WAS EIN LEBEN LEUDE! STUTTGART UND SEINE QUALITÄTEN

Stuttgart rockt. Das wissen wir ja bereits, aber diese Meinung scheint nicht nur uns Stuttgartern exklusiv zu sein: Platz 6 im Niveauranking zur Lebensqualität in Deutschland, Platz 26 im internationalen Mercer Ranking – wobei dieses internationale Ranking tatsächlich schon einmal höher für unsere Stadt ausgefallen ist. Woran liegt das? Und vor allem: Woran machen wir Lebensqualität eigentlich fest?

„Lebensqualität ist die subjektive Wahrnehmung einer Person über ihre Stellung im Leben in Relation zur Kultur und den Wertsystemen in denen sie lebt und in Bezug auf ihre Ziele, Standards und Anliegen.“

So definiert die WHO das Stichwort Lebensqualität. Sie merkt in ihrer Funktion als Weltgesundheitsorganisation aber auch an, dass Lebensqualität für einen Kranken etwas ganz anderes bedeutet als für einen gesunden Menschen. So weit, so logisch.

Das Mercer Ranking konzentriert sich dabei vor allem auf die Situation für Expats, also Expatriates, Mitarbeiter, die von ihrer Firma ausgesandt werden, um in einem anderen Land zu arbeiten. Für Menschen, die aus einem anderen Land in eine neue Stadt kommen, sind wieder andere Faktoren von Bedeutung. Dazu gehören die Sicherheit im Lebensumfeld, Infrastruktur und ökonomische Faktoren, aber natürlich auch Bildungsangebote und Freizeitaktivitäten, die vor Ort möglich sind.

In einem anderen Ranking der Wirtschaftswoche und einem Immobilienportal wird vor allem Wert auf guten Wohnraum, Arbeitsplätze und wenig Straftaten gelegt. Diese Faktoren sollen das Niveau einer Stadt wiedergeben, es heißt deshalb auch Niveauranking. Gleichzeitig wurde aber auch ein Dynamikranking aufgestellt, in dem vor allem auf die Veränderungen der einzelnen Faktoren in den letzten fünf Jahren geschaut wurde. Hier liegt Stuttgart auf Platz 14, was in erster Linie daran lag, dass die KiTa Situation sich in den letzten Jahren verschlechtert hat – im Vergleich nur minimal, aber Minuspunkte sind hier dennoch nachzuvollziehen.

Es kommt am Ende also immer auf die gleichen Faktoren an:

  • Wohnraum
  • Infrastruktur (inklusive internationaler Anbindung)
  • Bildungsangebote
  • Freizeitangebote

Aber auch die Optik der Stadt ist natürlich nicht ganz unwichtig – besonders für die stetig wachsenden Großstädte sind das Punkte, die es im Auge zu halten gilt. Ansprechender Wohnraum ist schließlich auch vom Quartier abhängig, in dem die Wohnung sich befindet. Deshalb ist diese auch bei der Erschließung neuer Viertel und bei der Nachverdichtung nicht zu vernachlässigen.

Attraktiv gestaltete Bauten und Parkanlagen bieten aufgrund der Optik und des hohen Nutzens für die Bevölkerung schon einen gewissen Schutz vor Vandalismus. Die Idee, Sachen kaputt zu machen, entsteht gerade bei Jugendlichen häufig aus schlichter Langeweile und damit einhergehendem Frust. Gerade interaktiv gestaltete Plätze, die beispielsweise mit Wasserspielen oder Fitness-Möglichkeiten versehen sind, bieten willkommene Abwechslung und Beschäftigung – das wirkt dem Hang zum Vandalismus entgegen. Solche in die städtischen Viertel zu integrieren macht also gleich unter mehreren Gesichtspunkten Sinn und erhöhen die Lebensqualität von vielen Einzelnen direkt – diesen, die die Angebote nutzen – und von weiteren Personen auch indirekt, da diese vor Vandalismus geschützt eine höhere Sicherheit und weniger Zerstörung im eigenen Umfeld erleben.

Auch Stuttgart hat diese Maßnahmen bereits in Teilen umgesetzt. So finden sich in Hofen und in Vahingen Street Workout Parks, die Trainingsmöglichkeiten unter freiem Himmel sind und somit sinnvolle Beschäftigung bieten. Im neuen Dorotheenquartier wird sich zeigen, wie der neue Anziehungspunkt auf die Öffentlichkeit wirkt – wer einen Platz hergibt, der wirklich gerne genutzt und angenommen wird, ist dabei in der Regel vor Vandalismus und Zerstörung sicher. Das Quartier könnte die Lebensqualität in Stuttgart noch einmal erhöhen, zumal mit der SANSIBAR ja auch ein wenig Strandfeeling ins Ländle zieht.

Aber wie sieht es mit den anderen Kriterien aus? Infrastruktur ist einer der wichtigsten – und tatsächlich kann Stuggi in dieser Hinsicht zumindest teilweise punkten: Stuttgart ist einer der Knotenpunkte in Europa, wird gar als der verkehrstechnische Nabel Europas bezeichnet, da viele relevante Städte in nur wenig Fahrtzeit zu erreichen sind. Außerhalb der Stadt ist die Infrastruktur also hervorragend ausgebaut. Schwierigkeiten ergeben sich eher im Innern der Stadt. Grade zu den Hauptverkehrszeiten – also morgens und abends – herrscht oft Stillstand auf den Straßen und im Schienennetz. Das könnte zukünftig noch schwieriger werden, wenn in 2018 tatsächlich temporäre Fahrverbote für Dieselautos unterhalb der Euro—6-Norm realisiert werden würden.

Viele Studenten steigen deshalb lieber auf das Fahrrad um oder schauen sich Wohnungen in günstig gelegenen Bezirken an, wenn diese jedoch nicht immer mit „günstig“ gleichzusetzen sind. Die beliebten Wohnlagen mit der entsprechenden Anbindung sind entsprechend hochpreisig. Dennoch: Das Bildungsangebot in Stuttgart ist gut, weswegen die Hochschulen auch einen stetigen Zuwachs verzeichnen. Alleine zwischen 2010 und 2013 wuchs die Zahl der Studierenden um 4500 und auch mit der Erweiterung des Campus Vahingen soll die Tendenz steigen. Das macht die Stadt attraktiv, die Autoindustrie schafft zusätzlich Arbeitsplätze und Perspektiven für Ingenieure und technische Berufe.

Auch zu den Freizeitangeboten ist in Stuttgart einiges zu finden. Kinos, Theater und jede Menge Kultur ist als Grundstock vorhanden, dazu kommen natürlich noch erstklassige Geheimtipps, die das Leben darüber hinaus versüßen. Die Cannstatter Wasen, das Weindorf, das Sommerfest und der Weihnachtsmarkt sind außerdem saisonale Highlights rund ums Jahr.

Wir halten also fest: Uns geht’s echt gut in Stuggi. Hier ist ordentlich was los, Jobs gibt es, hohe Gehälter noch dazu, schicke Wohnungen, wenn diese auch etwas teurer sein mögen als anderswo (aber mit dem Gehalt kann man das sich schließlich leisten). Wer noch nicht am Ende seiner Ausbildungskarriere angekommen ist, der hat die Möglichkeit sich an den vielen Hochschulen weiterzubilden und so noch einen drauf zu setzen – Faktoren, die Stuttgart durchaus anziehend und attraktiv für potenziell neue Einwohner machen.

Wir wissen, dass Stuttgart toll ist und die Rankings bestätigen es auch – zumindest zum Teil. Denn schaut man sich die Rankings der letzten Jahre an, fällt auf, dass Stuttgart abgerutscht ist. 2015 war es noch Platz 21, 2016 auf Platz 24 und jetzt ist die 26 geworden. Woran liegt das?

Am Feinstaub schon mal nicht, denn der ist in anderen Städten (Wien beispielsweise, im Mercer Ranking auf Platz eins) auch nicht besser. Allerdings kann es wie im Dynamik-Ranking an der verlierenden Kinderbetreuung liegen. Genauso stößt die Infrastruktur und der Stillstand innerhalb der Stadt natürlich sauer auf, wird die Lebensweise von Expats mit einbezogen. Diese sind vermutlich genau zu den Stoßzeiten unterwegs, also dann, wenn es richtig voll wird. Heißt: Zwei Mal täglich im Stau oder zumindest in der Straßenbahn feststecken. Das drückt auf die Stimmung und auch den Unternehmen – für die das Mercer-Ranking ja in erster Linie gemacht ist, schließlich wollen sie im Vorfeld wissen, auf welches Terrain die liebsten Schäfchen da geschickt werden  – wird es vermutlich nicht gefallen, wenn die Mitarbeiter ständig im Stau stehen.

Immerhin ist Stuttgart recht sicher: Baden-Württemberg gilt als das sicherste Bundesland in Deutschland. Hier werden auf 100.000 Einwohnern nur 5599 Taten verübt, während es in NRW – der Staat mit der höchsten Kriminalitätsrate – sage und schreibe 8225 sind.

So lange es also „nur“ die Infrastruktur innerhalb der Stadt ist, sollten wir uns noch recht gut bei der Sache fühlen. Die wichtigen Dinge stimmen in Stuttgart nämlich, was am Ende eine der Hauptsachen bleibt. Und tatsächlich räumt selbst Mercer ein, dass Einheimische die Stadt ganz anders wahrnehmen, als hinzugezogene. Wir sind also mit gutem Grund dabei, wenn wir bei unserem Lieblings-Statement bleiben und sagen:

Stuggi, du bist großartig!