Vom abgebrochenen Geologiestudium zur gefeierten Schauspielerin: Astrid M. Fünderich ist die Hauptdarstellerin der Fernsehserie SOKO Stuttgart. Wir haben mit ihr über ihre Karriere, Klischees und die beste Eiscreme gesprochen.

Verantwortungsvoll,  besonnen, souverän: So kennt man die erste Kriminalhauptkommissarin Martina Seiffert aus der SOKO Stuttgart. Hinter der Kommissarin steckt Astrid M. Fünderich – und das schon seit sieben Jahren. Nachdem sie 1991 ihr Geologie-Studium abgebrochen hat, begann sie ihre Schauspielausbildung an der Ecole Philippe Gaulier in London und beim Hollywood Acting Workshop in Los Angeles. Nach zahlreichen Rollen in verschiedenen Fernsehformaten wie dem Tatort oder Balco, hatte Astrid M. Fünderich ihren großen Durchbruch dann 2009 in der Krimiserie SOKO Stuttgart. Engagiert ist sie natürlich nicht nur in ihrer Rolle, sondern auch in ihrem Privatleben: Sie unterstützt viele gemeinnützige Projekte wie Campact, Avaaz, atmosfair, Unicef und lokale Projekte im Kessel, wo sie Zuhause ist. In diesen Projekten geht es vor allem darum, auf Missstände und Krisen aufmerksam zu machen und aktiv daran zu arbeiten – indem Plattformen geschaffen werden, Bürger mobilisiert werden und einfach dort geholfen wird, wo es notwendig ist.

Wie und wann Sind Sie zur Schauspielerei gekommen?

In der Endphase meines Geologie-Studiums an der RWTH Aachen waren meine engeren Freunde alle aus der Theater- und Musikerszene. Und 1990 hatten Die Macher des Theater K. In Aachen die Idee, mich in einem Stück von Pierre Carlet de Marivaux mitspielen zu lassen. Es folgten eine intensive Probenzeit und vier Wochen Theater, „Verführbarkeit auf beiden Seiten“, ensuite und open air auf der Burg Frankenberg. Danach wollte nie wieder etwas Anderes machen.

Welche Rolle hat Ihnen in Ihrer Karriere am meisten Spaß gemacht? Was war Ihr bisher größter Erfolg?

Mein größter Erfolg ist die Kontinuität mit der ich arbeiten kann. Seit 20 Jahren drehe ich meistens sozusagen „in Serie“. Es gab auch harte Zeiten, aber ich habe immer von meinem Beruf leben können. Ich fühle mich wohl in einem Team, mit dem ich lange Strecken gehen kann und ich freue mich, dass Sender und Produktionen mir vertrauen und das Publikum mich offenbar mag und mir treu bleibt. Und die härteste Zeit ohne Arbeit hat mir den Freiraum für meine schönste Rolle gegeben: Mutter zu werden. Das klingt kitschig, ist aber einfach so.

Wie sieht ein typischer Drehtag bzw. eine Drehwoche bei SOKO Stuttgart aus?

Ich stehe um 5:15 Uhr auf, gehe dann joggen oder mache Yoga. Nach dem Duschen gibt es dann um 6:30 Uhr einen Kaffee mit meinem Mann und meinem Sohn. Um 7:00 Uhr geht es los zum Studio oder zum Drehort, wo dann auch gefrühstückt wird – bei Wind und Wetter am Catering. Nach Maske und Kostüm heißt es dann: Leseprobe, Stellprobe im Set, Dreh. Nach einer Mittagspause gegen 13:00 Uhr geht es bis 19:00 Uhr weiter. Zu Hause bringe ich meinen ‚Kleinen‘ mit einer Gutenachtgeschichte ins Bett und setze mich dann noch etwa eine Stunde zum Lernen für den nächsten Tag an den Schreibtisch. Danach haben mein Mann und ich noch ungefähr eine Stunde zum Planen und Erzählen, bis ich dringend schlafen gehen sollte. Manchmal bin ich morgens auch etwas später dran oder abends früher fertig und nach jeweils vier Folgen, also 26 Drehtagen, haben wir etwa eine Woche drehfrei. Hier bereite ich die nächsten vier Drehbücher vor, erledige Arztbesuche oder Amtsgänge und ich habe ein bisschen Zeit für mich und meine Familie.

Was würden Sie angehenden Schauspieler/Innen als Tipp mit auf den Weg geben?

Ich würde jungen Menschen, die SchauspielerInnen werden wollen, dringend raten, sich diesen Wunsch genau zu prüfen. Nur wenn dieser Berufswunsch wirklich tief im Herzen sitzt, sollte man den Versuch wagen. Nach dem Studium seinen Lebensunterhalt zu verdienen wird nicht einfach werden. Eine große Theaterkarriere schaffen nur wenige und das Film- und Fernsehgewerbe ist in den letzten zehn Jahren dramatisch schwierig geworden. Sehr viele Kollegen leben am Minimum. Ein zweites Standbein ist oft der einzige Ausweg. Ein kleines Geschäft, eine Coaching-Praxis, eine zweite ’solide‘ Ausbildung sind eine wertvolle Absicherung. Außerdem ist es einigermaßen kompliziert, Beziehungen zu halten oder gar eine Familie zu gründen. Wir führen mit absurden Arbeitszeiten ein unsicheres Vagabundenleben an vielen Orten.

Sie wohnen ja schon eine ganze Weile in unserem schönen Stuttgart, was gefällt Ihnen besonders an der Schwabenmetropole? Was ist Ihr „Lieblingsfleck“ im Kessel?

Mir gefällt, dass es den meisten Leuten hier gut geht und das macht die Atmosphäre entspannter, als in anderen Großstädten. Am liebsten hole ich mir im Sommer im ‚Old Bridge‘ ein Eis und setze mich auf die Treppe neben dem Kunstmuseum, um mir die entspannte Vielfalt der vorbeiflanierenden Menschen anzuschauen. Ansonsten gehe ich mit meiner Jahreskarte (nur 60€ für meine ganze Familie) auch gerne in das Kunstmuseum, schaue mir eine Weile ein oder zwei Bilder an und gehe wieder… bis zum nächsten Mal.

Wie unterscheiden sich Rheinländer und Schwaben aus Ihrer Sicht?

Da komme ich mit einem bekannten Klischee: Der Rheinländer ist sofort sehr offen und offenherzig und zieht dann schnell weiter. Der Schwabe ist anfangs eher zurückhaltend. Aber dann! Ich habe hier sehr gute Freunde gefunden. In meinem Alter, in dem eigentlich alle Freundeskreise schon geschlossen sind, ist das nicht mehr so einfach. Aber hier haben sich die Schwaben als herzliche, interessante, treue, kluge und natürlich auch offene Menschen gezeigt. Ich fühle mich echt aufgehoben hier.

Haben Sie ein schwäbisches Lieblingsgericht?

Saiten mit Linsen. Und Maultaschen natürlich! Spätzle sind leider nicht so meins – aber seit ich hier lebe und das Original kenne, mag ich sogar Butterbrezeln.

Was ist Ihr persönlicher Geheimtipp in Stuttgart?

Zwei Läden würde ich gerne empfehlen. Beide zufällig in Weilimdorf: Das Restaurant ‚Meister Lampe‘ von Daniel Stübler. Mittags und Abends gibt es hier anspruchsvolle, deutsche Küche mit internationalen Einflüssen. Frisch und superlecker!

Im ‚Papillon‘ verkauft Sibel Özdemir im Manufakturcafé samstags von 10-16.00 ihre fantastischen Bio-Mandelprodukte, französische Patisserie-Spezialitäten und BioKaffee. Das sind definitiv meine Geheimtipps.

Wie schalten Sie in Ihrer Freizeit ab?

Ich muss raus in die Natur: Ich laufe morgens sehr früh, ich fahre am Wochenende super gerne größere Runden mit dem Fahrrad (seit ich ein E-bike habe) oder bei gutem Wetter auch zum Drehen. Außerdem gehe ich gerne spazieren oder wandern.

Haben Sie ein Lebensmotto?

„Trau Dich!“

Ich versuche, Träume zu leben und mir keine Grenzen einreden zu lassen. Das klappt oft nicht gut oder geht nur sehr langsam voran. Aber ich vergesse nie, wo ich eigentlich hin wollte…


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