…ein Winzer über Wein und seine Wurzeln

Was fasziniert Menschen so am Wein – mehr als Bier, Whisky oder Apfelmost? Ihm wird das zugeschrieben, was der globalisierten Welt abhandenkommt: Erdung und ein klarer Begriff von Heimat. Auch Jungwinzer Johannes Bauerle ist von der Rebe begeistert. Er ist Winzer aus Leidenschaft. Seine Heimat und die seiner Reben sind die Weinberge in Fellbach und Cannstatt, die schon seit Generationen im Familienbesitz sind. Und weil wir zu Vino bekanntlich nie „No“ sagen, haben wir für euch mit ihm gesprochen.

Deutscher Wein, begünstigt von der Klimaerwärmung, ist im Kommen. Jemand, der sich schon früh mit den besten Weinlagen Württembergs auskannte, ist Johannes Bauerle. Schon als kleiner Bub machte er seine Hausaufgaben im „Wengert“ und wuchs mit den Reben auf. Der Weinanbau wurde ihm damit in die Wiege gelegt. Seit 2013 ist er der Chef des Weinguts „Johannes B.“, das er nicht nur vom Vater übernommen, sondern kräftig umgekrempelt hat. Das Handwerk dazu erlernte er in seiner Ausbildung im Bereich Weinbau und Önologie. Auslandsaufenthalte in Neuseeland und Südtirol folgten, in denen er das Gelernte vertiefte und Bekanntschaft mit den Sorten Spätburgunder, Cabernet Sauvignon und Sauvignon Blanc machte. Sorten, die heute auf seinen Hängen neben den württembergischen Urgewächsen Trollinger, Lemberger und Riesling im Anbau sind. Auf seinem Weingut in bester Lage und idyllischem Ambiente stellten wir Johannes Bauerle ein paar Fragen.

Johannes, du bist Jahrgang 1987 und wurdest 2016 als „Bester Jungwinzer Württembergs“ ausgezeichnet. Was denkst du: Wird 2017 ein guter oder sogar ausgezeichneter Jahrgang?

(lacht) Wir hatten bislang leider mit Frost und viel Niederschlag zu kämpfen. Wenn jetzt aber noch ein schöner goldener Herbst kommt, mit vielen Sonnenstunden und wenig Niederschlägen, dann wird’s ein guter Jahrgang.

Wie kam es zu deiner Leidenschaft für Wein?

Bierbrauer wäre zwar auch eine Option gewesen, aber eigentlich war schon von Anfang an klar, dass ich Winzer werde. „Getrunken wird immer“, pflegt mein Vater zu sagen. Er ist mein größtes Vorbild. Meine Leidenschaft für den Weinberg habe ich vor allem von ihm geerbt.

Winzer werden heutzutage wie Künstler gehandelt, wenn man den Weinkritikern zuhört. Was ist die Kunst, das Besondere an deinen Weinen?

Meine Zauberformel: Mehr Qualität, weniger Quantität. Wir arbeiten ertragsreduziert, halbieren die Trauben und sorgen dafür, dass sie nach dem Regen vernünftig abtrocknen können. Dadurch kann die Rebe ihre ganze Kraft, ihre Nähr- und Aromastoffe auf eine geringere Anzahl von Trauben konzentrieren und entfalten. Wichtig ist auch das Entblättern. Wenn die Beeren ausreichend Luft und Licht erhalten, bleiben sie länger gesund und können später geerntet werden. Hinzu kommt die Verbindung von Tradition und Moderne: Wir nutzen moderne Kellertechnik und sind zugleich ganz traditionell, wenn es darum geht, den Wein ruhen zu lassen.

Letztes Jahr hast du Kompositionen aus mehreren Rebsorten – sogenannte Cuvées – mit deinen Freunden zusammengestellt. Was war die Idee dahinter?

Hier waren Freunde beteiligt, denen der Weinbau bisher fremd war. Sie durften das Weinjahr vom Rebschnitt über die Laubarbeit bis hin zur Ernte begleiten. Als Krönung stand Mitte Februar 2016 die Assemblage der Weine an. Daraus entstanden ein fruchtiger halbtrockener Weißwein sowie ein vollmundiger trockener Rotwein.

Neben Weinen kann man von euch auch „Früchtle“ im Laden erwerben oder in der Besenwirtschaft „a Viertele schloza“. Wie funktioniert euer Familienbetrieb?  

Unser Familienbetrieb basiert auf drei Säulen: Dem Weingut Johannes B., dass ich alleine führe, der modernen Besenwirtschaft sowie dem familiengeführten landwirtschaftlichen Betrieb in dritter Generation. Die daraus entstehenden „Früchtle vom Schmidener Feld“ werden in unserem Hofladen sowie dem Obst- und Gemüseladen in Fellbach verkauft. In unserer Besenwirtschaft können Gäste dann die saisonalen Delikatessen genießen. Frei nach dem Motto: „Vom Boden auf den Teller, von der Rebe ins Glas“.

Jetzt geht’s ums Ländle: Welchen Bezug hast du zu Stuttgart? Was gefällt dir hier am besten?

Mein Vater ist Fellbacher, meine Mutter gebürtige Cannstatterin. Auch ich bin in Bad Cannstatt geboren und durch meine Wurzeln so etwas wie ein Urschwabe. Das Schönste ist für mich der Blick über das Remstal, wenn ich morgens um 6 Uhr auf meinem Schlepper am Burgholzhof sitze und die 360-Grad-Aussicht genieße.

Du als Urschwabe – hast du einen persönlichen Geheimtipp für unsere Leser?  

Ich mag die Schwarz-Weiß-Bar am Wilhelmsplatz ganz gerne. Dort schlürfe ich auch mal einen Whisky und treffe gute Freunde. Das beste Sushi der Stadt findet man im Mikoto – und auch ein paar Weine von mir.

Dein Lebensmotto?

„Gas geben, wenn man jung ist!“


MEHR INFOS:
www.weingut-johannesb.de
www.bauerle-fellbach.de

Reservierungen für den Besen telefonisch unter:
0711/534128.

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