PACK DEN FIT-NICKKORB: 4 ABGEFAHRENE FITMACHER & LOCATIONS IN STUTTGART

Fitnessstudio? Schnaaaarch. Durch den Schlossgarten joggen? Gääähn. Auf dem Bike gegen die anderen Radlermassen am Neckar antreten? Also bitte. Klar kann man in Stuttgart auch normale Sportarten machen – muss aber nicht, denn es gibt auch coole Alternativen.

Ja, jaaa, wir wissen es. Es ist Frühling und wer jetzt noch nicht die angefutterten Winterpfunde losgeworden ist, muss sich gewaltig sputen, damit er die Zuzieh-Schnur an der Badehose nicht gegen die XXL-Schnürsenkel von Overknee-Boots ersetzen muss. Aber mal ganz ehrlich: Im Fitnessstudio auf Geräten hocken, die noch warm vom sicherlich nicht ganz Steroid-freien Muskelberg von vorhin sind? Sich in irgendwelchen Kursen von supertotalmegamotivierten Trainern bei viel zu lauter Bumm-Bumm-Musik anfeuern lassen, während man eigentlich ob der saftigen Schlagzahl schon so fertig ist, dass man sich am liebsten erst mal gemütlich zum Nickerchen auf die nächste Hantelbank legen würde? Oder halt die Klimaschwein-Aktion: Das Bike mit irgendeinem motorisierten Verkehrsmittel aus der Stadt befördern, dabei klassisch im Stau stecken und dann irgendwo im Umland ein paar Stunden radeln, bevor es auf dem gleichen Weg wieder zurückgeht. Alles irgendwie nicht so prickelnd, aber es gibt ja auch noch einige sportliche Alternativen, die weniger massentauglich, dafür aber um Längen cooler sind.

1. Trainieren wie „in da hood“

Eigentlich ist das, was man so langläufig in den Fitnessstudios macht, ein ziemlich überteuerter Spaß für die Massen. Das glaubt Ihr nicht? Dann solltet Ihr mal einen Blick auf eine Sportart werfen, die so absolut nur in den USA entstehen konnte, wo auch sonst? Nämlich Ghetto Workout. Das hat entgegen des Namens gar nichts damit zu tun, nach Straftaten vor der Polizei wegzurennen, sondern entstand viel mehr aus der traurigen Tatsache, dass es in den ärmeren Großstadtvierteln der USA genug Jungs und Mädels gibt, die sich schlicht entweder das Fitnessstudio nicht leisten können oder einfach wegen des schäbigen Rufs ihrer Gegend keines in der Nähe haben – gut, ein klein wenig Erfahrung aus Justizvollzugsanstalten steckt auch drin.

Doch was ist Ghetto Workout? Prinzipiell ist es die Kunst, eine städtische Umgebung zu seinem ganz persönlichen Fitnessstudio umzufunktionieren und somit die Kombination mehrerer fitmachender Trainingsmöglichkeiten:

  • Gewichtstraining
  • Heimtraining
  • Körpergewichtstraining
  • Freeletics

Und was braucht man dazu? Prinzipiell nur einen freien Platz. Besonders gut geeignet sind dazu entweder die 152 Kinderspielplätze Stuttgarts oder aber man begibt sich in den Street Workout Park in Hofen. Und dort macht man dann von Liegestütze über Crunches bis hin zu Klimmzügen all das, wofür im Fitnessstudio teure, hochkomplizierte Geräte herumstehen.

Aber Ghetto Workout ist noch viel mehr, wenn man auch noch einen gewissen Recycling-Gedanken einbringen möchte. Dann nämlich werden alte Reifen zum Boxsack, wird aus einer Metallstange vom Schrott und zwei Winterreifen auf Felgen eine Langhantel. Die wird man zwar eher weniger durch Stuttgart schleppen, kann so aber eben auch den Hinterhof der Mietswohnung zum Ad-hoc-Fitnessstudio umfunktionieren, ohne übermotivierten Trainer. Eben alles nach dem Ghetto-Workout-Motto „Training gibt’s überall, man muss nur die Augen offenhalten“.

2. Irgendwie Wassersport – irgendwie auch nicht

Jedes Jahr kommen findige Tüftler rund um den Globus auf den Gedanken, DIE neue Trendsportart schlechthin erfunden zu haben. Bei den meisten gereicht es freilich nur für einen quirligen Bericht in einem Boulevardmagazin im Privatfernsehen und das war´s dann. Eine Ausnahme, wenngleich immer noch eine Randerscheinung, ist das Aquaskipping. Das dazugehörige Gerät, der Aquaskipper, ähnelt irgendwie dem, was man erwarten würde, wenn ein Fahrradfahrer, ein Wasserskifahrer und ein Surfer ihre Ersatzteilkisten zusammenkippen.

Allerdings ist die Idee dahinter gar nicht mal schlecht. Um sich und den Aquaskipper nicht nur über Wasser zu halten, sondern auch noch fortzubewegen, ist nämlich eine, den ganzen Körper beanspruchende Wippbewegung nötig. Das sieht für Unbeteiligte zwar nicht sonderlich stylisch aus, wenn man aber mal den Bogen raushat, machen die Geräte einen Höllenspaß und sorgen obendrein auch noch für entsprechende Fitness und eignen sich damit bestens, um sich in denwarmen Monaten auf ungewöhnlichere den Sportlichen zu markieren.

In Stuttgart ist, Hands down, dafür am besten der Max-Eyth-See geeignet oder zumindest einer der anderen, knapp zwei Dutzend Seen im Großraum der Stadt. Klar könnte man sich mit dem Aquaskipper auch auf dem Neckar vergnügen und einige Routiniers hüpfen damit auch an Stränden durch die Brandung, sonderlich anfängerfreundlich wären diese Varianten aber angesichts der Strömungen aber nicht.

Ein weiterer Vorteil, diesmal für die Umwelt: Man muss sich einen Aquaskipper nicht von China aus tausende Meilen um den halben Globus verschiffen lassen. Die Teile werden in Waltenhofen gebaut, das liegt im Allgäu. Der Nachteil ist freilich der Preis, 799 Euro kostet der Spaß – und auch nur, wenn man sich sein Gerät selbst beim Hersteller abholt. Sonst kostet es 200 Euro mehr.

3. Treffen sich ein israelischer Nahkampflehrer und fernöstliche Entspannungstechniken

Die gute alte Zeit. Da konnte man noch richtig beim Yoga entspannen, mit Qigong-Übungen die Kumpels an die Moves aus alten Jackie-Chan-Filmen erinnern. Und heute? Heute gibt es allein im Stuttgarter Stadtgebiet roundabout 20 Yogastudios, die Uni bietet es gar als Hochschulsport an und Qigong wird nicht nur in ähnlich vielen Studios durchgeführt, sondern oft auch von wahren Menschenmassen in Parks.

Da ist Überfüllung vorprogrammiert.

Doch keine Panik, es gibt da noch eine ähnliche Option, die nur wenig bekannt, aber genauso effektiv ist. Ein paar Eckdaten gefällig? Es war einmal ein weißrussischer Jude namens Moshé Feldenkrais, der 1909 geboren wurde und 1919 nach Palästina auswanderte. Im Laufe seines Lebens:

  • Lernte er die Kampfsportart JiuJitsu
  • Trainierte er als Mitglied einer jüdischen Untergrundorganisation einen Vorgänger der Selbstverteidigungskunst Krav Maga
  • Errang er den schwarzen Gürtel im Judo
  • Wurde Doktor des Ingenieurswesens
  • Lehrte sich als Autodidakt in Neurophysiologie und –psychologie

Und was haben diese trockenen Daten jetzt mit Fitness zu tun? Ganz einfach: Aus all den Kampfstilen und dem Wissen um den menschlichen Körper und seinen Geist strickte Moshé Feldenkrais seine Feldenkrais-Methode. Und das ist eine echte „eierlegende Wollmilchsau“, denn die Methode:

  • Hilft bei der ganz normalen Entspannung
  • Stärkt die Muskulatur
  • Schult die Motorik des gesamten Körpers
  • Unterstützt die Therapie von Schmerzen
  • Verbessert die allgemeine Gesundheit

Der gewaltige Vorteil, den die Feldenkrais-Methode gegenüber ihren Kollegen Yoga und Qigong hat, ist ihr Alter. Sie entstand nämlich erst in den 50er Jahren und nutzt direkt die Erkenntnisse in der zeitgenössischen Hirnforschung und Medizin. Zugegeben, die Übungen sind nicht ganz ohne, dafür sind sie aber neben dem Fitnessfaktor ein exzellentes Mittel gegen die typischen Zipperlein unserer Generation, die zu viel vor dem Computer sitzt.

Normalerweise nutzen in Stuttgart ausschließlich Therapeuten die Methode – ohne Krankenschein käme man also nicht weit. Aber es gibt auch VHS-Kurse, in denen die Grundlagen gelehrt werden. Und dann gelten natürlich die klassischen Location-Vorteile, die auch Yoga hat, also eine Matte schnappen und einfach dorthin ziehen, wo die Vögel zwitschern und man nicht so viele Zuschauer hat. Etwa in die stilleren Ecken der Karlshöhe.

Squuuitsch, Klirr, Mist!

Wenn die Sportart reicher, alter Männer sich auf ihre Wurzeln besinnt und man noch einen gehörigen Schuss „Anarchy in the Stuggi“ dazugibt, dann entsteht das, was landläufig unter Crossgolf bekannt ist. Doch um das zu erklären, ist einmal mehr etwas Geschichte notwendig. Denn auch wenn es heute mit sauteuren Beiträgen und mit Millionenaufwand gepflegten Grüns gar nicht mehr so wirkt, ist Golf eigentlich eine Arme-Leute-Sportart.

Die kompletten Wurzeln des Golfsports liegen heute immer noch im Nebel. Fest steht nur, dass irgendwann im 13. Jahrhundert, von Holland ausgehend, schottische Schäfer begannen, sich die Zeit damit zu vertreiben, kleine Steine mit am Ende gebogenen Spazierstöcken durch die Gegend zu feuern – also quasi das, was jeder von euch schon mal als Kind mit dem Regenschirm auf dem Schulhof gemacht hat. Fakt ist also, dass der frühe Golfsport in Sachen Zeit und Ort vollkommen willkürlich war, denn der erste Golfplatz entstand erst wesentlich später in der Nähe von Edinburgh.

Doch genug der Geschichte. Denn genau diese anarchistischen Wurzeln ohne einengenden Regularien und präparierte Plätze sind der Grundstock für das, was heute das Crossgolf ausmacht.

  • Wo kann man es in Stuttgart spielen? Buchstäblich überall
  • Was braucht man dazu? Ein paar günstige Lakeballs und ein 7er Eisen
  • Welche Regeln gibt es? Die gleichen wie beim „echten“ Golf, mit so wenig Schlägen wie möglich den Ball ans Ziel bringen

Und dieses Ziel kann alles sein, was man sich nur wünscht: Ein Mäuseloch im unteren Schlossgarten, ein Mülleimer in der Wagenburgstraße. Crossgolf lebt davon, möglichst viel Kreativität bei der Auswahl von Löchern und Strecken mit einfließen zu lassen. Allerdings sei es, wegen der doch ziemlich präsenten Gefahr, durch mangelndes Talent Autoscheiben und Co. zu demolieren, wirklich angeraten, zumindest die Grundfähigkeiten professionell zu erlernen, damit man wenigstens die Abschläge halbwegs sauber und kontrolliert hinbekommt. Und auch dazu muss man nicht zum Soltitude-Club fahren, sondern kann sich an die Jungs und Mädels der GolfFellas wenden – einem losen Zusammenschluss von Crossgolf-Interessierten aus dem Großraum Stuttgart.

Okay, mit Fitness ist es beim Crossgolf natürlich nicht mehr allzu weit her, aber dafür bekommt man hier ein Ding geliefert, das sich perfekt dazu eignet, um an einem sonnigen Tag mit ein paar Kumpels und einem Sixpack loszuziehen und einfach eine richtig gute Zeit zu verbringen.

Fazit

Der Sommer naht mit riesen Schritten. Wäre doch langweilig, sich da einmal mehr mit den gleichen Sportarten die Zeit zu vertreiben, die man selbst (und zigtausend andere) schon seit