STRESS STATT STUDI-LIFESTYLE

DAS SIND DIE HERAUSFORERUNGEN FÜR STUDIERENDE IN STUTTGART

Es gibt kaum etwas Aufregenderes als den Moment, wenn das Abi in der Tasche ist und man mit dem Studium einen völlig neuen Lebensabschnitt beginnt. Die erste eigene Wohnung oder WG, ganz viel Futter fürs Gehirn und ja, auch jede Menge Partys, neue Menschen und Abenteuer (unter normalen Umständen…).

Die Zahl der Studierenden bleibt hoch

Kein Wunder, dass die Zahl der Studierenden an der Stuttgarter Hochschulen immer weiter zunimmt. Im Wintersemester 2019/2020 studierten 24.540 Studenten in 73 Bachelor- und 95 Masterstudiengängen an der Universität Stuttgart. Von Anglistik über Digital Humanities bis Sportwissenschaften ist alles mit dabei. Trotz Fachkräftemangel entscheiden sich immer mehr Absolventen für ein Studium, um der Karriere auf die Sprünge zu helfen. Laut Statista gab es im Wintersemester 2019/2020 insgesamt 508.220 Studienanfänger/innen im ersten Hochschulsemester in ganz Deutschland. Das ist zwar kein Rekord, wenn man sich die Vorjahre anschaut (2018/2019: 511.007, 2017/18: 513.166), trotzdem zeigt sich die anhaltend große Beliebtheit in den aktuellen Jahrgängen, vor allem im Vergleich zu den Neunzigern und Zweitausender Jahren.

Studentenleben ist nicht nur eine unbeschwerte Zeit

Ein abgeschlossenes Studium wird weiterhin gleichgesetzt mit besten Karrierechancen, einer guten Bezahlung und einem reibungslosen Einstieg in den Arbeitsmarkt. Keine Frage, eine gute Vorbereitung für das Berufsleben ist Gold wert, aber wer bereitet die frisch gebackenen Studenten eigentlich auf ihr neues Leben zwischen Uni, Hausarbeit und Nebenjobs vor? Eben! Selbst kurz vor dem Abschluss gibt es in Schulen kaum Programme zur Vorbereitung auf das Studium oder den Beruf. Ein Besuch im BIZ des Arbeitsamts soll reichen, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Dazu, wie so ein Alltag als Student aussieht, welche Dinge es zu beachten gibt und welche stressigen Situationen warten, gibt es keine oder kaum Informationen.

Stattdessen warten nicht nur die Auswahl eines passenden Fachs plus entsprechendem Bewerbungsprozess auf die Neuanwärter, sondern noch viele weitere Herausforderungen, die erst mal gar nicht so leicht zu erkennen sind.

Die Sache mit dem Geld

Manchmal springen die Eltern ein, die Großeltern haben noch was auf der hohen Kante oder Ferienjobs haben für einen Puffer gesorgt. Andere Studenten erfüllen die Voraussetzungen, um  BAFÖG beantragen zu können. Das ist die staatliche Unterstützung für Schüler und Studenten, die keine anderen oder keine ausreichenden Mittel haben. Um die Chancengleichheit sicherzustellen, gibt es dieses Modell, damit nicht nur diejenigen studieren können, die aus Haushalten kommen, in denen viel Einkommen vorhanden ist.

Mietpreise beanspruchen Studentenbudgets

Ein gutes System, das in den Jahren zwischen 1991 und 2018 laut Statista insgesamt 517.675 Schüler und Studenten gefördert hat. Doch in Zeiten, in denen die Mieten in Ballungsgebieten rasant steigen, ist es teilweise gar nicht so einfach, mit dem Budget, das einem Studenten zur Verfügung steht über die Runden zu kommen. Im Mietspiegelindex des Forschungsunternehmens F+B übersteigen die Mietkosten in Stuttgart sogar die von München. Das sind 10,41 Euro für eine 65 Quadratmeterwohnung, das entspricht 48 Prozent mehr als der deutsche Durchschnitt. Auch in Stuttgart gilt natürlich, umso näher man am Zentrum wohnen will, desto tiefer muss man in die Tasche greifen. Wenn das nicht möglich ist, sind Studenten eher gezwungen ein WG-Zimmer oder eine Wohnung in Randlage zu beziehen, was wiederum Zeit kostet, die ins Lernen oder Arbeiten investiert werden könnte.

Diese Jobs schlauchen

Bis nachmittags in die Uni, danach auf eine Dose Ravioli schnell nach Hause, um abends an der Bar in einer Kneipe am Tresen zu stehen. Oder am Wochenende noch das Maskottchen-Kostüm überwerfen, um ein bisschen Geld dazu zu verdienen. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, neben dem Studium auch zu arbeiten. Aber für viele Studenten bedeutet das spätestens seit der Bologna-Reform aus dem Jahr 1999, die das Studiensystem auf straff organisierte Bachelor- und Masterstudiengänge umgestellt hat, puren Stress. Die Zeit für Nebenbeschäftigungen wird immer knapper. Das heißt dann auch mal ein oder mehrere Semester dranhängen. Bei 500 Euro Studiengebühr pro Semester, die in Baden-Württemberg zu zahlen sind, keine rosigen Aussichten.

Studien-Kredit sorgt für entspanntes Studieren

Wenn das BAFÖG, der Jobs oder der Zuschuss der Eltern nicht reichen, kann es für viele Studenten die Situation entspannen, wenn sie ein spezielles Darlehen für Studenten in Anspruch nehmen. Im Vergleich zu „echten“ Krediten gibt es hier ganz besondere Konditionen im Hinblick auf Kreditrahmen, Zinssatz, Laufzeit und Tilgungen, die diese Art der Finanzierung interessant machen. Je nachdem, welche Rahmenbedingen es gibt, bieten fast alle Hausbanken einen speziellen Studenten-Kredit an. Auch die KfW hat spezielle Angebote, die es ermöglichen sollen, den Kopf frei für den Lernstoff zu haben. Aber auch Crowdlending kommt in Frage. Das bedeutet, dass Privatpersonen über verschiedene Plattformen Kredite an Personen oder Projekte vergeben, die sie für unterstützenswert halten. Die genauen Bedingungen hängen dabei vom jeweiligen Kreditgeber ab und müssen vorher geklärt werden.

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Gerade in den letzten Semestern, wenn die finalen Prüfungen und Abschlussarbeiten anstehen, kann es sinnvoll sein, die Nebenjobs ruhen zu lassen und durch einen Kredit dafür zu sorgen, den Kopf ganz und gar frei zu haben.

Studieren strapaziert nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Nerven

Das Geldproblem ist gelöst, aber trotzdem bleibt der Dauerstress und dieses angespannte Gefühl? Die Studie „Studierendenstress in Deutschland“ aus dem Jahr 2016 zeigt, dass 53 % der Studenten das Gefühl haben, unter Dauerstress zu stehen. Zeitmangel, hohe Anforderungen, viele Verpflichtungen neben der Uni – die Gründe sind zahlreich und führen doch zum gleichen Ergebnis: Die Studenten fühlen sich überfordert, können sich nicht konzentrieren, schlafen schlecht und starten so unter schlechten Bedingungen in den neuen Tag, ein Teufelskreis!

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Abhilfe zu schaffen. Statt immer nur im Hinblick auf Prüfungen zu lernen, ist es eine gute Idee, kontinuierlich den Stoff abzuarbeiten und jeden Tag ein bisschen zu machen, statt kurz vorher Nachtschichten zu schieben. Auch Lerncluster und entsprechende Pausen helfen, einen Rhythmus zu etablieren, der genug Zeit für anderes bietet und nicht stresst.

Wichtig ist es außerdem, sich regelmäßige Auszeiten vom Schreibtisch zu gönnen. Vor allem Sport schafft einen Ausgleich, fördert die Konzentrationsfähigkeit und ist rundherum gesund. Yoga und Mediation machen fit und sorgen gleichzeitig für den geistigen Ausgleich.

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Doch nicht nur Sport macht den Körper fit, auch die Ernährung sollte gesund sein, damit der Kopf bestens arbeitet und man sich einfach rundherum gut fühlt. Eine abwechslungsreiche, frische Kost macht den Unterschied und Pausen für das Kochen sind willkommen, um das Büffeln zu unterbrechen.

Alles in allem gilt, in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist. Es lohnt sich also immer auf sich zu achten und das eigene Wohlbefinden jederzeit als Priorität zu sehen.

Die beste Zeit des Lebens!

„Das war die beste Zeit meines Lebens“ – habt ihr diesen Satz in Bezug auf die Studentenzeit schon mal von Verwandten oder Bekannten gehört? Recht haben sie. Denn trotz der genannten Herausforderungen sollte man auf keinen Fall vergessen, wie wahnsinnig spannend und wertvoll diese Zeit ist. Es warten jede Menge neue Freunde, Freiheiten und Erfahrungen, die es möglich machen, sich als Person noch mal völlig neu kennenzulernen und sich fernab des eigenen Zuhauses auszuprobieren. Es wird nicht nur im Hörsaal gelernt, sondern vor allem auch drum herum. Wie geht man auf fremde Menschen zu? Wie geht eigentlich eine leckere Bolognaise? Und was ist eigentlich wirklich wichtig im Leben? Wer möchte man sein und werden? Welche Dinge möchte man durch das Studium und den anschließenden Beruf nachhaltig verändern? Um diese Dinge zu genießen, sollte man sich selbst Rahmenbedingen schaffen, die es erlauben, dass Stresslevel niedrig und das Entwicklungslevel hoch zu halten.