Motivationsprobleme angehen und bewältigen: „Starten muss man schon selbst… und durchhalten auch!“

Wie kommt es, dass manche Menschen sich etwas vornehmen, sich beispielsweise ein Ziel setzen und dieses auch erreichen? Und warum scheitern manche Menschen beim Versuch ihre Vorsätze in die Realität umzusetzen?

Zu allererst wird meist der „starke“ oder „schwache“ Wille ins Feld geführt. „Wenn ich doch einen stärkeren Willen hätte, dann würde ich ja… Aber ich bin so schwach!“. Aber halt: ist es wirklich ausschließlich eine Willensfrage, die uns scheitern oder erfolgreich sein lässt?

Was will man überhaupt?

Der Mensch ist ein dichotomes Wesen. Das bedeutet, dass er meist zwei konkurrierende Ziele, also mindestens zwei „Wollen“ in sich trägt, die sich gegenseitig ausschließen. Kurzfristig möchte man sich vom stressigen Tag erholen, sich mit gutem Essen und Alkohol belohnen und die Zeit mit Freunden verbringen. Langfristig aber wollte man fit und gesund bleiben. Daher sollte man auf seine Ernährung oder seine Bewegung achten. Der innere Clinch beginnt. Sofa oder Fitnessstudio? Sahnepudding oder Gurkenscheibe? Bierchen oder Wasser? So streitet die hedonistische gegen die asketische, die tierische gegen die menschliche, die impulsive gegen die vernünftige Natur des Menschen. Siegreich ist meist die hedonistische, tierische und impulsive Ader. Das langfristige Ziel wird für den kurzfristigen Spaß geopfert.

Zu ändern oder auszuhalten – die äußeren Umstände?

Es gibt nicht nur einen inneren Konflikt der uns die Zielerreichung oft unmöglich macht, sondern es existieren auch noch die äußeren Umstände, die uns das Leben „schwer“ oder „leicht“ machen können. Unter Pech und Glück könnte man sie zusammenfassen. Der Eine ist stets vom Glück verfolgt und ihm fliegen die Dinge scheinbar zu, der Andere hat Pech, wird krank und muss schwere Schicksalsschläge verkraften. Eine Zielerreichung ist unter schwierigen und widrigen Lebensumständen manchmal schlicht nicht möglich.

Fehlendes oder falsches Wissen als Ursache?

Wieder andere müssen sich mit den Fehlern die sie aus Unwissen oder falschem Wissen machen, herumschlagen. Falsche Entscheidungen können sich als unüberwindbare Hindernisse auf dem Weg zum Ziel erweisen. So ist der eingeschlagene Weg und die Wahl der Methode vom guten und richtigen Wissen abhängig. Es stellt sich die Frage: „Habe ich die notwendigen Fähig- und Fertigkeiten um das anvisierte Ziel überhaupt zu erreichen und wer kann mir fehlendes oder fehlerhaftes Wissen ersetzen oder korrigieren?“

Emotionale Instabilität als Mega-Blockade

Emotionale Blockaden entstehen durch „sinn-lose“ oder „sinn-freie“, ja geradezu toxische Gedanken. Aber stopp: was sind emotionale Blockaden und was versteht man unter „giftigen“ Gedanken?

Verletzungen, Kränkungen, Angst, Ärger, Wut, Zorn, Hass, Neid, Eifersucht, Missgunst, Schuld- und Schamgefühle, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Depressionen sind ungesunde Gefühle. Diese ungesunden Gefühle werden nicht durch die Lebensumstände erzeugt, sondern durch eine toxische Gedankenmischung über die Lebensumstände.

Die toxische Gedankenmischung zur Mega-Blockade:

  • Absolute Forderungen: „Was ich mir vornehme, muss ich, weil ich es mir vorgenommen habe, auch erreichen. Ich darf keine Fehler machen und muss perfekt sein. Ich muss alles (mich und die Umstände) unbedingt unter Kontrolle haben.“
  • Katastrophisierungen: „Wenn ich es nicht erreiche, dann ist das eine Katastrophe. Es ist Schrecklich. Nicht auszuhalten.“
  • Globale Abwertungen: „Da ich es nicht erreicht habe, bin ich ein Versager. Eine Null. Ein Wurm.“
  • Geringe Frustrationstoleranz: „Das Nicht-Erreichen meiner Ziele ist unerträglich, das halte ich nicht aus.“

So lösen also sinnlose und toxische Gedanken die Blockaden aus, die eine Zielerreichung unmöglich machen.

Perfektionismus – die Quelle für endlose Angst

Die Angst vor Veränderung, vor Unannehmlichkeiten, vor unangenehmen Konsequenzen, vor dem Scheitern und Versagen wird durch entsprechende Gedanken erzeugt. „Die Änderungen die ich anstrebe müssen leicht und ohne Schwierigkeiten zu erreichen sein. Ich darf bei der Ausführung keine Fehler machen. Fehler wären unerträglich!“

Der ultimative Motivationskiller – Ärger auf sich selbst

„Ich schaffe es sowieso nicht, ich bin eine Null, ein Versager. Ich bin offensichtlich zu doof und zu schwach um eine Aufgabe erfolgreich zu erledigen oder ein Ziel zu erreichen! Ich bin unfähig und talentfrei – bei meinen schlechten Voraussetzungen kann ich es ja gleich sein lassen.“

Schlechte Organisation – oh je!

Neben den emotionalen Blockaden gibt es auch noch praktische Blockaden, die uns das Leben bei der Zielerreichung schwer machen. Praktische Effizienzblockaden sind unter anderem:

  1. Schlechtes Zeitmanagement
  2. Ineffiziente und schädliche Gewohnheiten
  3. Mangelnde Problemlösefertigkeiten durch fehlendes Wissen
  4. Schlechte Eigenmotivation durch eine niedrige Frustrationstoleranz
    • schnelles Aufgeben
    • viel Jammern und Klagen
    • geringe Fähigkeiten Schmerzen, Unannehmlichkeiten und Widerstände zu ertragen.

Es ist also nicht nur ein „schwacher Wille“, der uns bei Zielerreichung und bei der mangelnden Motivation quält. Es ist komplizierter.

  • Widerstrebende kurz- und langfristigen Ziele,
  • schwierige Umstände,
  • fehlendes oder falsches Wissen,
  • emotionale und praktische Blockaden

können uns demotivieren und uns unseren inneren Antrieb rauben.

Mit „kontrolliertem Wahnsinn“ das Ziel erreichen

Scheitern gehört zum Leben dazu. Ohne Scheitern kein Lernen. Man muss sich selbst, wenn man wirklich weiterkommen will, Fehler und ein mögliches Scheitern „erlauben“. Gleichzeitig sollte man hart daran arbeiten, die Fehler zu vermeiden. Klingt paradox. Ist es auch. Funktioniert aber besser, als von sich Perfektion zu fordern, sie nie zu liefern und aufzugeben.

Man sollte sich bewusst machen, was man wirklich will – jetzt und in Zukunft. Vernünftiges Abwägen, gesunder Verzicht und „kontrollierter Wahnsinn“ könnten ein funktionierendes Modell sein. Die meisten Menschen leben „unkontrollierten Wahnsinn“. Sie wägen selten ab und Verzicht empfinden sie als Einschränkung ihrer Freiheit. Vielleicht ist Verzicht aber auch manchmal als Ausdruck der Willensfreiheit zu verstehen?

Manche Menschen essen zu viele Süßigkeiten und trinken zu viel Alkohol, schlafen zu wenig und feiern zu viel, arbeiten zu wenig oder zu viel und kennen nur ein Ziel: kurzfristigen Spaß. Andere verzichten zwanghaft auf alles – gönnen sich nichts, leben rigide und haben keinen Spaß. Beide Extreme sind „unkontrollierter Wahnsinn“.

Man muss auch „jönne könne“ – und verzichten

Unter „kontrolliertem Wahnsinn“ versteht man, sich ab und zu etwas zu gönnen, sich etwas Gutes zu tun und sich zu belohnen. Man sollte aber auch in der Lage sein, auf etwas zu verzichten um ein langfristiges Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Damit das gelingen kann ist es notwendig ein emotional stabiles (und darunter versteht man kein langweiliges) Leben zu leben. Emotionale Stabilität sorgt für Klarheit im Kopf. Die Klarheit, die notwendig ist um folgende Unterscheidung zu treffen:

  • Welche Gedanken bringen mich weiter und mit welchen Gedanken sabotiere ich mich selbst?
  • Welche Umstände muss ich ertragen und welche kann ich ändern?
  • Welche Ziele sind wirklich wichtig für mich, an welchen sollte ich dranbleiben?
  • Von welchen Zielen sollte ich mich befreien?

Wer es geschafft hat, emotional stabil und damit klar im Kopf zu sein, hat bei der Auswahl seiner Ziele und bei der Frage, wie er diese erreichen kann, klare Vorteile.

  • Er (oder sie) kann impulsive Gedanken schnell erkennen und stoppen.
  • In wenigen Atemzügen die Kontrolle finden.
  • Sich selbst „neutral“ (wie von oben aus einem Satelliten) beobachten.
  • Seine Gedanken ändern.
  • Eine Entscheidung ändern, treffen oder daran festhalten.

Neugierig geworden? Der Weg zu einem klaren Kopf und zu innerer Stabilität ist ein echtes Geheimnis.


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