EAU ROUGE

Neo-Bohème, Jugend & „Nocturnal Rapture“

Wenn wir einen Begriff suchen, der unser Lebensgefühl beschreibt, werden wir diesen vermutlich erst finden, wenn wir irgendwann wehmütig auf unsere goldene Zeit zurückblicken und sagen: „Weißt du noch?“ Zum Glück gibt es eine Band, die uns schon jetzt den Soundtrack dazu liefert: EAU ROUGE

Wie schon die Bohème es tat, feiern wir uns, rauchen und trinken zu viel – immer auf der Suche nach dem perfekten Moment. Wie Raubtiere jagen wir den Erlebnissen im Rausch hinterher. Die Band, die dieses Gefühl perfekt beschreibt und musikalisch unterlegt, ist EAU ROUGE: Sie vertonen die blinkenden Lichter der Stadt, die Affären, die Begegnungen, die unvergesslichen Momente, wenn die Zeit stehen bleibt. Wir besuchten das Stuttgarter Trio in ihrem Proberaum in Zuffenhausen. Dieser ist in einem ehemaligen, stillgelegten Bürogebäude, das sich irgendwo im Industriegebiet versteckt. „Hier haben wir unsere Ruhe“, erklärt uns Bo, der auf der Bühne mit Gitarre und Gesang glänzt. Sieht man sich die Underground-Location an, passt sie irgendwie zu ihrer Musik: Die ist nämlich was für Nachtschwärmer und sogenannte Somnambulisten. Dabei hören sie sich absolut nicht nach dem üblichen, zeitgeistlichen Pop an. Neben Bo Zillmann gehören noch Sänger Jonas Teryuco und Drummer Magnus Frey zu EAU ROUGE. Gesucht und gefunden haben sich die Jungs in Schwäbisch Gmünd, wo sie aufgewachsen sind. Dort haben sie zunächst in verschiedenen Bands gespielt, bis sie sich 2013 als EAU ROUGE formiert haben. Mittlerweile sind sie fest in Stuttgart verwurzelt und aus der Musikszene nicht mehr wegzudenken. Die Musik verbindet sie. Ihr gemeinsamer Traum: Einmal im Leben in der Royal Albert Hall auftreten. Denn die Atmosphäre dort sei magisch. Und im besten Fall können sie bald von ihrer Musik leben.

Auf Safari durch verschiedene Genres

Was genau das für Musik ist, ist nicht so leicht zu erklären. Sie selbst klassifizieren sie als „Indie Electronic Noise“. Da gibt es also etwas Elektronisches, ziemlich viel Indie, Pop, Rock, ein bisschen Shoegaze, Post-Punk, Trip-Hop und gepflegte Balladen, die auch mal etwas tiefer gehen. Melancholie und ein bisschen Herzschmerz können die drei nämlich auch ganz gut. Ihren Sound würden wir als schöne Safari durch verschiedene Genres bezeichnen, von denen sie sich das nehmen, was gefällt. Einzige No-Gos: Ska, Reggea & Schlager. Wir wollen wissen, wie ihre Songs entstehen. „Die Texte liefert meistens Jonas, der mit seiner Stimme eine tolle Atmosphäre erzeugt“, antwortet Magnus, „Bo verpackt dann die Melodien in eine rockige Attitüde.“ Das sei zwar die Norm, aber nicht die Regel. Denn die Jungs ergänzen sich, wo sie können. Wie die Profis, eben. Das merkt man sowohl ihren Songs, als auch ihren Gigs an – von der Lightshow bis hin zu ihrer Live-Performance ist alles aufeinander abgestimmt.

„In der Musikbranche bekommt man nichts geschenkt“

Einflüsse ihrer Musik zeigen sich z. B. von Miike Snow, Warpaint, My Bloody Valentine und den Deftones. „Unser Sound ist aber etwas feiner und poppiger“, ergänzt Bo. Magnus bewundert den Musiker Sting, dessen professioneller Werdegang mit der New-Wave-Band „The Police“ begann. Fans sind sie außerdem von M83 und Tame Impala – das spiegelt sich auch in ihren atmosphärischen Tönen wider. Dazu kombinieren sie englischsprachigen Gesang mit einem weiten Tonalitäts- und Soundspektrum. So weit, dass sie damit große Räume füllen und sich auch auf internationalen Bühnen pudelwohl fühlen. Denn seit ihrer ersten Single „Golden Nights“ ist viel passiert. Ihr bisheriges Highlight in 2016: Die Gigs bei den renommierten Showcase Festivals „SXSW“ in Texas, USA und „The Great Escape“ in Brighton, England. Insgesamt waren die Jungs zwei Wochen in den Staaten, eine davon in Austin bei besagtem Festival und die andere in Kalifornien, genauer gesagt in Los Angeles. „Da konnten wir ein paar Kontakte knüpfen und ein bisschen das Rockstar-Leben genießen. Wir waren z. B. in einem Klub, in dem u.a. Ray Charles aufgetreten ist – ein Wahnsinnsgefühl, dort zu spielen“, schwärmt Bo. Zurück kamen sie mit einem US-Management-Deal. Doch die Twentysomethings wissen, dass man in der Musikbranche nichts geschenkt bekommt. Harte Arbeit, Blut, Schweiß und Tränen – das alles scheint sich endlich auszuzahlen.

„Nocturnal Rapture“: Neues Album & erste Single

Am 16. September bringen die Stuttgarter Beaus ihr langersehntes Debüt namens „Nocturnal Rapture“ über AdP Records auf den Markt. Damit vertonen sie den Moment, an dem man wehmütig auf den Tag zurück und hoffnungsvoll in die Nacht hinein schaut. Wenn uns die Stadt ihr wahres Gesicht zeigt und Beton-Ödnis zu schillernder Verheißung wird. Es ist der Moment, in dem sich alle (Klang-)Farben am Himmel abzeichnen. Die zugehörige Singles „Hunting Melodies“ und „Margery“ könnt ihr euch schon jetzt anhören – inklusive Videos. Ab Oktober geht’s dann auf Tour, die sie in Zusammenarbeit mit dem Grand Hotel van Cleef durchführen. Start ist am 13.10. in Stuttgart im Zwölfzehn.

Vielleicht bekommen wir dort endlich eine Antwort auf die Frage, die uns schon lange auf der Seele brennt: Ist es die uferlose Feierei, die uns erinnerungswürdige Momente beschert – oder versperrt sie uns doch eher den Blick auf ebenjene?


MEHR INFOS:
www.eaurouge-music.com

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