„Im Bruddeln bin ich Paradeschwabe“

Stuttgart in Verbindung mit dem Wort unnütz zu bringen – und das auch noch positiv? Patrick Mikolaj hat das mit der Gründung von „Unnützes Stuttgartwissen“ geschafft. Wir haben mit ihm über Heimat, Käsespätzle und Entdeckungstouren gesprochen.

Patrick, du bist Gründer des Unnützen Stuttgartwissens. Aber fangen wir mal ganz von vorne an: Kommst du ursprünglich aus Stuggi?

Na ja, fast. Ich bin in Kirchheim unter Teck vor der Alb auf die Welt gekommen und bin wirklich stolz auf meine Heimat. Auf das unter bestehe ich übrigens. (lacht) 2011 war mir Kirchheim dann aber einfach zu klein und ich bin nach Stuttgart gezogen und habe eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht.

Und dann hattest du Lust auf was Anderes?

Wenn man in eine andere Stadt zieht, dann beschäftigt man sich ja auch damit. So war es bei mir jedenfalls! Für mich waren vor allem die kleinen Geschichten spannend. Ich hab meinen Freunden gerne diese unnützen Geschichten zu den Gebäuden und Plätzen erzählt. Irgendwann waren es so viele Stories, dass ich mir gedacht habe: Ich mach’ einfach eine Facebook-Gruppe, in der jeder alles bequem nachlesen kann. Das Profil habe ich im August 2012 unbewusst öffentlich gemacht – und schwupps: „Unnützes Stuttgartwissen“ hatte innerhalb der ersten Woche 10.000 Likes.

Wie bist du mit dem plötzlichen Fame umgegangen?

Als der Erfolg kam, war gerade mein Urlaub zu Ende – und da ging es richtig los mit den Anfragen von BILD, SWR und Co. Ich hab dann beispielsweise in einer Mittagspause dem SWR mal ein Interview gegeben. Mein guter Freund Matthias meinte, dass ich da unbedingt was draus machen müsste. Und so haben wir beide  einen Kalender rausgebracht, der durch die Decke ging. 2014 haben wir einen eigenen kleinen Verlag gegründet, in dem wir das Unnütze Stuttgartwissen verlegt haben. Das war ein Fulltime-Job: Im ersten Jahr haben wir täglich einen Facebookpost rausgehauen. Inzwischen posten wir zweimal pro Woche. Wir haben außerdem eine App, auf der man zu vielen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten eine kleine Geschichte lesen kann. Es gibt jetzt auch Bücher, Quiz-Spiele und geführte Entdeckungstouren. Gerade arbeite ich übrigens auch dreimal pro Woche im Verkauf bei Enkel&Schulz im Gerber; einfach weil es mir Spaß macht. Lebensqualität bedeutet für mich die Freiheit, flexibel sein zu können.

Wie läuft so eine Entdeckungstour?

Ich hab einen super hohen Anspruch an alles. Jeder muss begeistert sein! Man wird dort nicht mit Jahreszahlen und langweiligen Fakten überschüttet. Oft sind auch junge Studierende als Stadtführer dabei. Wir erzählen kleine, interessante Geschichten – von der Vergangenheit bis in die Zukunft. Es gibt verschiedene Touren. Die Citytour richtet sich eher an Touristen und Neu-Stuttgarter. Anders ist da die Besserwisser-Tour: Hier kann man Stuttgart mal ganz anders erkunden. Wir planen auch eine neue Tour: Go Wescht! Da ist natürlich der Name Programm.

Und wo bist du gerne unterwegs?

Ich gehe gerne spazieren, aber auch durch Stuttgarts Straßen. Es gibt einfach immer etwas zu entdecken. Ich mag Locations mit viel Altbausubstanz, wie das Gerberviertel. Außerdem liebe ich einfach die Hügel rund um die Stadt und die Aussichtsplätze. Meine Lieblingsplätze sind die Markthalle, das Teehaus und die Karlshöhe. Essen gehe ich gerne im Carls Brauhaus, weil dort schönes Ambiente, humane Preise und mein Lieblingsessen Käsespätzle zusammenkommen. Sonst hänge ich auch mal am Palast ab, weil man dort einfach einen Querschnitt der Gesellschaft findet.

Welche Städte feierst du noch?

Das ist ganz unterschiedlich: München von der Schönheit her, Köln von den Leuten her – aber Stuttgart bleibt für mich immer noch die Großstadt zwischen Wald und Reben. Das war früher mal ein Slogan, mit dem wir gerne geworben haben. Meine absolute Lieblingsstadt ist Wien, weil ich Altbauten liebe. Deshalb finde ich es so schade, dass in Stuggi Altbausubstanzen immer mehr verloren gehen.

Was sollte man als echter Stuttgarter wissen?

Man sollte wissen, wo man die wilden Papageien auf dem Schlossplatz findet – und sich nicht über sie wundern. Und Bruddeln sollte einem auch fremd sein. Immer dran denken: Ned bruddelt, isch globt gnug. Ich bin im Bruddeln zum Beispiel auf jeden Fall Paradeschwabe (lacht).


Wen kümmert es, dass Einsteins Oma in Stuttgart begraben liegt? Wen interessiert es, dass Samuel Beckett ein Gedicht über die Neckarstraße geschrieben hat, oder dass Roland Emmerich einer von uns ist? Dich?! Dann sei willkommen bei UNNÜTZES STUTTGARTWISSEN.

MEHR INFOS:
www.unnuetzes-stuttgartwissen.de