FILMPREMIERE „BIS WIR TOT SIND ODER FREI“

Habt ihr das Angebot der üblichen Verdächtigen der Streamingszene auch satt? Wir haben genau das Richtige für euch! Wer auf der Suche nach qualititativ hochwertigem Kino und einer ganz besonderen Filmpremiere in Stuttgart ist, sollte sich den 1. April rot im Kalender markieren.

Ab dem 31.03.2022 läuft „BIS WIR TOT SIND ODER FREI“ von SCHWARZE SCHAFE-Regisseur Oliver Rihs in den deutschen Kinos. Begleitet wird der Kinostart von spannenden Auftaktevents quer durch Deutschland. Natürlich darf Stuttgart nicht fehlen: Die Kino-Tour endet am 01.04. (19:30 Uhr) im Atelier am Bollwerk. Mit dabei: Hauptdarsteller Joel Basman, Regisseur Oliver Rihs, ein inhaltliches Q&A sowie selbstverständlich der Film auf der Leinwand. 

Regisseur Oliver Rihs bei den Dreharbeiten

„Wir werden alles ändern. Alles.“

BIS WIR TOT SIND ODER FREI erzählt die wahre Geschichte des allen Regeln widersprechenden Schweizer Ausbrecherkönigs Walter Stürm (Joel Basman). Er trifft auf die idealistische Menschenrechtsanwältin Barbara Hug (Marie Leuenberger), die immer wieder für eine Erneuerung des rückständischen Justizsystems kämpft und unter anderem Linksautonome wie die rebellische Heike (Jella Haase) vertritt. Barbara setzt sich für ihn ein und fühlt sich plötzlich zu ihm hingezogen. Doch auch ihre Mandantin Heike verfällt Walters Charme, wodurch ausgerechnet der Ausbrecher, der keiner Ideologie anhängt und in linken Kreisen zum Symbol für Freiheit und die Würde des Einzelnen wird, wird zum Objekt der Begierde zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Das rebellische Punkmädchen Heike Vollmer (Jella Haase) mit ihrer Anwältin Barbara Hug (Marie Lauenberger) vor Gericht

Bei einer Pro-Stürm-Demo in Zürich

Walter Stürm (Joel Basman) mit seiner Anwältin Barbara Hug und deren deutscher Kollegin Merkt Spengler (Bibiana Beglau)

Der Film ist hochkarätig besetzt und wurde bereits für die Beste Hauptdarstellerin, den Besten Film und die Beste Kamera ausgezeichnet. Tickets könnt ihr euch über die Homepage des Ateliers am Bollwerk sichern. Mit ein bisschen Glück habt ihr die Chance, 1×2 Tickets für das Auftaktevent in Stuttgart zu gewinnen. Schaut dafür am Dienstag (29.03.) auf unserer Facebook-Seite vorbei und nehmt am Gewinnspiel teil. Die Auslosung findet am Donnerstag (31.03.) um 17 Uhr statt. Viel Glück!

Wir haben Hauptdarstellerin Marie Leuenberger, die in in den Jahren 2004 und 2005 im Rahmen ihres Engaements am Staatstheater Stuttgart gespielt hat, noch ein paar Fragen gestellt.
1. Was hat sich an der Rolle der Barbara Hug besonders gereizt?

Barbara Hug ist eine komplexe, vielschichtige und ungewöhnliche Frauenfigur. Sie kämpft vor Gericht für die Freiheit anderer, sie kämpft gegen ihre chronischen Schmerzen, sie ist ruppig, direkt, politisch motiviert, einsam, gefangen in ihrem Körper, und sie geht an Krücken. Das alles darzustellen war eine große Herausforderung. So jemanden durfte ich bisher noch nie spielen. Es war sehr anstrengend, aber geil!

2. Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?

Barbara Hug hat es ja wirklich gegeben, sie ist 2005 verstorben. Ich habe mit Weggefährten von ihr gesprochen, habe mit Dialysepatienten geredet, und bin mit dem Schauspiel Coach Jens Roth die Figurenkonstellationen durchgegangen. Die körperliche Behinderung habe ich am Set ausprobiert: indem ich die Krücken von morgens bis abends durchgehend benutzt habe, wurde die Behinderung ganz alltäglich, und deswegen musste ich mich beim Spielen nicht mehr darauf konzentrieren.

3. Hast du dich schon vorher für die Themen Rechtsstaatlichkeit, Menschen – und Freiheitsrechte interessiert oder hat dir die Rolle einen neuen Horizont eröffnet?

Ich wusste vor dem Dreh nicht viel über die Schweiz der 80er Jahre und ihr rückständiges Strafsystem. Dass Menschen- und Freiheitsrechte überall auf der Welt eingeschränkt werden, war mir natürlich klar, aber durch die Corona-Situation nach dem Dreh wurde das auch in Deutschland real spürbar. Durch die Maßnahmen, möglichst niemanden zu treffen und das Haus nicht zu verlassen, haben wir alle die Erfahrung gemacht, wie sich Isolation anfühlen könnte. Und dass das eine brutale Strafe ist. 

Eine Notiz auf meinem Drehbuch war das Zitat: „Wo Unrecht Recht wird, ist Widerstand Pflicht“ Das kriegt in der aktuellen Ukrainer Situation auch nochmals eine ganz neue Bedeutung.

4. Wieso ist es so wichtig, im Kino mehr und mehr auf brisante, zum Teilkritische Themen aufmerksam zu machen?

Film ist das perfekte Medium, um auf brisante und kritische Themen aufmerksam zu machen. Denn Film an sich hat ja einen Unterhaltungswert, ob nun komödiantisch, dramatisch, informativ, etc. Wir konsumieren durch Filme Geschichten. Und Geschichten sind auch eine Verfremdung. Diese lässt eine Distanz zur Realität zu, wodurch wir das Erzählte ganz anders an uns heranlassen. Film kann unsere Perspektive verändern und im besten Sinne Aufklärung sein.

5.Was bedeutet Freiheit für dich persönlich?

Freiheit ist neben dem Frieden das größte Gut. Freiheit habe ich früher für selbstverständlich genommen, und je älter ich werde, und je mehr ich vom Leben und der Welt verstehe, desto mehr weiß ich, dass man sich Freiheit erarbeiten muss. Tag für Tag, das Private ist politisch.

Und jetzt:

Film(Premiere) ab!


P.S.SSSST! Hier geht’s zum Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=uOnQdsAJgKA&t=2s

MEHR INFOS:
https://www.biswirtotsindoderfrei.de

Fotos: Philippe Antonello / Port au Prince Pictures