SOWOHL HIGHCLASS ALS AUCH STRASSE – DAS KOSTET DAS LEBEN IN STUTTGART

So rappt Max Herre über seine Stadt, Stuggi City, und ja, es vermittelt schon ein gewisses Bild von Stuttgart und ihrem Lifestyle. Dekadenz geht hier genauso wie Straße, zumindest wenn es um die eigene Einstellung geht. Aber was kostet das Leben in Stuttgart eigentlich, wenn es um die Basics geht? Ein Blick auf den Vergleich mit anderen Städten überrascht: nicht München- und nicht Hamburg-Niveau wird hier aufgerufen, aber günstiger geht’s allemal.

Ingenieursstadt, Universitätsstadt und dazu noch im knausrigen Schwabenländle. Dann noch Mercedes und Porsche als ortsansässige Firmen, die sicherlich gute Gehälter zahlen. Wer da mithalten will braucht Geld – stimmt’s? Nun ja. Die Schwaben sind sparsam, das mag sein. Und das ist einer der Gründe, warum das Stuttgarter Umland so beliebt ist. Leben auf dem Land und arbeiten in der Stadt. Das ist gerade in Städten wie Stuttgart eine gute Alternative. In der Innenstadt nämlich tümmeln sich die Studenten und jungen Arbeitnehmer – die wollen nicht raus, was verständlich ist. Immer mit dem Bus in die Stadt? Oh bitte. Das Fahrrad soll Hauptverkehrsmittel bleiben, sonst wird’s hier rasch zu teuer – und zu aufwendig sowieso, denn wer will nach einer Partynacht noch raus aufs Ländle tingeln?

Auch deshalb ist eins Fakt: Wohnen in Stuttgart ist teuer. Aktuell liegen die Quadratmeterpreise bei durchschnittlichen 10,53 Euro, abhängig davon, wo die Wohnung liegt. Besonders beliebt sind die Halbhöhen- und Höhenlagen unweit zur Innenstadt. Ein Beispiel: Der Frauenkopf südlich der Innenstadt. Diese Lage will bezahlt werden. Ganze 12,93 Euro kostet hier der Quadratmeter. Ähnlich sieht es auch im Norden der Stadt aus. Die Hanglagen kommen hier ebenfalls auf 12,90 Euro – ein Grund, warum Stuttgart zur Mietpreisbremse greift. Das verhindert zwar das Ausreißen einzelner Wohnungen und die einzelne Überteuerung, im Großen und Ganzen bleibt es aber dabei: Die Mieten in Stuttgart steigen in jedem Jahr um ca. drei Prozent. Also: Wohnen in Stuttgart ist teuer, selbst wenn es ein wenig außerhalb geht und man die Mischgebiete zieht. Erst am nördlichen Stadtrand in Zazenhausen ist es dann mit 8,71 Euro pro Quadratmeter entspannter – bleibt die Frage, ob das wirklich wünschenswert und praktikabel ist.

Aber hey, wir wollen hier am Ende ja konkrete Zahlen für euch haben. Nehmen wir also den Durchschnittsstudenten in Stuttgart, der sich eine WG sucht und auch sonst versucht, sparsam zu leben. Dieser Mensch lebt also auf 20 Quadratmetern, sucht sich aber eine gute Lage. Nord, Frauenkopf oder Mitte müssen es schon sein. Da finden sich WG-Zimmer, die mit allem drin bei 370 Euro liegen.

Oder wir nehmen einen jungen Arbeitnehmer, Berufseinsteiger. Er mag jetzt raus, hat genug von WGs und sucht sich deshalb eine eigene Bude. Zwei Zimmer, 50 Quadratmeter, aber auch hier muss es die gute Lage sein. Unter 900 Euro kalt ist nichts zu finden – die WG ist also definitiv die günstigere Entscheidung. Hier heißt es: Weiter rausziehen oder die teure Miete in Kauf nehmen. Dennoch bleibt festzuhalten: Den Mietpreisspitzenreiter stößt Stuggi damit nicht vom Thron. München liegt im Vergleich mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 16,55 Euro immer noch weit vorne.

Wer in Stuttgart lebt, muss übers Wohnen hinaus aber natürlich noch mehr Geld ausgeben. Lebensmittel müssen es sein, der Street- oder auch Highclass-Style soll sitzen, von A nach B sollten die Bewohner kommen und auch die medizinische Versorgung sollte gesichert sein. Ganz zu schweigen von der Freizeitgestaltung, die natürlich in jeder Stadt dazu gehört.

Die Frage nach den Lebensmitteln richtet sich in erster Linie nach den persönlichen Gewohnheiten. Einkaufen bei Aldi, Lidl oder im Feinkostladen? Regionale Bioprodukte oder doch die Erdbeeren aus Holland? Hier kann jeder an seinen eigenen Schrauben drehen. Dabei sind minimale Kosten von 80 Euro durchaus möglich, wenn selbst gekocht und der Konsum von teuren Produkten eingeschränkt wird. Wer relaxter an die Sache heran geht, darf mit 150 Euro kalkulieren, aber auch andere Fälle, die für 250 Euro und mehr einkaufen gibt es natürlich.

Ähnlich sieht die eigene Kalkulation aus, wenn es um Kleidung und Schuhe geht. So manche Fashionista wird am Ende eines Samstags in der Stadt gefragt, ob sie das denn wirklich alles brauche? Nun – die gern gehörte Antwort: „Was braucht man schon?“ trifft hier die Situation ganz gut. Während manche also durchaus dazu bereit sind, ihre Klamotten zu tragen, bis sie zerfallen und auch ein paar Schuhe völlig ausreichend finden, sind andere hier wöchentlich dazu aufgelegt, sich neue Sachen zu kaufen. Gut, Kleiderkreisel, Kleinanzeigen und Mädchenflohmärkte mögen helfen, diese auch wieder loszuwerden und so zumindest eine gewisse Rotation im Kleiderschrank zu erreichen. Aber dennoch bleibt es natürlich jedem selbst überlassen, sich hier sein ganz eigenes Budget aufzustellen.  Da der Zeit Lebenshaltungskostenrechner mit 51 Euro kalkuliert, schließen wir uns hier gerne an.

Nachdem der Mensch also eine Wohnung bezogen, eingekauft und den Kleiderschrank gefüllt hat, geht es um sein weiteres Wohlergehen. Er möchte in der Stadt vorankommen, aber auch mal zum Arzt gehen können, wenn es ihn kränkelt. In allen anderen Situation aber soll natürlich das Leben blühen – Freizeitaktivitäten, bitte! Was kostet das?

Und ja, sie fährt nen Benz wirkt oft dekadent, doch zeigt nen anderes Gesicht wenn man sie besser kennt…

Mercedes-Benz und Porsche: Stuttgart ist in seiner Autowahl durchaus Highclass. In der Innenstadt ist es allerdings manchmal hinderlich, den Benz zu nehmen – Staus und lange Wege wären der Preis, dafür außerdem die recht hohen Spritkosten in Stuttgart. Die meisten Stadtbewohner entscheiden sich also dafür, in den Stoßzeiten auf die Öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. Für alle Studis bietet sich das StudiTicket an, das ergänzend zum Studienausweis wirkt, der zu Fahrten nach 18 Uhr bzw. am Wochenende und Feiertagen ganztägig berechtigt. Das Ticket richtet sich nach dem Semester der jeweiligen Hochschule und kann auch mit dem Umland verbinden. Die Stadt selbst ist mit 203 Euro im Semester abgedeckt.

Für alle anderen gibt’s Tages- (ab 6,90 Euro), Wochen- (ab 22 Euro) und Monatstickets (ab 65,70€) für beliebig viele Fahrten. Der Einzelfahrschein ist ab 2,27 Euro zu haben und ein Vier-Fahrten-Ticket ab 9,10 Euro. Und ja, natürlich ist auch das Fahrrad eine Option – die Stadt möchte das sogar ausdrücklich, denn langfristig soll der Zweiradverkehr 20 Prozent des gesamten Verkehrs ausmachen. Außerdem macht es ganz schön fit: Die Berge in Stuttgart sind nämlich durchaus fordernd – und Strandfigur-fördernd!

Und falls das mit dem Rad mal schiefgeht…nein, wir wollen ja nicht vom schlimmsten ausgehen. Aber tatsächlich hat sich herausgestellt, dass sich Arztkosten in der Bundesrepublik durchaus unterscheiden. Vieles ist dabei zwar von der Versicherung abgedeckt, einiges aber auch nicht. Ein großes Thema dabei: Zahnersatz. Daran lässt sich tatsächlich ein Kosten-Index auf der Deutschlandkarte erstellen, der anzeigt, wo Zahnersatz durchschnittlich am teuersten ist. Dabei liegt Baden-Württemberg zwar eher am unteren Ende der Skala, aber Stuttgart selbst ist dabei fast auszunehmen. Wenn es um Implantate geht, liegt Stuttgart mit Kosten in Höhe von 3.363 Euro weit vorne. Ähnlich teuer ist es dann nur noch in Bayern. Besser: Nach Berlin reisen und da zum Zahnarzt gehen. Dort scheint tatsächlich alles günstiger zu sein als im schönen Stuggi.

Mit Mobilität und schönen Zähnen geht’s dann zurück ins Leben. Stuttgart bietet zu jeder Jahreszeit tolle Aktivitäten, nicht alles kostet dabei was. Eine Laufrunde auf den Trimm-Dich-Pfaden oder eine schöne Fahrradtour durch Siebenmühlental? Grade im Frühling ist zu sehen, wie das Leben draußen wieder erwacht. Aber natürlich gibt’s auch Konzerte, Theaterstücke und Musicals zu sehen. Mary Poppins, Tanz der Vampire und das herzzerreißend, tränenfördernde Musical zu Bodyguard gibt’s 2017 zu sehen. Tickets dafür sind in der Regel ab um die 70 Euro zu haben – aber das macht man ja auch nicht allzu oft. Andere musikalische Unterhaltung gibt’s ab 45 Euro, Kinotickets sind im Durchschnitt für 10 Euro zu haben.

Halten wir also fest: Bewegung und Sport gibt’s umsonst, mit Stuttgarts Höhenmetern braucht auch niemand eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, es sei denn er möchte mal alles Mögliche ausprobieren und dieses Frühjahr richtig fit werden. Nur wenn es musikalisch, musicalisch oder cineastisch werden soll, wird gezahlt – mit weithin genormten Ticketpreisen liegt Stuttgart da auch gut im Durchschnitt.

Ganz klar: Stuggi ist sowohl als auch. Aber das hat Max Herre ja schon festgestellt. Stuttgart ist was du draus machst – wenn du dich also in der schönsten Stadt der Welt niederlässt und dann schon bei der Miete mehr als anderswo – außer in München und Hamburg – zahlen musst, kannst du dir zumindest sicher sein, dass du sparen kannst

  • wenn du sparsam isst,
  • sportlich bist (also das Fahrrad nimmst)
  • und ab sofort ohnehin nur noch im Bikini oder der Badehose rum läufst.

Bei so nem gestählten Luxus-Body ist das mehr als nur highclass…

Aber Spaß beiseite. Ja, Stuttgart mag teure Mieten haben. Dafür zahlt es aber auch gut. Mit Frankfurt zusammen belegt Stuttgart Platz eins bei den gezahlten Nettolöhnen. 2.324 Euro gibt es durchschnittlich im Monat. Wer mag gibt das natürlich ohne Schwierigkeiten wieder aus, aber zumindest kannst du dir sicher sein: In Stuttgart geht alles. Auch Straße und schwäbisch knausriges Leben. Stuggi ist, was du draus machst!