BYE BYE STUGGI: ZEHN DINGE, DIE WIR AN STUTTGART LIEBEN UND HASSEN

L.A.ON.TOUR

Her mit dem schönen Leben! Zwei Freundinnen, eine Stadt und tausend Dinge zu entdecken. Laura und Alina aus dem GTS-Team nehmen euch mit auf Entdeckungstour zu den coolsten Events und hippsten Adressen im Kessel. Jeden Donnerstag auf geheimtippstuttgart.de.

Zugeben, das Image von Stuttgart könnte besser sein. Vielleicht liegt das daran, dass die Stadt ihre vollkommene Schönheit erst auf den zweiten Blick enthüllt. Als Tourist sieht man zunächst einmal Baustellen. Am Bahnhof, in Cannstatt und gefühlt in jeder dritten Seitenstraße. Doch natürlich hat die Landeshauptstadt viel mehr zu bieten. Sie verlockt im Gegensatz zu einem Tinderprofil nicht mit glattgebügelten Fotos, die dem Realitätsabgleich vor Ort nicht gerecht werden. 

Nein, was Stuttgart angeht, erwartet man erst einmal wenig und wird dann von den inneren Werten des Kessels überrascht. So ging es zumindest uns beiden, als wir zum Studieren nach Stuttgart kamen. Heute, mehr als vier Jahre später, zieht es eine von uns (zumindest vorübergehend) in ferne Gefilde. Daher wird das vorerst die letzte Ausgabe von L.A.ON.TOUR.

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“Wir sagen Bye Bye Stuggi, mit einem lachenden und einem weinenden Auge und hinterlassen euch eine Liste von zehn Dingen, die wir an Stuttgart lieben oder eben immer noch hassen.”

Die alltäglichen Hassmomente

#1 Wenn man mit dem 40er-Bus im Wagenburgtunnel feststeckt

Blöd, wenn man im Osten wohnt und zu den Hauptverkehrszeiten aus dem Haus muss. Vor allem dann, wenn es mit dem 40er-Bus durch den Wagenburgtunnel geht, um an den Hauptbahnhof zu gelangen, der EIGENTLICH nur fünf Minuten entfernt ist. Jeden Morgen herrscht in dem wohl dreckigsten Tunnel der Stadt nämlich Ausnahmezustand. Manchmal quetscht man sich, noch müde von der Partynacht, in einen randvollen Bus mit fremden Menschen, die einen zusätzlich noch anbruddeln, und steht dann auch noch im Stau. Der perfekte Start in den Tag? Sieht anders aus. 

#2 Wenn man beim Bäcker am Wochenende keine Brezel mehr bekommt

In den Kuhdörfern, aus denen wir Neigschmeckte ursprünglich kommen, haben die Backstuben auch am Wochenende noch bis zum Nachmittag geöffnet. Im kosmopolitischen Stuttgart schließen die meisten schon um 11 Uhr. Ja, hey, wo soll man denn da bitte seine Sonntagsbrezel herbekommen? Wenn man sich dann doch beeilt und voller Vorfreude die Schiebetür des Lieblingsbäckers öffnet, kommt es manchmal auch vor, dass man mit Messy-Dutt und Sonnenbrille vor einer leeren Vitrine steht. Kein cooler Move. Unser Überlebenstipp: Aufbackbrezeln aus der Tiefkühltruhe. Sorry, an unsere Lieblingsbäcker (die uns unter der Woche ausreichend mit leckerem Gebäck versorgen), aber wahrscheinlich sind wir einfach verwöhnt. P.S.(SSSST!): Auf der Jagd nach “Stuttgarts bester Brezel” waren wir letztes Jahr auch…

#3 Wenn man die Königstraße an einem Samstag überqueren muss

Die eigentlich sehr schöne Königsstraße wird an einem Samstag zu einer nervenaufreibenden Herausforderung. So viele Shopaholics tummeln sich hier, dass der Spaziergang mit Freund oder Freundin einem Parkourlauf gleicht. Vom Gerber bis zum Milaneo besiedeln die Schnäppchenjäger die schöne Stadt. Nervige Shoppingtipps und Verkaufsmaschen sorgen für zusätzliches Aggressionspotenzial. 

#4 Wenn man vor lauter Baustelle die Sterne nicht mehr sieht 

Überall in Stuttgart gibt es Baustellen. Die sehen nicht nur unschön aus, sondern sind auch ziemlich laut. Wegen S21 wissen viele Städtler schon gar nicht mehr, dass es ein Planetarium gibt. Kein Wunder, denn das Gebäude, dass uns dem Universum näher bringen soll, verschwindet beinahe komplett in der Baustellenwüste hinter dem Hauptbahnhof. Nur die Kleinen können sich für Baustellen begeistern. Ganz gespannt kleben sie mit der Stirn an der Busscheibe und rufen im Sekundentakt „Bagger“. Wir wünschten, wir hätten dieselbe Begeisterungsfähigkeit…

#5 Wenn man im Restaurant nur mit Bargeld bezahlen kann

Das übliche Szenario: Man sitzt in einem Café, Restaurant oder in einer Kneipe und möchte seine Rechnung begleichen. Dann kommt der Kellner und spricht die berühmten Sätze, vor denen sich jeder Gast unter 50 Jahren fürchtet: „Sorry, aber wir nehmen nur Bargeld“ oder noch schlimmer „Bargeldzahlung erst ab zehn Euro“. Am liebsten würden wir ja antworten: „Tschuldigung, sind Sie schon im 21. Jahrhundert angekommen?“. Leider hilft auch das nur wenig und wir müssen einsehen: Stuttgart ist noch weit entfernt davon, tatsächlich eine bargeldlose Stadt zu werden. 

Momente voller Liebe

#1 Wenn man auf der Uhlandshöhe über die Stadt blickt 

Einer unserer Lieblingsplätze im Sommer ist die Uhlandshöhe. Aber auch sonst gibt es kaum etwas Besseres als den Feierabend mit einem Glas Wein oder Bier an einem der Aussichtspunkte unserer Stadt zu verbringen. Durch die einmalige Kessellage steigt man einfach hinauf, lässt den Alltag zurück und blickt herab auf die Lichter der Stadt. Der Bonus: Frischluft statt Feinstaub.

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#2 Wenn man frühmorgens After-Pommes in der Frittybar isst 

Morgens um 6 Uhr Pommes mit Joppie-Sauce essen? Wir haben gehört, das erhöht die Lebensqualität um ein Vielfaches! An der Frittybar, oberhalb von Schocken und Proton, finden alle Partygäste auch ohne WhatsApp-Nachricht wieder zusammen. Die Frittybar ist nämlich der unausgesprochene Treffpunkt nach jeder Party. Eine Imbissbude für kulinarischen Hochgenuss, die alle unseren betrunkenen Geheimnisse und Pommesvorlieben kennt.

#3 Wenn man auf einem der vielen Straßenfeste tanzt 

Heusteigviertelfest, Bohnenviertelfest, Feuerseefest, Marienplatzfest… diese Aufzählung könnte gefühlt endlos weiter gehen. Wir Stuttgarter lieben unsere Straßenfeste und verbringen im Sommer fast das ganze Wochenende mit Caipi auf der Straße. Zu chilligen Tunes wippen mir mit unseren nackten Füßen und freuen uns einfach, dabei zu sein. An einem heißen Sommertag fühlen wir uns in Stuttgart manchmal wie in Bella Italia. Das liegt nicht zuletzt an den ausgelassenen Straßenfesten. Auch die grandiosen Eisdielen, die wir in diesem Beitrag für euch gesammelt haben, tragen ihren Teil dazu bei.

#4 Wenn man den Alpakas im Killesbergpark zuschaut

Ihr habt einen richtig miesen Tag? Dann geht eine Runde nach draußen und spaziert mit euren Lieblingsmenschen im Schlepptau über den Killesberg. Das hilft immer! Spätestens wenn ihr beim Streichelzoo angekommen seid, verfliegt eure schlechte Laune wie im Nu. Der Grund: Süße Hängebauchschweine, Ziegen und Alpakas warten nur auf euren Besuch und mögliche Streicheleinheiten. Schon beim Anblick der flauschigen Vierbeiner vergesst ihr den ganzen Alltagsstress und könnt so richtig abschalten. Gleich nebenan, beim kleinen Jahrmarkt könnt ihr euch mit Popcorn und anderem Süßkram eindecken, oder die schöne Aussicht vom Killesbergturm genießen.

#5 Wenn man die ersten Sonnenstrahlen am Feuersee genießt

Für manche ist der Feuersee ein Schandfleck der Stadt. Für uns ist der kleine Tümpel eine Oasen zum Entspannen und Runterkommen. Perfekt zu den ersten oder letzten Sonnenstrahlen im Frühling passt die Kombi Weinschorle und Pizza. Die könnt ihr euch entweder in der roten Kapelle oder in der Pizzeria Riva zum Mitnehmen holen und auf den Stufen beim Feuersee genießen. Wer alleine kommt, kann sich einfach zurücklehnen oder gespannt auf das Wasser schauen. Rings um die Wasserfontäne tummeln sich nämlich unterschiedliche Tiere: Wasserschildkröten, Enten und Fische leben im Feuersee. An besonders schönen Tagen sitzen auch Musiker auf den Stufen und erfreuen alle Besucher mit Gitarrenspiel und Gesang.

Weil wir natürlich auch wissen wollten, was euch bewegt, haben wir euch auf Instagram nach euren absoluten Liebes- und Hassmomenten gefragt. Einen Auszug eurer Antworten findet ihr hier:

Liebe habt ihr übrig für: Laue Sommernächte auf dem Schlossplatz, am Stadtstrand entspannen, die Nähe zur Natur, mit dem Roller durch den Kessel cruisen, die Weinsteige hoch oder runterfahren, den Blick über die Stadt am Abend, Sonnenuntergang auf der Grabkapelle und dass es trotz Großstadt irgendwie schnuckelig ist.

Nicht so toll finden manche: die Autoabhängigkeit, die Unentspanntheit mancher Stuttgarter, lieblose Bauwerke, herumliegende Kippenstummel, fehlende Parkplätze, die Wohnungssuche, das Stuttgart-21-Bahnchaos, nicht funktionierende Rolltreppen, die Wasenzeit, die Post am Arsch der Welt abzuholen und dass Stuttgart keinen Badesee hat. OK!

Am Ende ist es wie in jeder guten Beziehung. Stuttgart funkelt und glänzt, trotz der vielen Ecken und Kanten. Vielleicht ja auch genau deswegen? Wäre doch langweilig, wenn alles perfekt laufen würde, oder? Wir werden den Kessel jedenfalls vermissen und freuen uns, für einen schönen Sommerabend oder auch wieder länger, zurückzukommen. Wenn ihr noch etwas loswerden möchtet – Lob, Kritik und Anregungen – schreibt uns gerne via Instagram oder Facebook an L.A.ON.TOUR. Wir freuen uns auf eure Nachrichten!