BÄRBEL STOLZ

Schwaben in Berlin? Wir kennen die Klischees – und Schauspielerin Bärbel Stolz parodiert all diese als die Prenzlschwäbin: anstrengend aber halt auch ziemlich liebenswert. Wir haben mit der SOKO STUTTGART-Darstellerin gesprochen.

„Hugo, gib des Schäufele zurück! Mir hen jetzt Yoga!” 

Die klischeebehafteten Schwaben und deren Wahrnehmung in Berlin werden von Bärbel Stolz in ihren Videos immer wieder auf die Schippe genommen. Aber nicht nur die: Schwäbische, deutsche und großstädtische Stereotypen, Vorurteile, Gentrifizierung und Co sind in ihrer Figur als Prenzlschwäbin immer augenzwinkerndes Thema. Die Prenzlschwäbin, also eine Schwäbin, die im Prenzlauer Berg wohnt, fragt sich regelmäßig, ob der Mandelmilch Cortado eigentlich Bio sei, nennt ihr Kind gerne Xenia Adelheid und findet Mitte einfach nur furchtbar. Vom ganzen Stress auf dem Spielplatz und in Cafés muss sie sich gemeinsam mit ihrem Nachwuchs dann eben auch regelmäßig beim autogenen Training erholen. 

Hinter der Prenzlschwäbin steht Bärbel Stolz. 1977 wurde die bekannte Schauspielerin und Beststellerautorin in Esslingen geboren. Sie wuchs in Hayingen auf, absolvierte ihr Abitur noch im Ländle und dann ging es für sie 1996 ab nach Berlin. Da war’s noch „rough”, wie sie in ihrem YouTube Hit „Shit Prenzlschwaben say” betont. Momentan ist die sympathische Schwäbin regelmäßig in der Rolle der übermotivierten Streifenpolizistin Sibylle Beyer bei SOKO STUTTGART im ZDF zu sehen.  

Willkommen in Schwabylon 

Doch zunächst zu den Anfängen: An der Hochschule für Film und Fernsehen Ernst Busch absolvierte Bärbelihre Schauspielausbildung in Berlin. Danach standen für sie viele Theater- sowie Film- und Fernsehproduktionen auf dem Plan. Als Tochter des Schauspielers und „Bienzle”-Tatort-Drehbuchautors Martin Schleker hat sie Krimi quasi im Blut – und ist seit 2019 SOKO-STUTTGART-Darstellerin in der Rolle der liebevoll schwäbelnden Streifenpolizistin Sibylle Beyer. Mit ihren Büchern „Isch des bio? Die Prenzlschwäbin erzählt aus ihrem Kiez” und „Ich bin dann mal Ex” wird die Schauspielerin mit Hochschuldiplom zur gefeierten Autorin. 

Ein Museumsdirektor wird erschlagen und eine Spur führt in die Stuttgarter Hip Hop-Szene. Jo Stoll (Peter Ketnath, 2.v.r.) und Streifenpolizistin Sibylle Beyer (Bärbel Stolz, r.) befragen den Rapper Marc Messner (Bastian Hagen, M.).

Wir haben mit der 43-Jährigen über Träume, Entdeckungen und die Post-Corona-Zeit gesprochen. 

Wer hat dich entdeckt?

Immer wieder jemand anderes. Können auch gern noch welche dazukommen.

Wann war dir klar: Ich will auf die Bühne?

Mit 6 Jahren habe ich zu meinem Papa, dem Schauspieler, Autor und Regisseur Martin Schleker gesagt: „Ich will genau das werden, was du bist.” Er schrieb und inszenierte die Theaterstücke für das Naturtheater Hayingen, das mein Großvater gegründet hatte. Die ganze Familie spielte mit und verbrachte den Sommer auf der Freilichtbühne. Das war für mich die Idealform von Theater. Er verwob Historisches und aktuelles politisches Geschehen. Ich habe dadurch viel über die Geschichte Schwabens gelernt. Im Publikum saßen Familien, Professoren und Professorinnen, Nonnen und Studierende. Eine bunte Mischung. Jeder hat für sich etwas mitgenommen. Im August diesen Jahres bin ich hoffentlich bei einer Veranstaltung dabei, die meine Schwester organisiert – zur schwäbischen Mundart.

Was war dein erster Berufswunsch?

Nach dem Abitur habe ich mich zum Medizinertest und zur Schauspielprüfung angemeldet. Medizin zu studieren hätte mich auch interessiert. Augenärztin. Das Auge fand ich immer besonders schön. Aber die Schauspielprüfung war zuerst. Für mich ganz klar: Schicksal.

Du hast es ja schon erzählt: Dein Vater ist der Bienzle-Tatort-Drehbuchautor Martin Schleker – hast du den Stuttgart-Tatort denn anschauen dürfen?

Als ich kleiner war durften wir nur bis 9 fernsehen – und bei Krimis haben wir ein Kissen im Schoß gehabt, das wir uns vors Gesicht gehalten haben, wenn es gruselig war. Später habe ich natürlich alle Bienzles gesehen.

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Du lebst seit vielen Jahren in Berlin. Bist du noch Schwäbin oder schon Berlinerin?

Ich bin beides. Vielleicht mehr Schwäbin. Meine Kinder sind Berliner.

Mit deiner Rolle als Prenzlschwäbin räumst du mit Vorurteilen auf. Wie bist du auf die Figur gekommen Gibt es hierfür eine reale Vorlage?

Die ist mir passiert, als ich nach der Babypause einen Clip für mein Demoband machen wollte. 

Ob ich eine reale Vorlage kenne? Dazu sag ich jetzt mal nichts. (lacht) 

Und wie stehst du ohne Prenzlschwäbinnen-Kontext zum Gendern? 

Ja. Ich finde die Idee von Hermes Phettberg eigentlich gut, ein „i“ oder „y“ hinten anzuhängen. „Ich geh‘ zum Bäckery“, „Frag mal deine Lehry“… Das ist eingängig und rumpelt nicht beim Sprechen. 

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Worin unterscheidet sich der/die Berliner/in am meisten vom Stuttgarter/der Stuttgarterin?

Im Dialekt.

Seit 2019 spielst du bei SOKO Stuttgart die Sibylle Beyer. Erkennst du Ähnlichkeiten zu dir selbst? 

In jeder Figur, die man spielt, steckt etwas von dir, bei Bille kann ich mich beispielsweise mit ihrer Neugier und Offenheit identifizieren. Manchmal etwas übermotiviert und neugierig, aber dennoch immer herzlich. 

Unabhängig von Neugier und Offenheit: Der Beruf der Polizistin – wäre das was für dich? 

Das ist auf jeden Fall ein vielfältiger und interessanter Beruf. Aber ich glaube, ich wäre darin nicht so gut. Gute Polizisten und Polizistinnen, „Freunde und Helfer“, die bewundere ich. Es gehört glaube ich eine große Portion Idealismus und Pragmatismus dazu. Ich habe bisher sehr nette Vertreter getroffen, zum Beispiel als ich neu in Berlin war. Ich habe mich nach einer Party total verlaufen und irgendwann ein Polizeiauto angehalten – und sie gebeten, mich nach Hause zu bringen. Die haben sehr gelacht, aber die kleine Schwäbin heimgefahren.

Was tust du in einer ruhigen Minute am liebsten?

Ich lese sehr gerne. Früher habe ich viele Krimis gelesen. Am liebsten Agathe Christie und Henning Mankell. Jetzt habe ich ja viel Krimi in meinem Beruf! 

Gehört Social Media für dich auch zu geschätzten Freizeitbeschäftigungen? 

Die Dosis macht das Gift, wie meistens. Ich bin froh, dass ich darüber so viele Menschen erreichen kann, dass ich Freunde wiederfinden und mich informieren kann. Die Debattenkultur ist oft unangenehm, da mag ich nicht einsteigen, die Anonymität des Internets macht das meist aggressiv und nicht am echten Dialog interessiert.

Was vermisst du momentan am meisten im Dauerlockdown?

Einfach Freunde treffen, in den Arm nehmen. Im vollen Café sitzen. Die Kinder in Horden spielen sehen.

Und was ist das Erste, was du nach dem Lockdown tun wirst?

Freunde umarmen. Die Kinder all ihre Freunde umarmen lassen.

Back to the roots: Was magst du an Stuttgart am meisten? 

Die Staatsgalerie. Da gehe ich immer wieder gerne hin. Die Wilhelma ist toll, das habe ich beim Drehen im April wieder festgestellt.

Verrätst du uns dein Lieblingscafé? 

Da freue ich mich über Tipps von euch! (lacht)

Du hast einen Wunsch frei – welche Rolle würdest du gerne mal spielen? 

Da habe ich noch viele Wünsche: eine romantische Heldin, Geheimagentin, eine historische Figur – und mindestens einen Kinderfilm!

Was ist in der näheren und weiteren Zukunft so geplant? Stehen weitere Projekte an? 

Ich habe viele Ideen und Pläne, komme aber gerade nicht zu soviel – auch durch den Lockdown. Wenn ich nicht drehe oder mich darauf vorbereite, dann kümmere ich mich hauptsächlich um meine Kinder. Wir schreiben gerade ein Hörspiel zusammen. Und ich schreibe regelmäßig Kolumnen für „mein/4“, ein Berliner Stadtmagazin. Sobald es wieder möglich ist, möchte ich mit meinem Bühnenprogramm „Toller Arsch“ auf Tour gehen!

Bleiben wir bei der Zukunft: Was ist dein größter Traum? 

Weltfrieden. Heile Umwelt. Ich bin im Oktober im Rahmen der „Comedy for SDG“ aufgetreten, die 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030. Diese Ziele verwirklicht – das wäre es! Und dann hab’ ich noch jede Menge kleinere persönliche Träume. 

Und hast du auch ein Lebensmotto?

Das Leben ist immer JETZT.

Was möchtest du sonst noch gerne loswerden?

Seid nett zueinander.

Vielen Dank für deine Zeit, liebe Bärbel. Wir sehen dich bzw. Sibylle dann immer donnerstags um 18 Uhr im ZDF!

Um den Mord an einer Burlesque-Tänzerin aufzuklären, greift die Streifenpolizistin Sibylle Beyer (Bärbel Stolz, M.) zu ungewöhnlichen Methoden – bis Martina Seiffert (Astrid M.Fünderich, r.) und Nele Becker (Nina Siewert, l.) die Kollegin aus der misslich gewordenen Lage befreien müssen.

MEHR INFOS:
www.baerbelstolz.de