STUTTGART ALS GRÜNE STADT? SO KANN ES KLAPPEN

Das Thema Umweltschutz erlebt zurzeit einen wahren Hype – auch in Stuttgart. Auch, wer kein „Öko“ ist, ist bestimmt öfter mal genervt von der schlechten Luftqualität in der Schwabenmetropole: Gerade die Landeshauptstadt des grünsten Bundeslandes hat zurzeit noch mit Problemen zu kämpfen. Zeit, aktiv zu werden und etwas daran zu ändern! Die Stadt tut bereits einiges, um einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

Grünes Stuttgart? Die Weichen sind gestellt

Baden-Württemberg gilt als das grünste Bundesland. Als Landeshauptstadt sollte Stuttgart diesen Ruf ebenfalls haben, doch davon ist die Schwabenmetropole zurzeit noch weit entfernt. Stattdessen haben wir immer wieder die Nase vorn, was die Überschreitung von EU-Grenzwerten in punkto Feinstaub angeht. Höchstens 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft sind erlaubt, dieser Wert darf laut EU an 35 Tagen überschritten werden. Stuttgart liegt seit Jahren immer wieder darüber. Der Grund: Die Kessellage der Stadt lässt nur wenig Luftbewegung in der Innenstadt zu, Schadstoffe stauen sich dadurch besonders. Die Folge: Immer wieder löst die Stadt aufgrund der Luftbelastung Feinstaubalarm aus, und trotzdem ist keine Besserung der Werte in Sicht. Gerade bei gutem Wetter herrscht ständig „dicke Luft“. Doch die Bemühungen, etwas daran zu ändern und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, sind bereits in vollem Gange: Von Seiten der Politik wird bereits einiges unternommen, um die Feinstaubbelastung in Stuttgart zu reduzieren. Doch welche sind das, und welche Änderungen kommen da auf uns zu? Und wie können wir selbst dazu beitragen, Stuttgart grüner zu machen?

Feinstaubalarm = Fahrverbot?

Sobald Feinstaubalarm ausgelöst wird, sollten wir unser Auto im besten Fall stehen lassen und stattdessen auf das Rad umsteigen oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Zumindest an das Bilden von Fahrgemeinschaften könnte gedacht werden. Aber: Wenn du trotzdem mit dem Auto fährst, wirst du nicht bestraft. Es handelt sich bloß um eine Empfehlung, nicht um ein tatsächliches Fahrverbot. Doch sollte dir die Umwelt am Herzen liegen, solltest du auf jeden Fall versuchen, das Auto stehen zu lassen. Die Stadt hat immerhin bereits einiges unternommen, um uns in Zeiten des Feinstaubalarms freiwillig zum Umsteigen zu motivieren: Busfahren war in der Zeit spotbillig, Einzelfahrscheine und Vierertickets konnten zum Kinderpreis ergattert werden. Leider konnten nur wenige sich dazu durchringen, auf den Komfort ihrer Karre zu verzichten, die Werte blieben Städten, die wie Stuttgart die Grenzwerte der EU dauerhaft überschreiten, drohen gemäß Luftqualitätsrichtlinie der Europäischen Union Geldstrafen von Seiten der EU. So wie in vielen anderen deutschen Großstädten gibt es daher auch bei uns seit 2008 die sogenannte Umweltzone. Diese darfst du nur dann befahren, wenn du ein Auto mit geringem Schadstoffausstoß und eine entsprechende Plakette hast. Ansonsten musst du ein Bußgeld von 80 Euro berappen. Seit 2012 gilt in den Stuttgarter Umweltzonen Stufe 3: Hier sind seither nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette erlaubt. In der Tat hat sich die Luftqualität in Deutschland seit der Einführung der Umweltzonen verbessert. In Stuttgart ist das allerdings nicht der Fall, und tatsächlich ist der Nutzen der Umweltzonen aus verschiedenen Gründen umstritten.

Dieselfahrverbot und Co.: Ab 2018 wird’s ernst

Aus diesem Grund war die Stadt besonders einfallsreich und hatte gleich zwei neue kreative Ideen. Idee 1: Verkehr per Zufallsprinzip. Demnach würde der Verkehr reduziert, indem etwa nur noch Autos mit gerader oder mit ungerader Zahl im Kennzeichen in die Stadt fahren dürfen. Auch wenn nur noch Fahrzeuge mit mindestens zwei  Personen die Umweltzonen befahren dürfen, kann der Verkehr langfristig reduziert werden.

Idee 2: Die blaue Plakette. Was ist das? Die blaue Plakette kennzeichnet Autos als besonders emissionsfrei. Ursprünglich war die Einführung der blauen Plakette für 2020 vorgesehen. Doch aufgrund der schlechten Luftqualität hat die grün-schwarze Landesregierung nun angepeilt, diese schon für 2018 einzuführen. Mit dem freiwilligen Autoverzicht ist es spätestens dann vorbei, denn mit der blauen Plakette geht eine drastische Zwangsmaßnahme einher: Dieselfahrzeuge sollen ab kommenden Jahr per Ordnungsrecht aus der Stadt verbannt werden! Keine Sorge: Die Einschränkungen gelten zunächst nur im Stuttgarter Talkessel, in Feuerbach und in manchen Teilen von Zuffenhausen. Und: Nicht alle Dieselfahrzeuge sind betroffen, sondern nur ältere Modelle, die nicht der Abgasnorm Euro 6 entsprechen. Dennoch gibt es in Stuttgart über 70.000 Fahrzeuge ohne Euro-6-Antrieb, für die ab kommendem Jahr ein Fahrverbot gilt. Und: Für Benziner wird ab dann mindestens die Euronorm 3 verlangt. Auch, wenn die Maßnahmen drastisch erscheinen: Die Stadt tut das nur aus Gründen des Umweltschutzes.

Pionier in Sachen Elektromobilität: car2go am Standort Stuttgart

In Zeiten des wachsenden Umweltbewusstseins wächst natürlich auch das Angebot an Carsharing-Möglichkeiten in den Großstädten. Dass Stuttgart einiges tut, um zu einer besseren Umwelt beizutragen, zeigt auch das Beispiel car2go. So will das Carsharing-Unternehmen die Anzahl der Autos auf den Straßen durch das Teilen von Autos reduzieren. Das Besondere am Standort Stuttgart: Stuttgart hat die einzige vollelektrische car2go-Flotte in Deutschland. Seit dem Start im November 2012 konnten so bereits über 1.000 Tonnen CO2 gespart werden.

Kaminverbot, Mooswandversuch und Straßenreinigung: Weitere Maßnahmen gegen den Feinstaub

 Dass die Werte der Luftqualität sich nicht wirklich verbessert haben, liegt auch daran, dass der Straßenverkehr nur einen Anteil von 9 bis 11 Prozent an der gesamten Feinstaubbelastung hat, während Heizanlagen ein Viertel davon ausmachen. Daher sollte die Reduzierung der Emissionen auch dort ansetzen. Komfortkamine etwa sind die zweitwichtigste Quelle für Feinstaub in Stuttgart. Seit dem 1. März gilt daher bei Feinstaubalarm ein Verbot von Komfortkaminen: Kamine, die nicht zum Heizen benötigt werden und nur als Ergänzung einer Heizung dienen, dürfen also nicht mehr benutzt werden. Benutzt du deinen Kaminofen dennoch, droht ein Bußgeld zwischen 100 und 5.000 Euro. Die Emissionsschutzbehörde führt allerdings nur stichprobenartige Kontrollen durch.

Viel Geld hat die Stadt außerdem für die Mooswand ausgegeben. Diese wurde an der B14 aufgebaut und soll dabei helfen, Feinstaubpartikel herauszufiltern und die hohen Feinstaubwerte am Neckartor bekämpfen. Bis Ende des Jahres soll getestet werden, ob die Moose es tatsächlich schaffen, den Feinstaub in Stuttgart zu reduzieren. Sollte das klappen, würde die Stadt autogerecht bleiben.

Hinzu kam eine intensive, vierwöchige Straßenreinigung am Neckartor: Mit speziellen Fahrzeugen wurden die Straßen immer Sonntag- bis Freitagnacht von 22 bis 5 Uhr vom Feinstaub gereinigt. Laut Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes war die Straßenreinigung sehr erfolgreich, denn danach wurden an der Hauptverkehrsachse am Neckartor lediglich 45 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft gemessen. Kein Wunder, dass die Stadt weitere Kehrversuche anpeilt.

Auch du kannst einen Beitrag leisten

Die Stadt tut also bereits einiges, um die Feinstaubbelastung zu reduzieren, Umweltschutz ist hier ein heißes Thema. Doch damit ist es nicht getan. Jeder Einzelne von uns kann etwas dazu beitragen – auch du! Wie wäre es beispielsweise, generell auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umzusteigen? Feinstaubalarm und Fahrverbot hin oder her, umweltbewusste Menschen versuchen grundsätzlich, auf die Karre zu verzichten. Außerdem ist Radfahren und Zu Fuß gehen auch noch richtig gesund und wird deine Lebensqualität um einiges steigern. Wenn du nicht immer ohne Auto klarkommst, kannst du es auch mit Carsharing ausprobieren. Das gibt es in jeder größeren Stadt und soll dazu beitragen, die Gesamtanzahl an Autos zu reduzieren. Oder du steigst auf ein umweltfreundlicheres Modell um. So sind derzeit Elektroautos voll im Kommen. Egal ob Carsharing oder Elektromobilität, mit car2go und der elektronischen Flotte macht Stuttgart es uns um einiges einfacher, umzusteigen.

Eine ganz neue Idee ist die Seilbahn: Zurzeit noch Zukunftsmusik, könnten sie in einigen Jahren in Stuttgart eventuell eine dauerhafte und umweltfreundliche Alternative zu Autos darstellen. So können sie beispielsweise dabei helfen, den Ausstoß von CO2 zu reduzieren. Und wäre es nicht cool, nicht mehr im Stau zu stehen, sondern mit einer Gondel über die Stadt hinweg zu schweben? Stadt- und Verkehrsplaner haben zumindest schon einige Pläne angefertigt. Vielleicht gelingt es in Stuttgart ja, die Luftseilbahn in den Öffentlichen Personen-Nahverkehr zu integrieren?

Fazit

Stuttgart, die Landeshauptstadt des wohl grünsten Bundeslandes, fällt in den vergangenen Jahren vor allem negativ durch seine hohe Feinstaubbelastung auf. Doch die Stadt macht alles, um dem entgegenzuwirken: Von den Umweltzonen über das Verbot von älteren Dieselfahrzeugen und Komfortkaminen bis hin zur Mooswand und Straßenreinigung. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel sollen für die Bewohner attraktiver gemacht werden. Wenn auch du versuchst, auf deinen Wagen zu verzichten und stattdessen mit dem Rad oder Bus fährst, schafft Stuttgart es vielleicht tatsächlich irgendwann zur grünen Stadt…