REVIEW ZUM STUTTGART FESTIVAL

„Schau mal, es geht los!“, signalisiert der Typ mit Vollbart neben uns. Mit ein bisschen Fantasie könnte man träumen – von Nordlichtern, die den Himmel erleuchten. Passend zu den melancholischen Melodien des isländischen Komponisten Olafur Arnalds. Schade nur, dass es sich bei diesen „Highlights“ um Blitze handelt, die ein Unwetter ankündigen.

Irgendwas ist halt immer: Das dachten sich wahrscheinlich auch die Veranstalter des Stuttgart Festivals, das seine Premiere feierte. Mit einem ordentlichen Donnerwetter hatten die Veranstalter zu kämpfen – auch von Seiten der Sozialen Netzwerke. Wir persönlich sagen: Safety first (erhobener Zeigefinger), Chapeau und Champagner (erhobenes Glas) auf dieses Fest!

Spaß bei Seite. Dass ein Festival in Kinderschuhen beim allerersten Mal natürlich Probleme mit sich bringt, ist absehbar. Wenn aber das Gesamtpaket passt, bestehend aus Indie-Pop, Kunstmarkt und kulinarisch kreativer Fressmeile, dann haben die Veranstalter alles richtig gemacht. Bier gab’s auch. Und Jägermeister. Oder Beides. Das Wetter kann nun wirklich keiner beeinflussen – auch nicht die Veranstalter.

Klar, ärgerlich war das schon. So kam am Freitag niemand in den Genuss der Headliner Crystal Fighters. Traurig aber wahr. Auch Dillon mit ihrem hellen, klaren und wie immer ausdrucksstarken Gesang musste, kaum dass sie ihre Stimme gefunden hatte, unterbrechen. Denn dann hieß es: „Bitte begeben Sie sich in die Messehalle“. Evakuierung war angesagt, Konzerte wurden abgesagt. Aber besser mit wehender Fahne untergehen, als von einer erschlagen zu werden. „Schade, schade“, dachten sich wohl die meisten Besucher. Dito. Adé, Dutt-Frisur. Adieu, Dillon!

Wenigstens hatte die Messehalle eine ganz eigene, familiäre Atmosphäre: Darf ja bekanntlich nie fehlen, diese ominöse Atmo. Und wer zudem die dreistündige Einlassverspätung am nächsten Tag verschmerzen konnte, wurde von der belgischen Indie-Rock-Band Balthazar, den Berlinern Bonaparte, der norwegischen Band Kakkmaddafakka und dem Londoner Produzenten SBTRKT und seiner Band belohnt. Mit gut gelauntem Indie-Pop-Rock und elektronischen Klängen.

Trotz Wind und Wetter hatten wir zwei unvergessliche Tage auf dem Stuttgart Festival. Einstimmig abgestimmt: Über die Organisation, die Auswahl der Acts, die Location, das liebevolle Drumherum bis hin zu tollen Leuten war das Stuttgart Festival ein gelungenes Event. Die GTS-Crew ist sich sicher – und Ihr hoffentlich auch: Stuttgart braucht dieses Festival. Liebe Veranstalter, macht weiter so! Bitte.

Hecktisch werden Stände abgebaut; Designer bringen Kleidung, Kunst und Taschen in Sicherheit. Bunte Luftballons fliegen davon. Die anfangs entspannte Festivalatmosphäre wird lauter und aufgeregter. „War’s das schon?“, ruft Vollbart enttäuscht neben uns. Hoffentlich nicht, denken wir nur. Bis zum nächsten Jahr, Stuttgart Festival!


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www.stuttgartfestival.de