DAS TEAM DER RAUPE IMMERSATT

SHARING IS CARING!

Seit Juni gibt es das erste Foodsharing-Café Deutschlands im Stuttgarter Westen. Das Team der Raupe Immersatt mit Jana, Lisandro, Maximilian, Simon und Maike setzt so ein Zeichen:

gegen Verschwendung und für Fairness!

Wir haben mit den Köpfen hinter dem Café über Vergangenheit, Zukunft und Lebensträume gesprochen.

In Deutschland landen im Jahr insgesamt fast 13 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Einfach so. Fast die Hälfte dieser Abfälle kommen aus Privathaushalten. Weil wir zu viel einkaufen, falsch lagern, zu früh wegschmeißen. Was eigentlich noch genießbar ist, wird entsorgt. Und sorgt eben damit nicht nur für eine Verschwendung von unzähligen Ressourcen, sondern dahingehend auch für einen ziemlich vollgepackten ökologischen Rucksack, den wir alle tragen.

FÜR VERWENDUNG UND GEGEN VERSCHWENDUNG

Damit der ein bisschen leerer wird, und damit wir bewusster mit unseren Lebensmitteln umgehen, gibt es Foodsharing. Bei der zugehörigen Website foodsharing.de handelt es sich um eine bundesweite Freiwilligenplattform, die täglich Lebensmittel vor dem Mülleimer rettet, indem diese weiter verteilt werden. Seit drei Jahren ist die Regionalgruppe „Foodsharing-Stuttgart“ aktiv, in dem sich über 700 Menschen ehrenamtlich für die Verwendung und gegen die Verschwendung überschüssiger Lebensmittel einsetzen. Verteilt wird beispielsweise zwischen Privatpersonen, die über die Foodsharing-Plattform Kontakt aufnehmen. Außerdem bestehen Kooperationen mit Lebensmittelbetrieben, die überschüssige, aber natürlich noch genießbare Produkte weitergeben und damit als eine offizielle Ergänzung zu den Tafeln dienen. Die ehrenamtlichen LebensmittelretterInnen verteilen die Beute kostenfrei; beispielsweise in frei zugänglichen und öffentlich bekannten Verteilstationen, den sogenannten Fairteilern.

Die Raupe Immersatt, die es sich im Stuttgarter Westen direkt am Hölderlinplatz gemütlich gemacht hat, integriert genau dieses Konzept in ihr Café: ein Fairteiler in Café-Form. Hier können die Gäste kostenlos genießen. Selbstverständlich gelten auch hier, wie in allen Fairteilern, offizielle, mit Lebensmittelexpertinnen erarbeitete Regeln, die Hygiene und Frische der Produkte garantieren.

DRINKS AND DREAMS

Vino, Bier und Co. gibt es in der Raupe – natürlich aus regionalem, nachhaltigen Anbau. Und auch bei Kaffee wird auf Fair Trade und Transparenz gesetzt. Die Getränke sollen möglichst kurze Transportwege hinter sich bringen, bevor wir sie im äußerst gemütlichen Café genießen. Hier schreit quasi alles: Hinsetzen und entspannen! Man sitzt auf Stühlen, auf denen die Namen der Crowdfunding-Unterstützer eingraviert sind, die all das gemeinsam ermöglicht haben. Und hier kommt das nächste wichtige Stichwort ins Spiel:

“Gemeinsamkeit.”

Darum geht es bei der Raupe Immersatt – und zwar in ganz vielen Aspekten. Sei es das gemeinsame Verbringen von Zeit vor Ort, das gemeinsame Anstoßen mit der Feierabend-Schorle – oder eben das große Ganze: Nämlich gemeinsam die Lebensmittelverschwendung reduzieren, mit sogenannten Schnippeldiskos gemeinsam ein tolles Mahl zaubern, die Lebensmittelproduktion nachhaltiger gestalten und somit unsere Umwelt und unser Miteinander fairer und aufrichtiger machen. Und apropos fair: In der Raupe Immersatt bezahlt jeder so viel, wie er kann und möchte. Jeder soll entscheiden können, wie viel ihm oder ihr das Getränk wert war. Das ist entsprechend auch Teil des Finanzierungskonzepts.

AUS STUTTGART – FÜR DIE WELT

Wir haben die Raupe Immersatt besucht, um mit dem Team um Jana, Lisandro, Maximilian, Simon und Maike zu sprechen – und haben uns dabei nicht nur in den Kaffee verliebt, der ganz fantastisch schmeckt. Insgesamt zwei Jahre habe es gedauert, erzählen sie uns, bis sie die passende Location gefunden haben. Und das hat sich gelohnt. Wir fühlen uns gleich wohl. Alle Gründer kommen aus Stuttgart und schaffen mit Deutschlands erstem Foodsharing-Café Impulse für den Umgang mit Lebensmitteln weit über die Ländle-Grenzen hinaus.

Jana ist 24 Jahre jung, studiert Künstlerisches Lehramt an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste. Lisandro engagiert sich seit seinem Erneuerbare-Energien-Studium aktiv für Foodsharing und hat mit dem Café eine optimale Möglichkeit zur Umsetzung gefunden. Und auch Maximilian beschäftigt sich im Studium mit Nachhaltigkeit: Der 24-Jährige studiert Nachhaltige Elektrische Energieversorgung im Master; genauso wie der 27-jährige Simon. Die gleichaltrige Maike komplettiert das Team: Auch sie setzt sich in ihrem Studium der Erneuerbaren Energien mit nachhaltigen Konzepten und deren Umsetzung auseinander – was die perfekte Überleitung zu unserer ersten Frage ist.

Wie kamt ihr auf die Idee, die Raupe Immersatt zu gründen?

Jana: Wir haben uns alle über die Foodsharing-Plattform kennengelernt und haben recht schnell gemerkt, dass wir in vielen Dingen ganz ähnliche Ansichten haben und einfach sehr gut harmonieren. Persönlich durchlebt man aber natürlich auch eine Entwicklung. Ich habe beispielsweise seit fast einem Jahr engen Kontakt zu jungen Syrern, die mir wirklich ans Herz gewachsen sind. Dadurch habe ich mir erneut die Frage gestellt, was mir wirklich wichtig ist und was ich bewegen will. Die Antwort ist: ziemlich vieles. Ich hatte schon immer den Traum, ein eigenes Café zu eröffnen. Mit der Raupe Immersatt sehe ich die riesige Chance, einen großen Berg in unterschiedlichen Bereichen in Bewegung zu bringen. Das reicht unter anderem von der Lebensmittelverschwendung, über soziale Vernetzung, Entschleunigung, bis zu kulturellem Austausch.

Lisandro: Während meines Studiums lernte ich Foodsharing kennen. Seitdem engagiere ich mich als Lebensmittelretter ehrenamtlich, um Lebensmittel vor dem Müll zu retten. Nun bin ich 29 Jahre alt und frage mich, wie es möglich ist, die wachsende Foodsharing-Community in Stuttgart zu stärken und andere Leute auf die große Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen. Ein Foodsharing-Café deckt das meiner Ansicht nach gut ab. Mit dem Konzept, das wir zu fünft erarbeitet haben und der Location am Hölderlinplatz können wir nun endlich loslegen!

Maximilian: Seit meinem Studienbeginn 2012 wurde mir der bewusste Umgang mit unseren Ressourcen und ein nachhaltiger Lebensstil immer wichtiger. Besonders im ehrenamtlichen Engagement für Foodsharing seit Studienbeginn habe ich mein Herzensthema gefunden. Im Sommer 2015 hatte ich die Idee, eine Konzeptbar zu gründen, jedoch fehlte mir der Mut diesen Traum zu leben. Zusammen mit unserem Team und der Raupe Immersatt ist mir der Schritt nun aber in diesem Jahr gelungen.

Simon: Neben meinem Studium engagiere ich mich bei verschiedenen Vereinen mit dem Ziel, Bewusstsein für eine nachhaltigere Lebensweise zu schaffen. Gerade durch mein Engagement bei Foodsharing beschäftigt mich das Thema Lebensmittelverschwendung in meinem Alltag sehr. Wir wollten einfach eine Oase der Entschleunigung und der Sensibilisierung schaffen – ohne zu viel “Öko-Geschmack”. Und da passte ein Café einfach ziemlich gut. Wir können so viele Menschen an das Thema bringen, was mir einfach sehr wichtig ist.

Maike: Ich habe schon recht früh Bildungsprojekte mit jungen Menschen gestartet – weil ich während meines Studiums zur Ingenieurin für Erneuerbare Energien gemerkt habe, dass Technik allein nicht die Lösung sein kann. Der nächste logische Schritt ist für mich, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Und das können wir mit unserem Foodsharing-Café schaffen: Wir wollen den StuttgarterInnen bewusst machen, was hinter dem Thema steckt und wie man damit umgehen kann.

Und was sorgt in einer stressigen Gründungsphase für die nötige Harmonie?

Simon: Ich glaube, das Wichtigste war, dass wir wussten, dass sich erst mal alle um alles kümmern und wir uns aufeinander verlassen können.

Jana: Genau, und mit der Zeit kristallisiert sich dann eine sinnvolle Aufgabenteilung im Team heraus. So konnten und können wir in alles Neue hineinwachsen und gemeinsam den perfekten Weg für uns finden.

Ihr kommt alle aus Stuttgart. Habt ihr euch auch mal überlegt, euren Traum in einer anderen Stadt zu verwirklichen?

Maximilian: Es gab tatsächlich mal die Überlegung, dass wir alle nach Berlin ziehen und dort das Foodsharing-Café eröffnen.

Lisandro: Das lag aber vor allem daran, dass es sehr schwierig war, die passende Location zu finden. Die Stadt Stuttgart hat uns da leider nicht unterstützt.

Maike: Jetzt haben wir es aber geschafft und Stuttgart ist quasi Vorreiter in Sachen Foodsharing. Viele, die von unserem Café hören, sagen gleich: Das kommt doch bestimmt aus Berlin. Und dann sind wir eben besonders stolz drauf, dass es nicht Berlin ist, sondern Stuttgart.

Wie kann jeder Einzelne von uns zum Vorreiter werden?

Jana: Man kann sehr viel tun. Vor allem sind schon Kleinigkeiten sehr viel wert: zum Beispiel beim Einkaufen aufmerksam zu sein. Fragt euch, was ihr wirklich wann braucht, um zu vermeiden, dass ihr zu viel kauft und etwas weggeworfen werden muss.

Lisandro: Und meldet euch bei Foodsharing an! Dort könnt ihr Lebensmittel weitergeben, tauschen oder bekommen und lernt dabei auch noch viele Menschen aus eurem Bezirk kennen. So haben wir fünf uns ja auch kennengelernt.

Habt ihr das Gefühl, dass ein Umdenken beim Thema Lebensmittelverschwendung stattfindet?

Simon: Wir wollen auf jeden Fall dazu beitragen. Und wir sehen zumindest, dass das Interesse da ist. Das Medienecho nach der Eröffnung war riesig und wir hätten nie damit gerechnet, dass so viele Leute zur Eröffnung kommen.

Maike: Ja, die Menschen haben Lust auf das Konzept, was zeigt, dass Nachhaltigkeit immer wichtiger wird. Bei uns kommen übrigens die “Öffentlichen Schränke” am besten an. Dort kann man sich einfach bedienen.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Jana: Wir wollen die Lebensmittelverschwendung immer weiter reduzieren und eben ein Bewusstsein schaffen – und das mit einem lebendigen Ort wie unserem Café, in dem jeder willkommen ist. Damit wir noch mehr bewegen können, wünschen wir uns, finanziell unabhängig zu sein.

Simon: Das ist auf jeden Fall ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen. Warum müssen nachhaltige Konzepte immer nur gemeinnützig sein? Um Nachhaltigkeit sozusagen alltagstauglich zu machen, müssen verschiedene Konzepte einfach in das Leben integriert werden.

Apropos Stadt: Was liebt ihr an Stuttgart?

Maike: Die Menschen! Denn die machen die Stadt aus und nicht umgekehrt!

Maximilian: Ich mag die Reibung zwischen urbanen und grünen Ecken.

Wir danken dem Raupe-Immersatt-Team für den spannenden Austausch und freuen uns auf viele gemütliche Stunden vor Ort. Wer das Café unterstützen möchte, kann Mietpate werden. Eine monatliche Schenkung mit einem Wahlbetrag ermöglicht, dass das Foodsharing-Café langfristig planen kann und besteht. Dazu gibt’s exklusive Boni, die direkt mit dem Team abgestimmt werden. Formulare und mehr Informationen gibt es online oder in der Raupe Immersatt.


MEHR INFOS:
www.raupeimmersatt.de

Öffnungszeiten:
täglich außer dienstags 10:00 – 22:00 Uhr

Adresse: Johannesstraße 97, 70176 Stuttgart

Telefon: 0711/23097922

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