Handtaschen unter dem Arm geklemmt herumzulaufen.

Aufgrund der geringen Körpergröße hängen die Pissoirs in den Toilettenräumen fast am Boden. Natürlich kommt auch hier die Technik nicht zu kurz: der Klodeckel öffnet sich bei Annäherung automatisch, der Sitz ist vorgewärmt und per Touchdisplay wählt man das Spülprogramm für das werte Hinter- oder Vorderteil. Der kräftige oder sanfte strahl kann meist stufenlos reguliert werden. Für Frauen oder gibt es extra ein Bidetprogramm und bei der Trockenluft kann zwischen „mit oder ohne Geruch“ und „mit oder ohne Musik“ ausgewählt werden. Sobald man sein Geschäft verrichtet hat, reinigt sich das Klo selbst und der Deckel schließt sich wieder. Äußerst diskret läuft das Ganze ab. Selbstverständlich sind die Bedienelemente alle in hochwertiger, schicker Designoptik.

Einen Mülleimer sucht man in Tokio oft vergebens. Es gibt nämlich so gut wie keine. Da fragt man sich manchmal schon, wo man seinen Apfelbutzen (hochdeutsch: Kerngehäuse) oder den leeren Kaffeebecher wegschmeißt. Vermutlich entsorgen die Japaner alles zu Hause. Hier würde auch niemand auf die Idee kommen, einen Kaugummi auf die Straße zu spucken oder eine Kippe zu hinterlassen. Völlig undenkbar und sowas sieht man auch nicht auf den Straßen. Und ich gewöhne mich langsam daran, nicht über rote Fußgängerampeln zu laufen. Da wird man nur unverständnisvoll angeschaut. Ich glaube, die oberste Erfüllung eines japanischen Normalbürgers ist das Befolgen von Regeln. Die gibt es für alles und auch nur die kleinste Abweichung oder Flexibilität wird nicht geduldet. Auch daran

gewöhne ich mich langsam. Im Fitnessstudio gibt es einen Schuhverleihautomat für 3,20 € pro Gymgang, weil man mit Strassenschuhen da auf gar keinen Fall reinkommt. Vor dem Betreten der Umkleidekabine hat man seine Schuhe auszuziehen „like in a japanese house“… In japanischen Restaurants werden die Schuhe während des Essens in Spinde eingeschlossen. Hygiene wird hier wirklich großgeschrieben.

Auch bei meinen zahlreichen Apartmentsbesichtigungen gab es nur ein Motto: Schuhe im speziellen Eingangsbereich stehenlassen!

Tokio ist ein Shoppingparadies! Es gibt in den unzähligen Districts alles und zu jeder Zeit. Wer also die Möglichkeit dazu hat: Shopping ist ein Muss. Vergesst das „Christmas-Shopping“ in New York! Die Armani- und D&G-Geschäfte sind hier größer als in Milano & Roma. Eine stinknormale Replay-Jeans kostet allerdings gut und gerne mal um die 300€. Doch die Vielfalt an Produkten animiert schon sehr zum Bummeln – ob cool designtes Panasonic E-bike ist oder ein superschönes Holzcase für das Iphone. Japan ist wohl der größte Luxusgütermarkt der Welt.

Tokio liegt auf Höhe Athens. Im Sommer sind 30 Grad keine Seltenheit. Die Wintermonate gelten als sehr sonnig, selten wird es kälter als 10 Grad. Angeblich gibt es tolle Skigebiete, die in einer Stunde mit dem Highspeed-Zug erreicht werden können.

An der Küste mit all den kleinen Inseln wird gerne gesegelt. Da sind dann auch malerische Bauten und traditionell asiatische Häuser zu bestaunen. Die Englischkenntnisse sind hier leider rar gesät. Da wird es dann auch schwierig, dem Taxifahrer zu erklären, wo man hin will. Deshalb  lasse ich die Zieladresse dann oft auf japanisch vormalen.

Verträge unterschreibt man hier nicht sondern die „bevollmächtigten“ Personen haben einen kleinen, schicken Stempel, der rechtsverbindlich quasi die „westliche“ Unterschrift ersetzt.

Spannend ist auch, dass man beruflich auf viele Expats aus der ganzen Welt trifft. Neulich habe ich einen italienischen Kollegen bekommen, dem ich die lokale Arbeitsethik noch etwas näherbringen muss.
Natürlich ist Tokyo nicht gerade günstig. Ein One-Bedroom-Apartment kostet in einer urbanen Gegend dann schon mal 4.000€ pro Monat. Doch alles in allem ist Tokyo eine tolle Metropole!


MEHR INFOS:
www.gotokyo.org/de

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