Vom Internet ins Fernsehen: Als Moderatorin von „Ehrensenf“ ist Katrin Bauerfeind bekannt geworden. Ab 2009 trat sie an der Seite von Harald Schmidt in dessen Late Show auf und moderierte außerdem so ziemlich alles, was mit Kultur zu tun hat. Auch verschiedene TV-Sendungen tragen ihren Namen – z.B. „Bauerfeind assistiert“ und „Bauerfeind – die Leseshow“. Vielen Streaming-Serien-Zuschauern dürfte sie auch aus der deutschen Produktion „You Are Wanted“ bekannt sein, in der sie neben Matthias Schweighöfer und Alexandra Maria Lara schauspielte. Im Februar ist ihr Buch „Alles kann, Liebe muss“ erschienen, aus dem sie ein Bühnenprogramm gemacht hat. Aktuell ist sie damit auf Deutschlandtour und wird auch in ihrer Heimat Stuttgart zu sehen sein: am 19.05.2018 im Theaterhaus. Wir haben mit der sympathischen Aalenerin über ihren Werdegang, Heimat, halbwegs anständige Brezeln und die eigentümliche Herzlichkeit im Schwabenländle gesprochen.

„Wenn ich an Stuttgart denke, kommt mir als erstes Heimat in den Sinn.“

Irgendwas mit Medien: War für dich schon immer klar, in der Medienbranche zu arbeiten? Wie kam es letztendlich dazu?

Ja, ich wollte schon immer Schauspielerin werden. Schon seit der Pubertät hab’ ich vor dem Fernseher gesessen und dachte: „Ah, das kann ich besser!“ Am Ende war ich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Damals hab’ ich mich für eine Online-Webshow beworben, war zwei Mal beim Casting und durfte dann „Ehrensenf“ moderieren. Ein halbes Jahr später waren wir bei „Spiegel Online“ und haben den „Grimme Online Award“ gewonnen. Da war ich 23 – alles war wie im Märchen.

Parallel zur Internetsendung „Ehrensenf“ hast du vier Jahre Journalismus studiert. Welche Zwischenstationen gab es danach?

Ich bin ja Generation Praktikum gewesen. Es gab viele Professoren, die in der ersten Journalismus-Vorlesung gesagt haben: „Willkommen! Sie studieren hier in die Arbeitslosigkeit.“ Der Druck, was aus sich zu machen, war also enorm. Deshalb habe ich schon immer nebenher bei der Zeitung, beim Radio oder im Fernsehen gearbeitet – z.B. während der Schulzeit und nach dem Abi.

Apropos, Fernsehen: Wie kam es zum Einstieg in die Fernsehwelt und vor die Kamera?

„Ehrensenf“ hat mir die Tür zum Fernsehen und zur Moderation geöffnet. Damals gab es einen Hype – ich hab’ mit so ziemlich allen Sendern über meine Zukunft geplaudert. Am Ende hatten alle sehr genaue Vorstellungen davon, was ich tun soll oder wo ich hinpassen könnte. Nur 3Sat hat gesagt: „Wir sind zwar klein, aber bei uns kannst du machen, was du willst!“ Das hat mich überzeugt. Nun arbeite ich schon seit 10 Jahren dort. Alle meine Sendungen werden ausgestrahlt: von „Bauerfeind assistiert …“, ein Format, bei dem ich einen Tag lang einen Promi bei der Arbeit begleite und lästige Aufgaben übernehme, bis hin zu „Bauerfeind – Die Leseshow“, eine neue Unterhaltungssendung.

Welchen Promis hast du bei „Bauerfeind assistiert“ am liebsten die Arbeit abgenommen?

Ach, das ganze Format ist ein Geschenk. Man muss sich vorstellen: Jemand schenkt einem da wirklich einen Tag seines Lebens. Die ersten drei Stunden mag das noch ganz lustig sein, aber nach 13 Stunden fragt sich der Gast: „Warum hängt mir die Alte immer am Arsch und stellt Fragen?“ Einen derartigen Einblick zu bekommen, das ist toll. Es ist schön, wenn Menschen sich darauf einlassen. Roger Willemsen hat uns z.B. eine ganz zauberhafte Sendung geschenkt. Sie bleibt sicherlich unvergessen, auch wenn Jan Böhmermann sehr interessant war, Cro beeindruckend, Sarah Conner spannend und Olaf Schubert schräg. Wie gesagt: Ich mag sie alle…

Welche Sendungen schaust du dir privat gerne im TV an? Bei welchen Netflix-Serien fieberst du mit?

Von Krimis über den „FilmMittwoch im Ersten“ und die „heute-show“ bis hin zu „PussyTerror TV“ mit Carolin Kebekus kann das alles sein. Ich mag Talkshow-Zapping, genauso sind mir Nachrichten im TV heilig. Das können Internet und Radio einfach nicht ersetzen. Bei Netflix bin ich gerade bei „The Crown“ angelangt – wahrscheinlich zwei Jahre nach allen anderen. Außerdem schaue ich das Comedy-Programm von Dave Chappelle und liebe „Comedians in Cars Getting Coffee“ mit Jerry Seinfeld.

Du moderiest und schauspielerst nicht nur, du schreibst auch erfolgreich Bücher und gehst damit auf Tour. War das schon immer ein Traum von dir?

Ja – ich wollte mein erstes Buch schreiben, da war ich sechs Jahre alt. Aber es ist einer dieser Träume, von denen man immer denkt, dass es bestimmt eh nicht klappt, weil es so unrealistisch weit weg ist. Das erste Buch, das ich schreiben sollte, hab’ ich abgebrochen. Dass die anderen jetzt alle Bestseller geworden sind, ist auch wieder so eine Art Märchen. Und die Bühne, die war ehrlich gesagt schon immer meins. Schon als Kind hat jede Tante zum Geburtstag eine Aufführung von mir geschenkt bekommen, selbst wenn sie wirklich keine wollte. Wenn irgendwo eine Kamera ausgepackt wurde, stand ich vor der Linse. Bis heute behaupten Freundinnen, dass ich sie im Schullandheim bis aufs Klo verfolgt habe, um Szenen aus „RTL Samstag Nacht“ nachzuspielen. Daran erinnere ich mich allerdings nicht, was sicherlich auch besser ist … Deswegen ist es wahrscheinlich auch keine Lesetour mehr, sondern ein Programm, bei dem das Buch nur das Thema liefert. Die Geschichten erzähle ich mittlerweile frei.

Auf nach Stuttgart: Was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du daran denkst? Was gefällt dir an deiner Heimat Aalen und dem Schwabenländle am besten?

Wenn ich an Stuttgart denke, kommt mir als erstes Heimat in den Sinn. Am besten gefällt mir hier das Essen, die Landschaft, der Dialekt und natürlich die eigentümliche Herzlichkeit. Neulich hat mir eine Freundin den uralten Witz erzählt, wie man einen Heiratsantrag im Schwabendland macht: „Des isch mein Hof. Des sind meine Viecher. Überleg’sch dirs halt!“ Ich finde, das trifft es ganz gut…

Wie oft bist du noch privat in Aalen bzw. Stuttgart? Wo hat man dich früher hier angetroffen? Und hast du aktuell einen persönlichen Geheimtipp?

Früher hat man mich oft in der alten Marshall-Bar getroffen, die bis heute immer einen Besuch wert ist. Heute bin ich regelmäßig bei meiner Familie, klar. Die „Metzgerei“ in Stuttgart hat mich zuletzt überzeugt: Sehr leckeres Essen, sehr nette Ecke, guter Laden.

Musst du dich als gebürtige Schwäbin oft dafür rechtfertigen und das Schwabenland verteidigen, wenn du darauf angesprochen wirst?

Ach ja, die Schwaben werden eben nicht überall verstanden. Und das jetzt nicht nur wegen dem Dialekt. Aber ich vermittle überall gerne und versuche, die Schwaben möglichst würdig und gut zu repräsentieren.

Hand aufs Herz: Was vermisst du an deiner Heimat am meisten?

Am meisten vermisse ich das Essen. Dass man sich im ganzen Land die Hacken ablaufen muss, um mal eine halbwegs anständige Brezel zu bekommen, die es bei uns wirklich bei jedem Bäcker gibt – das belastet mich sehr.

Verrate uns doch dein Lieblingsgericht – schwäbisch, natürlich!

Es ist ein schlimmes Klischee, aber ich schwöre, meine Oma macht das einfach auf der ganzen weiten Welt am besten: Linsen und Spätzle.

Jetzt noch eine obligatorische Frage zum Schluss: Was wünschst du dir für deine berufliche und private Zukunft? Was erwartet dich und uns 2018?

Ich hab’ tolle Sachen auf meinem Zettel stehen: das Buch, die Tour, eventuell eine neue Serie, ein Podcast und auch „Bauerfeind – Die Leseshow“ geht weiter. Ehrlich gesagt traue ich mich gar nicht, mir noch mehr zu wünschen oder mehr zu erwarten.

Die wirklich letzte Frage, versprochen: Hast du ein Lebensmotto?

Versuche, alles mitzunehmen und wenn’s irgendwie geht: Sei nett und lass dich nicht abnerven.


MEHR INFOS:
www.katrinbauerfeind.de

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