STUTTGART UND DIE REGULIERUNG DIGITALER ASSETS

Die Börse Stuttgart ist die zweitgrößte Wertpapierbörse in Deutschland – nach der Frankfurter Wertpapierbörse – und führender Handelsplatz für Privatanleger*innen im deutschen Wertpapierhandel.

Die Börse Stuttgart Digital betreibt seit Ende 2019 mit der BSDEX eine regulierte Plattform für den Handel mit digitalen Assets in Deutschland. Über die Schweizer Tochter BX Digital erhielt die Unternehmensgruppe im März 2025 von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA die erste Lizenz für ein DLT-Handelssystem in der Schweiz. 

Diese Entwicklungen zeigen, dass in Europa bereits operative Strukturen für den Handel mit tokenisierten Wertpapieren existieren. Gleichzeitig arbeitet die US-Börsenaufsicht SEC mit dem im Juli 2025 vorgestellten „Project Crypto“ an einer umfassenden Modernisierung ihres Wertpapierrechts. In einer Zeit, in der sich Märkte und Regulierungen weltweit in rasantem Tempo entwickeln, lohnt sich ein genauer Blick darauf, wie sich diese unterschiedlichen Ansätze zueinander verhalten und welche internationalen Rahmenbedingungen aktuell entstehen.

Blockchain, Kryptowährungen und globale Entwicklung

Neben dem institutionellen Handel spielen Blockchain-Anwendungen inzwischen auch in Bereichen eine Rolle, die weit über die klassischen Finanzmärkte hinausgehen. Dazu gehören In-Game-Zahlungen in Videospielen, bei denen Kryptowährungen oder Token direkt in Spielökonomien integriert werden, sowie Transaktionen in kryptoaffinen Märkten wie dem iGaming-Sektor, wo Online Casinos mit Bitcoin Einzahlungen verbreitet sind und schnelle und grenzüberschreitende Transaktionen ohne herkömmliche Zahlungsdienstleister geschätzt werden. 

Darüber hinaus findet die Technologie Einsatz in Lieferketten, um Herkunft und Transportwege von Waren lückenlos zu dokumentieren, und in der digitalen Identitätsverwaltung, wo Blockchain-Lösungen sichere, fälschungssichere Nachweise ermöglichen. Auch der direkte Handel mit Kryptowährungen – vom dezentralen Tausch über Smart Contracts bis zu regulierten Plattformen – bildet einen wachsenden Teil der weltweiten Finanzaktivitäten.

Um die aktuellen Ereignisse einordnen zu können, ist ein Blick auf den übergeordneten technologischen und regulatorischen Kontext wichtig. Blockchain-Technologie und digitale Vermögenswerte haben sich in den letzten Jahren von einer Nischeninnovation zu einem festen Bestandteil der globalen Finanzarchitektur entwickelt. Tokenisierte Wertpapiere – digitale Abbilder klassischer Finanzinstrumente wie Aktien, Anleihen oder Fondsanteile – versprechen eine schnellere, transparentere und kosteneffizientere Abwicklung von Transaktionen. Dies hat Regierungen und Aufsichtsbehörden dazu veranlasst, spezifische rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen. 

Die Schweiz war mit dem DLT Act 2021 früh dabei, ein umfassendes Regelwerk einzuführen. In der EU sorgt seit 2024 die Markets in Crypto-Assets Regulation für einheitliche Standards, und in den USA bereiten die SEC und die CFTC derzeit Reformen vor, die den Marktzugang für digitale Wertpapiere neu definieren sollen. Auch in Asien und anderen Regionen werden Pilotprojekte erprobt, um die Integration dieser Technologien in bestehende Finanzsysteme zu testen.

Stuttgart: Regulierte Handelsinfrastruktur seit 2019

Vor diesem internationalen Hintergrund nimmt Stuttgart eine besondere Rolle ein, da die Börse Stuttgart Digital Exchange bereits seit Dezember 2019 als von der BaFin genehmigtes multilaterales Handelssystem für Kryptowährungen operiert. Neben dem Handel baute die Gruppe ihre Infrastruktur aus und erhielt im März 2023 mit Börse Stuttgart Digital Custody eine BaFin-Lizenz für die Verwahrung von Krypto-Assets. 

Ein weiterer Meilenstein folgte im Juni 2024, als das Unternehmen als erstes in Deutschland eine Lizenz nach der europäischen MiCAR-Verordnung erhielt. Diese Genehmigung ermöglicht es, sowohl Handel als auch Verwahrung von Krypto-Assets im gesamten EU-Raum anzubieten. Die Angebote der Börse Stuttgart umfassen dabei nicht nur institutionelles Brokerage und Verwahrung, sondern auch die Bison-App für private Anleger. Diese kontinuierliche Ausweitung des regulierten Geschäftsmodells bildet die Grundlage dafür, dass die Gruppe ihre Aktivitäten erfolgreich in weitere Märkte tragen konnte – darunter auch in die Schweiz.

Schweiz: BX Digital und die FINMA-Lizenz

Die Expansion nach Bern erwies sich als strategischer Schritt. Am 12. März 2025 erhielt die BX Digital AG als erstes Unternehmen in der Schweiz von der FINMA die Zulassung für ein DLT-Handelssystem. Die Lizenz, die am 14. Mai 2025 in Kraft trat, erlaubt den regulierten Handel mit tokenisierten Aktien, Anleihen und Fondsanteilen. 

Bemerkenswert ist, dass dieser Handel auf einer öffentlichen Blockchain – konkret Ethereum – abgewickelt wird und keine zentrale Verwahrstelle notwendig ist. Diese direkte Abwicklung zwischen den Handelsteilnehmern ist im Schweizer DLT-Rahmen ausdrücklich vorgesehen, der seit Inkrafttreten des Bundesgesetzes zur Anpassung des Bundesrechts an Entwicklungen der Technik verteilter elektronischer Register im Jahr 2021 spezifische Regelungen für den Betrieb solcher Systeme enthält. Die Zahlungsabwicklung erfolgt über das etablierte Schweizer SIC-System, was die Verbindung zwischen neuer Technologie und bestehender Finanzinfrastruktur herstellt. 

Bereits im Juni 2025 konnten namhafte Institute wie die Sygnum Bank, die Incore Bank, die Hypothekarbank Lenzburg, die ISP Group und die EUWAX AG als erste Teilnehmer gewonnen werden. Die Schweizer Lizenz knüpft damit nicht nur an die regulatorische Klarheit des DLT Act von 2021 an, sondern ergänzt auch das bereits bestehende Angebot der Börse Stuttgart in Deutschland, wodurch die Gruppe in zwei hochregulierten Märkten gleichzeitig operiert.

USA: Project Crypto und regulatorische Weichenstellungen

Während in Europa bereits konkrete Plattformen arbeiten, befinden sich die USA aktuell in einer Phase der gesetzlichen Neuausrichtung. Am 31. Juli 2025 stellte SEC-Chef Paul Atkins „Project Crypto“ vor – ein Programm, das digitale Vermögenswerte klarer definieren, Standards für multifunktionale „Super-Apps“ setzen, Verwahrregularien anpassen und den Handel mit tokenisierten Wertpapieren gezielt fördern soll. Nur wenige Tage später, am 4. August 2025, kündigte die Commodity Futures Trading Commission an, künftig Spot-Handel mit Kryptowährungen auch auf registrierten Futures-Börsen zuzulassen.

Ergänzend wurde bereits im Juli 2025 der GENIUS Act verabschiedet, der erstmals einen verbindlichen Rechtsrahmen für Stablecoins schafft – inklusive einer strikten 1:1-Deckungspflicht und regelmäßigen Transparenzberichten. Diese Maßnahmen verdeutlichen, dass die USA zwar später als die EU oder die Schweiz regulatorische Grundlagen für den tokenisierten Handel setzen, diese nun jedoch in einem koordinierten Schritt umsetzen wollen.

Weitere internationale Entwicklungen

Neben den großen Finanzplätzen gibt es weitere Akteure, die an der Entwicklung regulierter Tokenmärkte arbeiten. In Österreich stellte die Plattform Assetera Anfang August 2025 eine MiFID-konforme Schnittstelle vor, mit der Krypto-Börsen tokenisierte Wertpapiere reguliert anbieten können. In Großbritannien ist die Plattform Archax seit 2020 als von der Financial Conduct Authority zugelassene digitale Wertpapierbörse tätig und hat sich als Brücke zwischen traditionellen Finanzmärkten und der Blockchain-Technologie positioniert. 

In Asien schließlich testet Hongkong im Rahmen des e-HKD-Pilotprogramms die Abwicklung tokenisierter Fonds über öffentliche Blockchains, unter anderem mit der Beteiligung von Aptos Labs. Diese Beispiele verdeutlichen, dass sich die Regulierung und technische Umsetzung von digitalen Wertpapieren inzwischen in vielen Märkten gleichzeitig weiterentwickeln – wenn auch in unterschiedlichem Tempo und mit jeweils eigenen Schwerpunkten.