LOTTE

Mit 13 Jahren hat die aus Ravensburg stammende Sängerin LOTTE ihren allerersten Song geschrieben. Inzwischen hat sie sich als echten Größe im deutschen Musikbusiness etabliert. Nachdem sie mit ihren letzten drei Alben bereits bewiesen hat, wie breit und emotional ihre musikalische Welt ist, hat sich LOTTE eine kleine Auszeit gegönnt. Doch nach einer längeren kreativen Phase meldet sie sich jetzt mit ihrem vierten Album zurück. 

Mit ihrem neuesten Album „LOTTE“, das am 7. August 2026 erschienen ist, startete die gebürtige Schwäbin in ein neues Kapitel. Die bereits veröffentlichten Songs von der selbstbetitelten Platte geben einen Vorgeschmack darauf, wie sich diese neue Ära anhören wird. Mit der Single „Teil von mir“ fängt LOTTE das Gefühl ein, wie es ist, jemanden loszulassen, der immer ein Teil von einem bleiben wird. Auf „Wenn du tanzen willst“, schwoft die Wahlberlinerin mit uns durch eine Nacht, die am besten niemals endet. Diesen Herbst lädt LOTTE dann zum gemeinsamen Tanz ein. Dann führt sie ihre „Wenn du tanzen willst Tour 2026“ nämlich einmal quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Gibt es einen besseren Ort, um den Kopf abzuschalten, frei zu sein und einfach mal wieder zu fühlen?

Doch bevor es soweit ist, haben wir uns mit LOTTE getroffen, um mit ihr über Musik, ihre neueste Single und ihre Tour zu sprechen.
Bevor wir über deine Musik sprechen: Wer ist Lotte gerade, fernab von Bühne und Songs?

Eine Träumerin. Ich hab angefangen, wieder richtig nach den Sternen zu greifen und wie ein Kind davon zu träumen, was ich mir von meinem Leben wünsche. Außerdem liebe ich alles, was ich anfassen kann: Töpfern, Reiten, Kochen, mit Freunden zusammen sein. Weg vom Phone. Ich will so viel erleben.

Wenn du an den Anfang zurückgehst: Erinnerst du dich noch daran, wie Musik zum ersten Mal so richtig in dein Leben gekommen ist?

Musik hatte schon immer eine starke Anziehung auf mich. Weil ich so viel fühle, bin ich wahrscheinlich seit ich denken kann auf der Suche nach einem sicheren Ort für meine ganzen Emotionen. Und genau den hab ich in der Musik gefunden. Das hab ich gefühlt, als ich als Kind zum ersten Mal eine Gitarre in den Händen hatte und die Akkorde wie eine Umarmung geklungen haben. Das habe ich mit 13 geahnt, als ich die ersten Songtexte über Herzschmerz geschrieben habe und es danach irgendwie besser war. Und das weiß ich heute, wo meine Songs der Ort sind, an dem ich in meiner ganzen Komplexität stattfinden kann.

Welche kleine Gewohnheit von früher ist dir geblieben, obwohl sich sonst so viel verändert hat?

Ich war schon immer eine kleine Träumerin. Während die anderen Kinder miteinander Verstecken gespielt haben, saß ich auf dem Baum und hab in die Wolken geschaut. Dieses Träumen – mich fragen, was ich tun würde, wenn alles möglich wäre – das ist mir bis heute geblieben und es macht meine Welt weiter. 

Welche Frage über dich selbst wird dir viel zu selten gestellt?

Ich mag Gespräche mit ganz kleinen oder mit ganz großen Fragen – das Dazwischen ist eher das, was mich langweilt. Zum Beispiel: Wenn du müsstest, würdest du für den Rest deines Lebens eher auf Reis oder eher auf Nudeln verzichten? Oder: Glaubst du, dass dein Bewusstsein nach dem Ende deiner körperlichen Existenz weiter bestehen bleibt?

Was macht einen Ort für dich direkt vertraut?

Akzeptanz. Schwäbisch. Und der Geruch von Lavendel.

Wenn du deinen Sound jemandem beschreiben müsstest, der dich noch nie gehört hat – wie würdest du das tun, ohne in typische Genre-Schubladen zu greifen?

Ich würde ihn als organischen Sound mit Inspiration aus den 60s und 70s beschreiben. Die Songs sind dreamy und haben viel Weite und Leidenschaft in sich, mit Texten, die aus meinem Leben kommen. Ich glaube, wenn man in mein neues Album eintaucht, wird man den Einfluss der 60s und 70s schnell hören. George Harrison, die Beach Boys, aber auch Françoise Hardy oder The Velvet Underground.  

Was entdeckt man in deinem neuen Song „Teil von mir“ vielleicht erst, wenn man ihn ein zweites Mal hört?

Ich würde sagen: die Tiefe des Textes. Gerade weil ich auf dem Album viel mit Räumlichkeit und Reverb auf der Stimme arbeite, wird einem der Text nie so krass aufgedrängt. Man kann darin eintauchen – muss man aber auch nicht.  

Du startest deine Tour im Wizemann in Stuttgart. Was für ein Gefühl ist der Tourauftakt in der Heimat (Ravensburg ist ja quasi um die Ecke) für dich?

Tourauftakt ist immer besonders und super intensiv. Aber in der Heimat umso mehr! Gerade jetzt wo ich ein neues Album im Koffer habe, auf das ich so wahnsinnig stolz bin. Ich kann es kaum erwarten, das „nach Hause“ zu bringen, was ich all die Monate in der großen weiten Welt gesucht und in Songs verwandelt hab. 

Hast du vor einer Show ein festes Ritual, das dir Ruhe gibt?

Ich mag es total mit der Band zusammen zu sein. Einfach Zeit verbringen, Abendessen, quatschen. Wir sind ja auch auf der Bühne dann alle so sehr in Verbindung beim Musikmachen.

Wie entstehen bei dir diese emotionalen Texte – steckt eher ein konkreter Moment dahinter oder sammeln sich viele kleine Dinge, bis ein Song daraus wird?

Es startet immer mit einem Knoten, den ich irgendwie lösen muss. Etwas, das ich erlebt habe, aber noch nicht verstehe. Eine Seite an mir, bei der es mir schwer fällt, sie zu lieben. Eine Sehnsucht. Eine Einsamkeit. Ein Schmerz. Und dann fange ich an zu schreiben – und wenn der Song fertig ist, fühle ich mich bisschen mehr verstanden. Musik ist mein kleiner Therapeut.  

Welche drei Dinge verbindest du spontan mit Stuttgart?

Meine Schwester (die wohnt hier), Kindheit, Maultaschen

Gibt es einen Ort in Stuttgart, den du besonders magst?

Ich weiß noch, dass es als Kind das allergrößte war, wenn wir alle paar Monate mal mit meinen Eltern von meiner Heimatstadt Ravensburg nach Stuttgart gefahren sind zum Shoppen. Da war die Königstraße das Paradies. Aber um ehrlich zu sein, war ich schon zu lang nicht mehr richtig da, um einen richtigen Lieblingsort zu haben. 

Was steht bei dir als Nächstes an?

Ich freue mich um ehrlich zu sein einfach riesig auf die Tour. Es ist so lange her und ich kann es nicht erwarten, dieses Album endlich live zu spielen. Es ist wie dafür gemacht. Und ich lieb dieses Leben, im Nightliner nach der Show in die nächste Stadt zu fahren, neue Menschen, neue Gesichter, ein neues Café entdecken, nachts wieder auf die Bühne und meine Lieblingssongs spielen.

Welchen Satz würdest du den Menschen, die das lesen, gern mitgeben?

Dream Baby Dream. Das klingt so platt, aber wirklich: Es ist so viel möglich, wenn du nur daran glaubst und dich traust. Mein Leben beweist mir das gerade.

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