STUTTGART OHNE UNGARN? UNVORSTELLBAR UNGERN!

Was haben Schwaben und Ungarn gemeinsam? Die Liebe für deftiges Essen, wie Gulasch, Lángos oder Zwiebelrostbraten? Nicht nur: Wir zeigen die vielfältigen Verbindungen zwischen dem wunderschönen Land an der Donau und unserem Kessel. Vom Ungarische Kulturinstitut, über ungarische Restaurants, bis hin zu einem erfolgreichen Selfmade-Unternehmer, der aus Ungarn nach Stuttgart gekommen ist, um hier sein Glück zu finden.

Ungarn – Quelle der Wunder. So bezeichnet sich das Land mit knapp zehn Millionen Einwohnern gern selbst, um Touristen anzulocken.

Und Recht haben sie: In Ungarn entspringen nämlich über 1000 heiße Quellen und einige davon sogar mit heilender Wirkung – wundervoll! Allein in der Hauptstadt Budapest, mit 1,7 Millionen Einwohnern die größte Kurstadt Europas, sprudeln täglich über 70 Millionen Liter Mineralwasser aus dem Boden.

„Und welche Stadt hat das zweitgrößte Mineralwasservorkommen Europas?“

Richtig, Stuttgart! In Bad Cannstatt sind es nämlich ca. 44 Millionen Liter jeden Tag. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum mittlerweile ungefähr 60.000 Ungarn im Großraum Stuttgart eine neue Heimat gefunden haben. Allerdings wurden auch mehr als 200.000 Deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ungarn vertrieben, wodurch Ungarn ein Stück seiner ungarndeutschen Identität verloren hat. An sie wird jährlich am 19. Januar, dem offiziellen Gedenktag für die vertriebenen Ungarndeutschen durch das Ungarische Kulturinstitut in Stuttgart erinnert. 

Das Ungarische Kulturinstitut: Dialog fördern, Beziehungen stärken

Bereits seit 30 Jahren ist eins von zwei Ungarischen Kulturinstituten in ganz Deutschland in Stuttgart zu Hause. Im Herbst 1990 eröffnete das Stuttgarter Ungarische Kulturinstitut seine Tore in der Haußmannstraße. Anfang dieses Jahres ist man dann mitten in die Stuttgarter Innenstadt umgezogen, in ein hell und modern eingerichtetes Institutsgebäude in der Christophstraße 7. Institutsleiter Dezső B. Szabó und Kulturreferentin Terézia Füssenhäuser freuen sich, ab September wieder zu kulturellen Veranstaltungen vor Ort einzuladen.

Seit dem Jahr 1990 nimmt das Ungarische Kulturinstitut in Stuttgart eine besondere Stellung als Vermittler der ungarischen Kultur und Sprache ein. Es ist für eine große Zahl von vertriebenen Ungarndeutschen und hier lebenden Ungarn, die in Stuttgart und Umgebung ein neues Zuhause gefunden haben, ein Stück Heimat in der Fremde. 

In erster Linie soll es also um einen produktiven Dialog zwischen Ungarn und Deutschland gehen. Dabei geht es weniger um traditionelle An- und Einsichten zu Ungarn, sondern vielmehr sind das Kennenlernen und die gegenseitige Ergänzung gefragt. Im Austausch mit deutschen und anderen europäischen Institutionen, Organisationen, Universitäten oder Konsulaten ist das Ziel des Instituts, die Kulturen Mitteleuropas miteinander zu verbinden und zu stärken.

Volles Programm für alle Ungarn-Fans

Dafür organisiert es Konzerte und Lesungen sowie regelmäßige Treffen in Zusammenarbeit mit ungarischen Klubs. Außerdem öffnet es seine Türen an großen städtischen Kulturveranstaltungen wie z.B. an der langen Nacht der Museen. Für alle Ungarn-Fans oder Interessierte an Land und Leuten sind ab September wieder tolle Events im neuen Institut in der Christophstraße geplant: Freut euch auf Ausstellungen, Jazz-Abende, Lesungen, Sprachkurse und interessante Vorträge

P.S.(SSSST!): Hier könnt ihr euch auch super über Ungarn als Reiseziel informieren – einfach mal vorbeischauen!
Öffnungszeiten Ungar. Kulturinstitut (Christophstraße 7):
Montag-Donnerstag: 09:00-15:00 
Freitag: 09:00-14:00 Uhr

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Péter Horváth: vom Migranten zum Mäzen

Seine Geschichte klingt ein bisschen nach dem amerikanischen Traum, nur in der ungarisch-deutschen Version: Péter Horváth ist 1937 in Sopron, einer Stadt am ungarischen Grenzgebiet zu Österreich, geboren. Mit 18 Jahren kam er quasi als „Asylbewerber“ nach Deutschland, wie er selbst sagt. Heute gilt er als einer der Begründer einer wissenschaftlichen Fachrichtung („Controllingpapst“), ist Ehrendoktor mehrerer Universitäten und leitet eine erfolgreiche Unternehmensberatung, die seinen Namen trägt.

Nach seinem Studium des Maschinenbaus in Aachen und des Wirtschaftsingenieurwesens in München baute Péter Horváth in Darmstadt den deutschlandweiten ersten Lehrstuhl für Controlling auf, dessen Standardwerk er später noch schreiben sollte. Im Jahr 1981 wechselte er an die Universität nach Stuttgart, wo er bis zu seiner Emeritierung im März 2005 als Professor tätig war. Nach Stuttgart zu kommen, war für ihn anfangs eine rein rationale Entscheidung aufgrund der wirtschaftlichen Stärke der Region. Doch schon nach kurzer Zeit ist ihm der Kessel ans Herz gewachsen, als er in das kulturelle Leben der Landeshauptstadt eingetaucht ist. Deshalb hat er auch eine Stiftung ins Leben gerufen, die verschiedene Stuttgarter Kulturinstitutionen großzügig unterstützt.

Wir haben die Möglichkeit bekommen, Péter Horváth im Horváth & Partner „Headquarter“ im Phoenixbau in der Königstraße zum Interview zu treffen. Gleich vorneweg sagte er uns, dass er zur ungarischen Lebensweise wahrscheinlich nicht viel erzählen kann, weil er schon knapp 40 Jahre in Stuttgart lebe und voll integriert sei. Dennoch gibt es natürlich immer noch starke Verbindungen zu seinem Geburtsland Ungarn: 

Was bedeutet Ungarn für Sie?

Heimat!

Was macht Stuttgart für Sie besonders?

Die vielen kulturellen Möglichkeiten! Ob das Stuttgarter Ballett, die Oper, das Schauspielhaus, das Literaturhaus oder die vielen kleinen Theater. Ein richtiges Juwel ist das Wilhelma Theater! Das wird leider oft nicht richtig wahrgenommen…

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Was würden Sie einem Touristen in Stuttgart als erstes zeigen?

Wenn es ein technisch interessierter Mensch ist, selbstverständlich das Mercedes-Benz Museum oder das Porsche-Museum. Für Kulturliebhaber die Staatsgalerie, das Kunstmuseum, die Oper oder das Ballett. 

Sie selbst sind ja auch Freund der Stuttgarter Kulturszene, die sie durch ihre Stiftung tatkräftig unterstützen. 

Richtig, unsere Stiftung fördert zum einen die ökonomische Forschung im Bereich Controlling aber eben auch Kunst und Kulturinstitutionen, wie z.B. das Literaturhaus und die Musikhochschule, weil ich der Stuttgarter Kultur sehr verbunden bin. Dazu kommt die dritte Säule der Stiftung: die Völkerverständigung, so auch die Förderung der ungarisch-deutschen Beziehungen, zum Beispiel durch das Ungarische Kulturinstitut.

Können Sie einen Unterschied zwischen Schwaben und Ungarn ausmachen?

Natürlich gibt es Unterschiede im Charakter. Die ungarische Art ist oft nicht so direkt in der Ansprache wie die schwäbische, sondern eher unverbindlich. Im Vergleich zur schwäbischen „Korrektheit“ fällt das schon manchmal auf. Ich muss aber auch sagen, dass ich nach 40 Jahren in Stuttgart ja schon sehr schwäbisch geworden bin, was die Pünktlichkeit betrifft. 

Was ist Ihr Lieblingsschwabengericht?

Saure Nierle

Und wo gibt es gute schwäbische Küche?

Früher war ich oft im Murrhardter Hof, gerne auch im Kochenbas. Heute gefällt es mir im Schellenturm oder auf der Wielandshöhe sehr gut.

Was ist ihr liebstes ungarisches Gericht?

Die Ungarn lieben alle Arten von geschmortem Fleisch mit Paprika! So z.B. die Gulaschsuppe aus Rind- oder Schweinefleisch mit Kartoffeln und Spätzle – das ist eine gute Mischung aus beiden Welten. Übrigens ist Gulasch in Ungarn auch als Fischvariante sehr beliebt.

Zum Abschluss: Was ist ihr absoluter Geheimtipp in Stuttgart?

Als Jazzliebhaber bin ich großer Freund des BIX Jazzclubs! Aber auch den Wirtschaftsclub im Literaturhaus kann ich sehr auch empfehlen: Hier finden spannende Vorträge und öffentliche Abendveranstaltungen zu verschiedenen Themen statt! 2020 dreht sich alles um Schönheit… 
Mehr Infos unter www.wirtschaftsclub-literaturhaus.de/programm

UNGARN IM KESSEL UND DARÜBER HINAUS ERLEBEN

Kulinarisch gibt es leider nur wenige ungarische Angebote in und um Stuttgart. Nachfolgend eine kleine Auswahl:

In der Stuttgarter Markthalle sind drei Stände zu finden, die ungarische und Balkan-Spezialitäten anbieten.

In der „Körschtalklause bei Gabor“ in Filderstadt (73760 Ostfildern-Scharnhausen) gibt es z. B. authentische Fischsuppe und andere ungarische Nationalgerichte, wie Pörkolt (ungarisch für „Gulasch“). Essen auf gehobenem Niveau zu fairen Preisen – sehr zu empfehlen! Außerdem finden immer mal wieder Musikabende oder andere kulturelle Veranstaltungen statt. Mehr Infos unter www.koerschk-beigabor.de

Die „Budapest Lounge“ in Schorndorf (Kirchgasse 20, 73614 Schorndorf) ist ein echter Geheimtipp unter Stuttgarter Ungarn-Fans. Hier kann man neben traditionellen ungarischen Gerichten auch eine große Auswahl an Weinen probieren und genießen.

Bei „Kunst & Knödel“ in Salach (Alte Eislinger Straße 3, 73084 Salach) gibt es die ganze Bandbreite der Ungarisch-Österreichischen Küche zu probieren. Die Tagesangebote außer der Reihe sind sehr gut und dürfen im Preisleistungsverhältnis eher oben angesiedelt – das heißt aber nicht zu teuer! Das Ambiente des kleinen Lokals hat etwas sehr eigenes, die Gemälde die ölgemalt und mit dreidimensionaler Aufbaumodellierung somit auch ein Augenschmaus. Nicht zu vergessen ist hier ein Biergarten für die warmen Tage, der hier auch empfehlenswert ist.

„Viszlát, szép napot!“

Auf Wiedersehen, schönen Tag noch!

MEHR INFOS: www.stuttgart.balassiintezet.hu/de