Kessel goes Hollywood

Dass hinter einem Film viel mehr steckt, als die dazugehörigen Schauspieler, weiß man ja. Nur manchmal reichen einem auch die Schauspieler irgendwie – vor allem, wenn es sich um Namen wie Ryan Reynolds und Ben Kingsley dreht. Kann ja dann fast nur gut werden. Kingsley verkörpert im Actionthriller „Self/Less“ den todkranken Milliardär Damian Hale, der sich sein Bewusstsein für ziemlich viel Geld in einen neuen Körper implantieren lässt. Weil sein alter Körper nicht mehr mitmacht. Der neue Körper gehört dann Edward; also Ryan Reynolds. Und mit diesem Körper hat er dann ziemlich viel Spaß – bis ihn unheimliche Visionen plagen, die wohl Erinnerungen an ein früheres Leben sind.

Der Streifen hört sich doch ganz gut an und kommt morgen (20.08.2015) in die deutschen Kinos!

Und damit auch ein Stück Stuttgart. Wie das geht?

Julian Lutz und Philipp Kuner, den Gesichtern hinter dem Stuttgarter Studio für Leichtbau und temporäre Architektur (kurz: LTA), flatterte eine Anfrage der Filmemacher entgegen. In der stand: „We want to create what looks like a cutting-edge mobile medical facility house inside an air-supported membrane.“

Und die Jungs dachten sich höchstwahrscheinlich sowas wie: „Ja, ok. Voll unser Ding.“ Denn: Das Studio LTA stellt, unter anderem, pneumatische Gitterschalen her. Die sehen ziemlich futuristisch aus – und der Story nach zu urteilen, ist das der Film ja auch. Als Vorläufer, der dann eigentlich für den Film gefertigten Konstruktionen, diente die Gitterschale „PLUSMINUS“, die schon 2009 im Rahmen einer studentischen Projektarbeit an der Universität Stuttgart am Institut für Leichtbau, Entwerfen und Konstruieren entstand.

Und wenn einer von euch an dieser Uni studiert, flaniert oder jemals schon mal studiert hat, dann wisst ihr ganz bestimmt um die Kuppeln, die quasi die Wege des Campus’ säumen. Und ganz in der Tradition des Stuttgarter Leichtbaus stehen, die zum Beispiel der Architekt Frei Otto geprägt hat.

Um wieder auf die Stuttgarter Stars zurückzukommen: Das Konzept für „Self/Less“ wurde letztendlich in Zusammenarbeit mit der Art Engineering GmbH, der Planex Technik in Textil GmbH und dem Atelier Leichtbaukunst weiterentwickelt. Bezeichnend für dieses Leichtbaukonzept ist das luftgestützte Tragsystem von Überdruck und Unterdruck. Für den Film wurden zwei Kuppeln benötigt. Die sind jeweils etwa 250qm groß und wurden innerhalb von drei Monaten im Kessel angefertigt. So, als wäre es kein großes Ding. Und dann ging es für die Kuppeln ab nach Amerika, genauer gesagt, nach New Orleans.

Ryan Reynolds und Ben Kingsley hin oder her: Wenn ihr euch den Film im Kino anschaut, dann denkt an die zwei Ingenieure Julian Lutz und Philipp Kuner. Durch die wurde der Streifen ja quasi erst so richtig cool. Und das zeigt mal wieder, dass große Namen von großen Schauspielern keinen Film machen. Das macht der Regisseur. Der Ingenieur. Der Set-Runner. Die Kameramänner; Kamerafrauen. Und in dem Fall macht das auch Stuttgart, irgendwie.


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