FLUCH ODER SEGEN: WIE ATTRAKTIV IST DER STANDORT STUTTGART

Eigentlich gilt Stuttgart nicht als die klassische Hochburg für Startups. Eigentlich. Denn bei genauerem Hinsehen kann die Kesselstadt in Baden-Württemberg durchaus mit Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München mithalten. Was aber macht den Standort Stuttgart für junge Unternehmen so beliebt und wie erfolgversprechend ist er? Wir haben die Antworten für euch!

Zugegeben, das „Silicon Valley“ oder in Deutschland die Hauptstadt „Berlin“ haben die Nase vorn, wenn es um das Thema Startups geht. Sie gelten geradezu als Mekka für Gründer und junge Unternehmen sprießen hier wie Pilze aus dem Boden. In Stuttgart müsst ihr durchaus etwas länger suchen, um ein Startup zu finden. Das bedeutet aber keinesfalls, dass es diese hier nicht gibt. Tatsächlich ist Stuttgart ebenfalls ein beliebter Standort für junge Gründer. Immerhin 1.550 Startups gab es laut „Deutschem Startup Monitor“ (DSM) deutschlandweit im Jahr 2018. Sie zählen 3.763 Gründer sowie 17.647 Angestellte. Mehr als die Hälfte dieser Startups sind aktuell etwa ein bis zwei Jahre alt. Rund 27 Prozent erleben derzeit ihr erstes Geschäftsjahr und etwa 17 Prozent sind zwischen zwei und drei Jahren alt.

Berlin ist nicht das Bundesland mit den meisten Gründungen

Der Monitor bringt aber noch weitere spannende Zahlen hervor. Tatsächlich ist Berlin in Deutschland aktuell nicht mehr das Bundesland mit den meisten Startups. Was ist los mit dem „Mekka“ im Osten? In Deutschland gibt es einfach viele attraktive Standorte für Startups, so das Ergebnis der Erhebung. Allen voran war das im Jahr 2018 das Bundesland Nordrhein-Westfalen. Berlin wurde somit auf den zweiten Platz verdrängt (15,8 Prozent) und Baden-Württemberg landet mit 12,6 Prozent auf dem dritten Rang. Betrachten wir allerdings nicht die Bundesländer, sondern die einzelnen Städte, so hat Berlin nach wie vor die Nase vorn.

Stuttgart ist der Gründungs-Hotspot in Süddeutschland

Die Bundesländer nicht im Gesamten zu betrachten, macht noch aus einem zweiten Grund Sinn: Die Zahl der neugegründeten Unternehmen ist nämlich nicht gleichmäßig innerhalb der Bundesländer verteilt, sondern konzentriert sich auf vereinzelte Städte. Demnach machen folgende fünf Hotspots beinahe die Hälfte aller Startups aus. Mehr als 15 Prozent der jungen Unternehmen sind, wie bereits erwähnt, in der Hochburg Berlin angesiedelt. Im Rhein-Ruhr-Gebiet sind es 11,2 Prozent, in Hamburg 7,2 Prozent, in Stuttgart 6,1 Prozent und in München 5,9 Prozent. Somit ist Stuttgart die Gründungshochburg in Süddeutschland und hängt sogar die Weltstadt München ab. Zu erwähnen sei an dieser Stelle der Vollständigkeit halber aber, dass auch die Region Karlsruhe mitgezählt wurde.

Was macht die Region für Startups so attraktiv?

Wieso also kann eine Stadt mit gerade einmal gut 600.000 Einwohnern bei Startups gegenüber Millionenmetropolen wie Berlin oder München punkten?

„Einmalig in Stuttgart ist das Zusammentreffen von bodenständigen Konzernen mit der Mentalität von technologieinfizierten, kreativen Gründern“,

erklärt Gueven Oektem, Gründer und CEO der Fleetize GmbH, die Attraktivität des Standorts im DSM. Hier treffen also Weltkonzerne wie die Daimler AG oder Bosch auf innovative Startups mit Ideen, von denen alle Beteiligten eigentlich nur profitieren können. Lange Zeit wussten aber gerade solche Großunternehmen diesen Vorteil nicht zu schätzen. Glücklicherweise scheint sich dies aktuell zu ändern, sodass sich die jungen sowie etablierten Unternehmen gegenseitig befruchten und unterstützen können. Zeitgleich ist Stuttgart bekanntlich eine Studentenstadt und demnach gibt es hier direkt eine Menge Nachwuchs aus verschiedenen Fachrichtungen, welche den Startups in Zukunft Aufschwung verleihen können und wollen. Stuttgart offeriert jungen Unternehmen somit beste Marktchancen!

Die Stuttgarter Startup-Szene befindet sich im Umbruch

Aber ist es nicht genau diese Konkurrenzsituation zu den großen Unternehmen, welche in Stuttgart schon lange Zeit ihren Sitz und unter den Arbeitnehmern geradezu eine Tradition haben, welche Startups im Kessel das Leben schwer machen? Schließlich streben nach wie vor viele Studierende eine Karriere bei eben Daimler, Bosch & Co an. Und diese sind gewiss nicht auf die Hilfe kleiner Startups angewiesen, wenn sie doch das Budget und die Möglichkeit haben, mit quasi allen Unternehmen der Welt zusammenzuarbeiten. Richtig? Jein!

Bis vor Kurzem war das tatsächlich richtig und dementsprechend galt der Standort Stuttgart für Startups nur als mittelmäßig geeignet. Seine einzigartige Unternehmenskultur war in Stuttgart lange Zeit ein Hindernis für junge Unternehmen. Das liegt einerseits am Wohlstand, denn wer bei den großen Namen arbeiten kann, hat meist schlichtweg keine Lust auf den Stress einer eigenen Gründung. Die Großkonzerne lassen sich nicht einfach ausblenden und ja, sie stehen so manchem Startup im Weg. Das gilt allerdings vor allem für jene Gründungen im B2C-Bereich. Bei genauerem Hinsehen ist der Standort Stuttgart nämlich hauptsächlich durch eine Besonderheit „anders“ als eben Berlin oder München: Hier sitzen vor allem – wenn auch nicht ausschließlich – B2B-Startups. Die Szene hat also erkannt, dass genau jene Großunternehmen, welche lange Zeit als Konkurrenz betrachtet wurden, eigentlich ihre größte Erfolgschance ist.

Die Großkonzerne denken (langsam) um

Dass deutsche Großunternehmen im Allgemeinen nicht unbedingt für ihre Risikofreude bekannt sind, ist kein Geheimnis. Sie halten gerne und lange an traditionellen Strukturen fest. Flexible Arbeitszeiten? Nein, danke! Umstrukturierungen in der IT? Nein, danke! Zusammenarbeit mit einem Startup? Nein, danke! So lautete lange Zeit die Mentalität vieler etablierter Unternehmen, sei es eben die Daimler AG oder ein KMU. Dementsprechend erfreulich ist die Beobachtung vieler ortsansässiger Startups, dass sich diese Mentalität in den vergangenen drei Jahren zu ändern beginnt. Die etablierten Betriebe scheinen mehr und mehr zu verstehen, dass und wie sie von der Zusammenarbeit mit einem Startup profitieren können.

Lange Zeit handelte es sich bei den Berührungspunkten ausschließlich um Investitionen der „Großen“ in die „Kleinen“. Mittlerweile begegnen diese sich vermehrt auf Augenhöhe und schließen gewinnbringende Kooperationen. Vor allem dort, wo die Startups für kleine, mittelständische sowie auch große Unternehmen Probleme lösen können, genießen sie mittlerweile beste Zukunftsperspektiven. Das betrifft vor allem den Bereich der Digitalisierung, zunehmend aber auch die Schwierigkeiten im Zuge des Fachkräftemangels. „Insgesamt hat sich in Stuttgart während der letzten drei Jahre unglaublich viel getan, was sich eben auch auf die Denkweise und Strukturen großer Unternehmen ausgewirkt hat“, schließt  Gueven Oektem mit positivem Fazit ab.

Es gibt viele erfolgreiche Startups im Stuttgarter Kessel

Seine Fleetize GmbH ist aber nicht das einzige Beispiel für ein erfolgreiches Startup aus der Region Stuttgart. Stattdessen macht ein Blick in die Szene schnell klar, dass es im Kessel eine Menge erfolgversprechender Gründungsvorhaben gibt und einige der jungen Unternehmen konnten sich bereits fest am Markt etablieren. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Abiturma als digitale Nachhilfe für Schüler speziell für die Abiturvorbereitung im Fach Mathematik.
  • Dimago, die App, welche die Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen revolutionieren möchte. Dabei kommt ein Armband zum Einsatz, welches die physiologischen Signale des Trägers erfasst sowie auswertet.
  • Eliso mit seinen umweltfreundlichen Tankstellen von morgen, welche die Elektromobilität auf den Straßen vorwärts bringen soll.
  • Emax Haustechnik giltals die Internetadresse für Heimwerker und Profisim Bereich der Gebäudetechnik. Das Unternehmen aus Bisingen hat sich als Online-Händler über die eigene Plattform sowie eBay in den vergangenen drei Jahren am Markt etabliert und gilt als eines der erfolgreichsten Startups in Stuttgart.
  • Mädchenflohmarkt dürfte ebenfalls eines der bekanntesten Startups aus Stuttgart sein und bietet eine Second-Hand-Plattform für Mode, Accessoires & Co speziell für Frauen.
  • RegioHelden ist für innovative Internet-Werbung bekannt und hat mittlerweile einen Namen weit über Stuttgart hinaus. Das Startup wurde im Jahr 2015 vom Außenwerbekonzern Ströer übernommen.
  • Smoope möchte als App Kunden mit Unternehmen vernetzen und revolutioniert somit den „Service-to-go“.

Diese sind nur einige Beispiele von vielen, aber sie machen deutlich: Die Startup-Szene in Stuttgart ist vielfältig und hier werden durchaus einige echte Erfolgsgeschichten geschrieben. Der Kessel ist somit bereits jetzt ein attraktiver Gründungsstandort, sowohl im B2C- als auch vor allem im B2B-Bereich, und wird in Zukunft für Startups weiter an Bedeutung gewinnen.

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