WEIN FÜR ANFÄNGER

Die Weinwelt ist für Laien oft ein Buch mit sieben Siegeln. Gerade für uns Jüngere ist sie deshalb etwas unheimlich, und wir greifen auf Getränke zurück, die uns weniger mysteriös und kompliziert erscheinen – denn allein mit dem Vokabular, das die Weinkenner benutzen, können Anfänger mühelos in die Flucht geschlagen werden. Gerade Leute, die in unserer Region wohnen, sollten sich aber nicht so schnell in die Flucht schlagen lassen – in Baden-Württemberg entsteht extrem guter Wein. Deshalb gibt es hier eine kleine Einführung in das Universum des edlen Getränks. Wir zeigen Euch, wie Ihr auch als Anfänger guten Wein erkennen könnt und warum der Rebsaft als edles Getränk gilt und in welchen Stuttgarter Adressen Ihr anklopfen solltet, um mal zu probieren.

WARUM GILT WEIN ALS KULTURGETRÄNK?

Warum gilt Wein überhaupt als Kulturgetränk? Schließlich gibt es auch teure Whiskys, Gins und Biere, die allesamt seit ihrer Erfindung ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Das stimmt schon, nur kann so gut wie keine Spirituose auf die gleiche Tradition zurückblicken. Bis auf Bier sind so gut wie alle alkoholischen Drinks gegen Wein Youngster. Denn die Hochkulturen in Mesopotamien bauten bereits vor achttausend Jahren Reben an, um aus den Trauben Wein herzustellen. Auch die alten Griechen, immerhin Erfinder der Demokratie, genossen ihn schon. In unsere Breitengrade kam Wein dann mit den Römern, die die Reben praktisch überall dorthin brachten, wo sie regierten – für eine ganze Zeitlang also überallhin, auch in das heutige Deutschland.

Allerdings ist die reiche Geschichte nicht der einzige Grund für den Ruf als „Kulturgetränk“. Die große Verbreitung des Weins in der gehobenen Gastronomie hat auch eine ganze Reihe von anderen Gründen, die man erwähnen sollte. Denn kaum ein anderes Getränk hat solche synergetischen Effekte auf den Geschmack von gutem Essen. Durch die Vielfalt von roten, weißen, lieblichen, halbtrockenen und trockenen Weinen gibt es praktisch kaum Speisen, zu denen man keine passende Ergänzung findet. Durch diese Kombination kann man die Geschmacksnerven ganz anders kitzeln als das beispielsweise mit den meisten Biersorten.

„Kulturgetränk“ hat aber natürlich einen gewissen Beigeschmack – und zwar den des Getränks, das sich ausschließlich Besserverdiener und Großbürger leisten können und wollen. Dabei ist das gar nicht mehr der Fall und aller Wahrscheinlichkeit nach eher historisch bedingt. Denn Wein war schon immer etwas teurer als Bier, wodurch er selbstverständlich nicht für alle Menschen erschwinglich war. Allerdings ist gerade durch die Tatsache, dass man heutzutage viele verschiedene Weine in unterschiedlichen Preisklassen  auch bei Discountern und Supermärkten findet, der Ruf in dieser Hinsicht völlig unberechtigt.

WIE WIRD WEIN GEMACHT?

Wie wird Wein überhaupt hergestellt? Bis auf die Tatsache, dass er aus von den Rebstöcken stammenden Trauben gemacht wird, gibt es bei Laien darüber eher diffuse Vorstellungen. Dabei liegen sie mit dieser Einschätzung selbstverständlich richtig, doch ein paar genauere Ideen wären nützlich – gehen wir also ganz grob auf die Entstehung von Wein ein.

Der erste Schritt bei der Weinherstellung ist natürlich die Ernte. Dabei hängt hier alles von Klima und Wetter ab. Davon hängt ab, wann die Winzer ihre Ernte beginnen können – es handelt sich um einen Drahtseilakt, denn sind die Witterungsbedingungen ungünstig, droht eine Fäule der Trauben. Je nachdem, in welchen Lagen sich die Reben befinden, arbeiten die meisten Winzer von Hand, da gerade in steilen Hängen Maschinen kaum zu benutzen sind. Der höhere Aufwand im Vergleich zu flacheren Lagen ist übrigens ursächlich für den gesteigerten Preis, den Weine mit Trauben aus steilen Lagen meistens haben.

Nach dem Ernten kommt die berühmte Maische, bei der die Trauben zerdrückt werden – häufig wird dies aber nicht mehr in einem großen Bottich mit den Füßen erledigt. Anschließend wird die Maische stehen gelassen und gärt. Wie lange die Maische stehen muss, ist übrigens je nach den Trauben sehr unterschiedlich. Diesen Vorgang nennt man dann Fermentieren. Damit nicht genug, gibt es noch weitere Prozesse, die folgen müssen, nämlich das Pressen, das Filtern, das Reifen und das Lagern. Allerdings können wir die Schritte nicht alle an dieser Stelle ausführlich erläutern – klar sollte nur sein, wie aufwändig der Weg zum fertigen Wein ist.

WAS FÜR SORTEN GIBT ES ÜBERHAUPT?

Eine der Besonderheiten des Weins ist seine besondere Vielfalt. Denn kaum ein anderes alkoholhaltiges Getränk kann sich rühmen, über ein derartig großes Repertoire an verschiedenen Geschmäckern zu verfügen. Nicht nur sind die Varianten Rose, Rot und Weiß vorhanden, nicht nur gibt es trockene, halbtrockene und liebliche Weine, es gibt auch noch Portwein, Sekt und Champagner – in diesem Dickicht aus Weinflaschen fällt der Überblick manchmal berechtigterweise schwer.

Was sind nun zunächst Rot- und Weißwein? Nun, sie entstammen vor allem verschiedenen Traubensorten. Die Weißweine entstammen eben den hellen Traubensorten, wohingegen Rotwein in aller Regel blauen und roten Trauben entstammt. Bemerkenswert ist innerhalb dieser Unterscheidung, welche gewaltigen geschmacklichen Differenzen zwischen verschiedenen Beerensorten existieren. Manchmal existieren diese sogar zwischen Sorten, die genetisch angeblich identisch sind – ein Kuriosum der Natur.

Weit verbreitet ist übrigens der Glaube, dass trocken, halbtrocken und lieblich zwangsweise bedeuten, dass trockene Weine zwangsweise weniger süß sind als halbtrockene. Das ist aber keineswegs unbedingt der Fall – denn so mancher trockener Wein scheint trotz seines geringeren Restzuckers süßer auf der Zunge zu liegen als so mancher halbtrockene Wein. Daher gibt es letztendlich sowohl für Anfänger als auch für Profis meistens nur eine einzige Herangehensweise, um es wirklich herauszufinden: Selbst probieren. Denn im Zweifelsfall lässt sich nur so herausfinden, was wirklich schmeckt und was nicht – und welcher Jahrgang, denn auch die unterscheiden sich geschmacklich teilweise doch recht stark.

Insofern sollte man sich von der extremen Vielfalt gar nicht so überfordern lassen. Selbstverständlich können Fachleute und Weinexperten gute Anhaltspunkte dafür geben, welcher Wein gut sein könnte und welcher nicht – doch auch sie können sich verschätzen. Jede Flasche kann also eine Überraschung bereithalten. Aus diesem Grunde ist ein immenses Weinwissen natürlich von Vorteil, besonders was die Herstellung angeht. Doch hat der Einsteiger die Möglichkeit, einfach zu probieren und sich so selbst einen Eindruck zu verschaffen.

An dieser Stelle lohnt es sich, noch einmal kurz auf den Begriff Champagner einzugehen. Viele Menschen glauben, dass es sich hierbei grundsätzlich um ein qualitativ besonders schmackhaftes und hochwertiges Getränk handeln müsste. Dabei ist das nicht zwangsweise der Fall. Vielmehr handelt es sich bei Champagner um eine Bezeichnung, die rechtlich geschützt ist.

Lediglich Schaumweine, die aus der Champagne, rund hundert Kilometer nordöstlich von Paris entstehen, dürfen sich Champagner nennen. Der Preis kommt also durch die letztendlich künstliche Schaffung einer Exklusivität zu Stande.

Allerdings muss das keineswegs heißen, dass Champagner zwangsweise besser schmeckt als ein deutscher Qualitätssekt. Denn teilweise bekommt man guten Qualitätssekt für wesentlich weniger Geld als Champagner, der unter einer bestimmten Preisgrenze zu bekommen ist. Dabei kann er aber eine hohe Qualität bieten – allerdings natürlich nicht den großen Namen, auf den viele Champagner-Trinker scheinbar viel Wert legen.

WIE VIEL KOSTET GUTER WEIN?

Dass Wein atemberaubend teuer sein muss, ist und bleibt ein Mythos. Gerade für Anfänger ist der Griff ins Regal beim Supermarkt naheliegend. Dass man dort nun auch nicht unbedingt beim billigsten Wein zugreifen müsste, ist natürlich völlig klar. Wer aber einen stabilen, guten Wein zum Genießen will, ist mit Preisen zwischen drei und fünf Euro durchaus gut beraten – das Märchen vom teuren Wein ist damit vom Tisch. Klar ist aber auch, dass die Preise nach oben offen sind. Wer einen wirklich guten Wein vom Qualitätswinzer haben möchte, kann durchaus auch acht bis zehn Euro investieren.

WO KANN ICH IN STUTTGART WEIN TRINKEN? 

Eine klassische Adresse für guten Wein mit erstklassiger Beratung ist das Weinhaus Stetter, das es nun mittlerweile schon seit über hundert Jahren gibt. Es hat eine sehr urige Atmosphäre und bietet auch für Einsteiger eine gute Beratung. Etwas moderner und zudem mit einer erstklassigen Küche ausgestattet ist das Basta. Nicht zu vergessen, unser jüngst veröffentlichter Geheimtipp, die Weinwirtschaft Franz Keller direkt in der Stuttgarter City. Der Vorteil an solchen Etablissements ist übrigens, dass man Wein hier in einem schönen Ambiente kennenlernen kann, statt ihn nur zuhause zu trinken. Ansonsten ist es natürlich auch sympathisch, eine Flasche Wein einfach zu WG-Parties und ähnlichen Anlässen mitzubringen. Diesen findet ihr beispielsweise im neuen WEIN-MOMENT Store in der Hauptstätter Straße.