JASMIN GASSMANN

Mit 16 Jahren einfach mal alleine in die USA ziehen, um an der New York Film Academy Schauspiel zu studieren? Das klingt nach großen Träumen, jeder Menge Mut und nach Jasmin Gassmann. Dass es sich gelohnt hat, zeigt die Karriere der Regisseurin und Schauspielerin, die seit neuestem in der ZDF-Krimiserie „SOKO-Stuttgart“ die Rolle der Stuttgarter Kriminalkommissarin Lea Gomez übernimmt.

Aber auch schon vor ihrem Einstieg in die Kriminalistik war Jasmin vielfach im Fernsehen, auf der Bühne und im Kino zu sehen. Nach ihrer zweijährigen Schauspielausbildung in New York bekommt sie direkt eine Rolle bei „Verbotene Liebe“ und wirkt von 2008 bis 2011 als Rebecca von Lahnstein in der Serie mit. „Bullyparade – der Film“ und „EneMe“ sind nur einige ihrer Erfolge auf der großen Leinwand.

Neben ihren zahlreichen Engagements beschließt sie im Jahr 2016, noch eine andere Rolle einzunehmen, studiert Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg und realisiert verschiedene Kurzfilm- und Serienprojekte. Kurzum, Jasmin weiß, was sie will und verfolgt ihre Ziele mit großer Leidenschaft. Begleitet wurde sie auf diesem Weg von dem Schriftsteller Michael Krause, der sie bei ihren Projekten stets als Drehbuchautor unterstützte. Als sie einen Artikel über den damals 94-jährigen Holocaust-Überlebenden Eddie Jaku liest, beschließt sie, sofort nach Sydney zu fliegen, um diese besondere Person kennenzulernen. Doch nicht nur das, im Jahr 2015 erscheint ihre erste Langfilm-Dokumentation, in der Eddie seine Geschichte erzählt.

Eine junge Frau ist spurlos verschwunden. Bei einer Nachbarschaftsbefragung im Wohngebiet der Vermissten will ein kleiner Junge ein verdächtiges Fahrzeug gesehen haben und hat es für Streifenpolizistin Sibylle Beyer (Bärbel Stolz, r.) aufgemalt. Die Kommissarinnen Martina Seiffert (Astrid M. Fünderich, l.) und Lea Gomez (Jasmin Gassmann, M.) sind überrascht: Sie wissen, wem das Auto gehört!

Ein Blick für Details sowie das große Ganze zeichnen die Arbeit von Jasmin aus und werden uns sicher auch in Zukunft noch viele spannende, lustige und nachdenkliche Filmmomente bescheren. Wir haben Jasmin Gassmann getroffen, um noch mehr über sie und ihr Leben zu erfahren.
Liebe Jasmin, was wolltest du als Kind werden? Hast du schon immer gewusst, dass du vor der Kamera stehen möchtest?

Ich war in der Grundschule sehr schüchtern, wurde auch teilweise dafür gemobbt. Irgendwann habe ich mich dann nicht mehr getraut, vor meinen Mitschülern im Unterricht zu sprechen. Meine Klassenlehrerin hat das damals mitbekommen und mir geraten, der Theater-AG beizutreten. Beim Spielen blühte ich plötzlich auf und entwickelte ein größeres Selbstbewusstsein. Es half mir durch die schwierige Phase und so wuchs zunehmend der Wunsch, die Schauspielerei später einmal zum Beruf zu machen.

Und welchen Beruf haben sich deine Eltern für dich vorgestellt?

Die Wunschvorstellung meines Vaters war, dass ich eines Tages in seine Sozietät als Anwältin einsteigen würde. Das ging heftig daneben.

Du bist mit gerade einmal 16 Jahren nach New York gezogen, um dort ein zweijähriges Schauspiel- und Regiestudium an der New York Film Academy zu absolvieren. Woher hast du den Mut genommen?

Da ich bereits mit 14 Jahren von zu Hause ausgezogen bin, fiel es mir nicht allzu schwer, diesen Schritt zu gehen. Außerdem haben mich meine Eltern schon früh bei meinen teilweise verrückten Plänen unterstützt.

Welche war die beste Entscheidung deiner beruflichen Laufbahn?

Ich glaube nicht, dass es eine beste Entscheidung meiner beruflichen Laufbahn gab. Aber was meine persönliche Entwicklung angeht, so glaube ich, dass es meine Entscheidung für ein Regiestudium an der Filmakademie Baden-Württemberg war.

Du hast mit den unterschiedlichsten Menschen zusammengearbeitet und einige Auszeichnungen erhalten – was war dein persönliches Highlight deiner bisherigen Karriere?

Mein Highlight war die Begegnung mit dem Holocaust-Überlebenden Eddie Jaku, mit dem ich den Dokumentarfilm „The Happiest Man“ gedreht habe. Obwohl er unendliches Leid erfahren hat, erlebte ich ihn als einen der positivsten Menschen, den ich je kennenlernen durfte. Mit seiner Geschichte und seinen Erfahrungen ging er auf junge Menschen zu und machte ihnen Mut, sich für eine bessere Welt zu engagieren.

Und was war dein bisher lustigstes Erlebnis am Set?

Lustige Erlebnisse haben wohl eher meine Kollegen, die mit mir drehen müssen. Ich bin ein wahnsinniger Tollpatsch, laufe ständig gegen irgendwelche Tische und Türen oder lasse aus Versehen die Requisiten fallen.

Seit Dezember 2021 wirkst du als Lea Gomez in der SOKO-Stuttgart mit. Wie kam es zu dieser Rolle?

Ich wurde zum Casting eingeladen. Und eine Woche später kam dann die Zusage, über die ich mich wahnsinnig gefreut habe.

Ein renommierter Astrophysiker ist spurlos verschwunden und Kriminalkom- missarin Lea Gomez (Jasmin Gassmann) befragt den Leiter des Deutschen Zentrums für Raumfahrt und Forschung Conner McCallum (Tomas Sinclair Spencer). Hat er etwas mit dem Verschwinden des Wissenschaftlers zu tun?

Was haben die echte Jasmin und Lea Gomez gemeinsam? Was unterscheidet sie voneinander?

Unsere Gemeinsamkeit ist ganz klar die Tollpatschigkeit und das Verdrehen von Sprichwörtern. Lea ist im Gegensatz zu mir einerseits emotionaler, aber andererseits auch analytischer.

Wie bereitest du dich auf eine neue Rolle vor?

Ich schreibe immer als Erstes eine Rollenbiografie. Da fange ich mit einfachen Fakten an, die den sozialen Status, Herkunft, Beruf, Werte und Moralvorstellungen beinhalten. Danach versuche ich, eine Rollenbiografie aus der Ich-Form zu schreiben, also aus der Sicht der Rolle über sich selbst. Das beinhaltet zum Beispiel, was ich für eine Kindheit hatte, wie ich groß geworden bin, etc.

Für die Rolle Lea Gomez stand ich auch im regelmäßigen Austausch mit Kommissaren, um mehr über ihr Vorgehen in gewissen Situationen zu erfahren. Außerdem habe ich an einem Schießtraining teilgenommen.

2019 hast du einen Kurzfilm herausgebracht, der das Thema moderne Sklaverei behandelt. Wie kam es dazu und wie war das Feedback?

Ich habe 2014 über einen Fall gelesen, in dem eine junge Südamerikanerin von einem Diplomaten in Berlin monatelang misshandelt und vergewaltigt wurde, jedoch bis heute keinerlei Gerechtigkeit erfahren hat. Ich recherchierte mehr über das Thema und stieß auf weitere verstörende Fälle. Jedes Jahr melden sich etwa 20 Diplomatenangestellte in Deutschland bei Hilfsorganisationen. Und ganz gleich, wie schwer die Verbrechen auch sind, aufgrund ihrer juristischen Immunität läuft die Strafverfolgung gegen die Diplomaten in allen Fällen ins Leere.

Wir haben das Drehbuch für „LUZ“ (übersetzt: Licht) in ständiger Absprache mit der Ban Ying-Organisation in Berlin entwickelt, die sich seit Jahren intensiv für die Hausmädchen in Diplomatenhaushalten einsetzt. Mein Ziel ist es, eine Ungerechtigkeit anzuprangern, die zwar bekannt ist, aber viel zu wenig Beachtung findet.

Das Feedback zu meinem Film LUZ ist sehr positiv, aber darüber muss sich letztendlich jeder selbst ein Bild machen. Er ist immer noch in der BR-Mediathek zu sehen.

Was sind die größten Herausforderungen im Schauspiel-Business?

Nur wenige können von dem Beruf gut leben. Man wird ständig bewertet und bekommt oft Absagen. Das führt zu finanziellen Engpässen und Existenzängsten.

Hast du einen Tipp für Nachwuchstalente?

Ich glaube, neben Durchhaltevermögen, Talent und Disziplin braucht es in diesem Beruf vor allem großes Glück. Ich sage immer: Schauspielerei ist der schönste Beruf, den man nicht weiterempfehlen kann.

Ein toter Stuttgarter Bildhauer und Kunstprofessor (Urs Remond, l.) und die Frage nach dem Motiv: Kommissarin Lea Gomez (Jasmin Gassmann, M.) und ihr Kollege Jo Stoll (Peter Ketnath, r.) lassen sich von Rechtsmediziner Dr. Benedikt Förster (Florian Wünsche, 2.v.l.) die ersten Informationen zum Opfer geben. Auch die Tatwaffe hat man bereits, von der Tatperson fehlt jedoch jede Spur.

Wenn du einen Wunsch freihättest: Mit wem wurdest du gerne mal zusammenarbeiten?

Mit dem Regisseur Tim Fehlbaum.

Hand aufs Herz: Welche Serien könntest du binge-watchen?

Ich mochte die Serien: Scandal (Prime), The good fight (Prime), How to get away with murder (Netfix).

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Für die Menschen, die mir wichtig sind.

Was gefällt dir besonders gut an Stuttgart? Wo trifft man dich?

Mir gefällt die besondere Topografie Stuttgarts. Von den Höhenlagen hat man einen tollen Ausblick über die ganze Stadt.

Momentan trifft man mich wohl hauptsächlich am Set von der SOKO Stuttgart. Wenn ich mal die Zeit finde, gehe ich jedoch gerne im Höhenpark Killesberg spazieren.

Hast du ein paar Geheimtipps in Stuttgart für unsere Leser*innen (Restaurants/Bars/Plätze)?

Ich mag das Foodsharing-Café Raupe Immersatt am Höderlinplatz sehr. Im Sommer ist es toll, in der Trattoria Piloni draußen zu sitzen. Das ist ein italienisches Restaurant in der Bismarckstraße.

MEHR INFOS:
www.zdf.de/serien/soko-stuttgart