Midnight Circus

„Wenn die Stadt ein stilles Lichtermeer ist…“

Midnight Circus, das sind Dom und Fab. Ursprünglich aus Köln und Ludwigsburg, hat es die beiden heute nach Stuttgart verschlagen. Uns erzählen sie, wie es sich anfühlt, eine Band zu werden und authentische Songs zu schreiben.

Klickt man auf die Facebook-Page der Stuttgarter Band, weiß man gleich was Phase ist. Das verrät einem schon das Titelbild. Über der Fotografie eines nächtlichen Kreisverkehrs steht „acoustic indie pop“. Doch was verbirgt sich hinter acoustic indie pop? So viel sei gesagt: Es lohnt sich reinzuhören. Viel Gitarre, viel Stimme und viel Gefühl. Da haben wir uns natürlich nicht bitten lassen und die Jungs zu einem Interview eingeladen.

Wir treffen uns mit Dominik und Fabian, den beiden Band-Mitgliedern und -Gründern. Dom ist 27 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Köln. Er ist studierter Betriebswirt und arbeitet bei einem großen Stuttgarter Autmobilkonzern. Fab ist 28, kommt aus Ludwigsburg und hat Mediendesign studiert. Er arbeitet bei einer Medienagentur in Heilbronn.

Diese Jungs stehen also für besagten acoustic indie pop. Das ist eher eine Eigenkreation, kein Musikstil, der von anderen definiert wurde, sagen sie. Wichtig ist ihnen, dass im Mittelpunkt immer der Song steht. Keine Show, nur Musik. Ihr Sound ist auf das wesentliche reduziert. Und wenn man doch einen Vergleich ziehen wollte? „Wahrscheinlich sind wir sowas, wie eine moderne Version von Simon & Garfunkel.“

Beeinflusst sind die beiden ganz besonders von der britischen Musikszene. Wenn man sie nach ihren Vorbildern fragt, kommt zuallererst „Coldplay“, vor allem Frontmann Chris Martin.

Uns interessiert, wie die zwei Cousins zur Musik gekommen sind – und uns wird schnell klar, dass ihnen die quasi schon in die Wiege gelegt wurde. In ihrer Familie hat Musik schon immer eine sehr große Rolle gespielt; Großeltern, Eltern und Geschwister spielen allesamt auch Instrumente. Versteht sich von selbst, dass die beiden auf Familienfeiern gerne viele kleinere und auch größere musikalische Einlagen bieten durften. „Musik hat uns einfach schon immer begleitet – und auch überall hin – in guten und in schlechten Zeiten eben. „Musik ist für uns einfach die emotionalste Ausdrucksform“, erzählen sie uns.

Dom und Fab haben so ziemlich jede Musik-Phase einmal durchgemacht, sagen sie. Von Punk und Metal bis hin zur Klassik. Letztlich sind sie aber auf „ihrer“ Musik hängengeblieben.

„Lass uns doch mal ein gemeinsames Bandexperiment starten und schauen, was dabei rauskommt“ So, oder so ähnlich, ist wohl die Idee vom gemeinsamen Musikmachen entstanden. Das war 2007. Bis zum acoustic indie pop dauerte es allerdings noch bis Ende 2013. Da hatten die Jungs einige Zeit in London verbracht, um dort zu spielen und Kreativität zu tanken. „Seitdem würden wir schon sagen, dass wir musikalisch erst mal angekommen sind.“

In London ist dann auch der Bandname entstanden. Der ist eigentlich frei erfunden und drückt mehr ein Gefühl aus, das die beiden in London begleitet hat und auch immer noch begleitet, wenn sie ihre Musik schreiben und spielen. „Vielleicht könnte man sagen, dass für uns die Nacht die inspirierendste Zeit ist. Wenn die Stadt ein stilles Lichtermeer ist, liegen die besten Gedanken und Geschichten oft ganz klar vor einem.“ Ihre Songs schreiben sie auf Englisch. Einfach, weil sie meinen, dass sie in dieser Sprache die besseren Worte finden.

Wir fragen die beiden, ob sie Privates und Berufliches trennen. „Das ist für uns eigentlich ein und das selbe – zumindest, wenn es ums Musikmachen geht“, meint Dom. „Vielleicht macht auch gerade das – die vertraute Zusammenarbeit – unseren intimen und authentischen Sound aus“. Dass das Musikmachen verbindet, ist klar, in diesem Fall sogar die Wohnung: Fab und Dom wohnen in einer „kleinen, aber feinen“ Band-WG. Da versacken sie auch schon mal abends am Küchentisch bei äußerst philosophischen Diskussionen oder virtuosen Jamsessions, erzählen sie schmunzelnd. Ihre WG ist im Stuttgarter Westen und der ist für die beiden ein „schönes“ und „gutes“ Zuhause geworden. Was sie noch sagen? „Stuttgart ist ein bisschen das deutsche San Francisco – insbesondere beim Blick aus unserem Küchenfenster“.  Schöner Vergleich.

Und wo wir schon bei Stuttgart sind, fragen wir sie auch gleich nach ihren Geheimtipps. „In unserem Viertel gibt es einen öffentlichen Garten in Hanglage für Anwohner. Ganz oben ist eine Art Holz-Aussichtsplattform. Von dort hat man einen schönen Blick über die Stadt. Wir gehen dort öfter mal zum Jammen hin.“ Und was noch? Ihr Lieblings-Café ist ebenfalls direkt um die Ecke: die Bar Vincino in der Traubenstraße.

Was midnight circus noch vorhaben?

„Vielleicht einmal in der Royal Albert Hall in London spielen -Und wenn es nur in der Garderobe wäre“, grinst Fab.

Bis dahin werden sie sich aber erstmal weiter in Stuttgart einen Namen machen. Besonderen Reiz haben für sie Wohnzimmerkonzerte. Wer daran Interesse hat, darf sich gerne bei den beiden melden. „Wer nicht weiß, was Wohnzimmerkonzerte sind, sollte sich sogar bei uns melden!“, sagen sie und lachen. Ihr findet sie auf Facebook. Und im Westen.


MEHR INFOS:
Facebook