STREETSTYLE IM CHECK: WAS TRÄGT EIGENTLICH STUTTGART

Zugegeben, Stuttgart ist nicht unbedingt eine klassische Modestadt wie New York, London, Mailand oder auch Berlin. Wir haben keine namhafte Fashion Week und sind auf Instagram auch eher mit Influencern aus den Bereichen Food, Fitness oder Music vertreten. Das bedeutet aber keinesfalls, dass Mode für die Stuttgarter eine untergeordnete Rolle spielt. Ganz im Gegenteil: Wer einmal einen genaueren Blick auf den Streetstyle wirft, wird schnell merken, dass Stuttgart sein ganz eigenes Verständnis von Fashion hat. Was also trägt man in der baden-württembergischen Hauptstadt?

HAT STUTTGART EIGENTLICH EINE FASHIONSZENE?

Die Modeszene von Stuttgart mag klein sein, aber oho. Wer von außerhalb zum Shoppen in die Stadt kommt, findet auf der Königstraße, im Gerber sowie den weiteren Hotspots vor allem die großen Marken. H&M, Zara oder Mango versprechen aber nicht unbedingt außergewöhnliche Styles, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Wer etwas weiter sucht, findet mit Snipes, Brandy Melville oder Monki schon speziellere Marken – doch auch diese kommen nicht aus Stuttgart selbst. Da drängt sich doch die Frage auf:

“Hat Stuttgart überhaupt eine eigene Modeszene?”

Vor wenigen Jahren mag das noch anders ausgesehen haben, doch mittlerweile lautet die klare Antwort: Ja! Eines der ersten Startups aus dem Herzen von Stuttgart, welches Schlagzeilen im Bereich Mode gemacht hat, war die Online-Plattform „Mädchenflohmarkt.de“. Mittlerweile hat sich das Unternehmen zu einer regelrechten Institution entwickelt, welche weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist. Hier wird Designermode aus zweiter Hand verkauft – online sowie mit „Full-Service“.

Modebewusst sind in Stuttgart tatsächlich viele junge Menschen. Das machen auch all die kleinen Labels deutlich, welche in Stuttgart mittlerweile ihre eigenen Designs an den Mann bringen. „Wiederbelebt“ hat das Upcycling von Mode in einen überregionalen Trend verwandelt, das Label „Omonia“ haucht dem klassischen Kaftan neues Leben ein und die Marke „Nyuzi Blackwhite“ sammelt durch den Verkauf ihrer Kleidung Spenden für ein Ausbildungszentrum für Kinder und Jugendliche in Kenia. Wenn ihr auf der Suche nach cooler Fair Trade und Bio Kleidung seid, werdet ihr auch im Greenality Nähe Königstraße fündig! Stuttgart hat also definitiv eine eigene Modeszene – und die ist alles andere als langweilig. Auch über die Kessel-Grenzen hinaus wird man fündig, z.B. im Green Lavadee in Winnenden. In der süßen Boutique von Inhaberin Johanna Widulski findet ihr tolle, ausgefallene fair trade Mode für Frauen, Männer und Babys!

WIR STUTTGARTER KENNEN DAS “WO”

Und auch zwischen dem internationalen Mainstream und den Stuttgarter Designs gibt es noch eine riesige Grauzone. Shops also, die zwar keine Mode aus den eigenen Reihen verkaufen, dennoch aber ausgewählte Fashion, welche auf die eine oder andere Art und Weise „besonders“ ist. Wer also die von Besuchern überfüllten Einkaufsmeilen verlässt und sich einmal in den richtigen Ecken von Stuttgart umsieht, findet vom bunten „Geschwisterliebe“ über den rockigen „Gemini“ bis hin zu einer riesigen Auswahl an Vintage-Kleidung im „Pogo“, „Flaming Star“, „Mademoiselle Yéyé“ oder Schmachtfetzen“ alles, was das Modeherz begehrt. Bekanntlich ist auch die Skater-Szene in Stuttgart nicht zu verachten, welche sich tagsüber im „Titus“ und nachts gleich daneben in der „Schräglage“ einfindet. Ein echter Geheimtipp ist jedoch für gerade diese Skater oder all jene, die auf Urban Streetstyle stehen, ebenfalls in Stuttgart zu finden. Er lautet auf den Namen „Arrow & Beast“. Auch für all jene, die zu viel Kleingeld übrig haben und teure Designermode suchen, bietet Stuttgart einige Anlaufstellen. Ein Blick auf den typischen Streetstyle unserer Stadt entlarvt aber schnell: Sie schwimmen eher gegen den Strom.

„TEUER“ IST IN STUTTGART NICHT GLEICH “COOL”

Wenn überhaupt, so geben die Stuttgarter nämlich nur für ihre Schuhe oder Caps gerne Geld aus und legen Wert auf Marken. Ansonsten hält man es hier lieber leger – im Gegensatz zum schicken München oder verrückten Berlin. Der Streetstyle in Stuttgart ist gekonnt unaufgeregt. Scheinbar macht sich hier niemand Gedanken darum, was er trägt. Genau genommen ist aber genau das Gegenteil der Fall: Hinter der lässig hochgekrempelten Jeans, den abgewetzten Sneakers, dem übergroßen T-Shirt und der Lederjacke aus dem Second-Hand-Shop steckt eine Menge Leidenschaft. Die jungen Stuttgarter machen sich mindestens genauso viele Gedanken um ihre Kleidung wie die Berliner, New Yorker oder Londoner auch. Wer einmal ganz genau hinsieht, wird schnell den Stuttgarter Streetstyle erkennen.

WAS ALSO TRÄGT STUTTGART?

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und natürlich unterliegt auch die Stuttgarter Mode den weltweiten Trends. Dennoch werden diese hier eben auf besondere Art und Weise interpretiert. Die meisten jungen Männer und Frauen in Stuttgart geben sich gekonnt lässig. Untenrum unterscheidet sich ihr Style oftmals kaum. Die Hose wird möglichst eng sowie nach oben gekrempelt getragen. Der Knöchel kommt sichtbar zum Vorschein – bei Hartgesottenen sogar in den kalten Wintermonaten. Dies erlaubt den freien Blick auf Sneakers in allen Farben und Variationen.

Wenn ein Kleidungsstück die Stuttgarter Szene am besten beschreibt, dann ist es wohl der Turnschuh. Lange Zeit waren es vor allem klassische Skate-Schuhe, welche in der Szene vorherrschten, allen voran die Vans „Off the Wall“. Auch die „Chucks“ von Converse erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit.

Mittlerweile mischen sich aber auch immer mehr Sneakers in anderen Passformen darunter. Adidas im Casual Look oder Nike Air Force in verschiedenen Farben werden gerne von den Stuttgartern zur Jeans kombiniert. Oben trägt Mann ein scheinbar zu groß und zu lang geratenes Shirt – natürlich mit farblich passendem Aufdruck zu den Schuhen.

Farblich passend ist auch die Cap, unter welcher sich ein Undercut versteckt. Der Man Bun befindet sich hingegen schon wieder auf dem absteigenden Ast. Mal sehen, wie lange!

„MÄDCHEN-MÄDCHEN“ SUCHT MAN IN STUTTGART VERGEBENS

Wie bereits erwähnt, tragen auch die Stuttgarter Ladies gerne vor allem Jeans und Sneakers. Schließlich schwingen sie sich ebenfalls auf das Skateboard oder fliegen zum Surfen an die australischen Strände. Das typische Mädchen mit rosanem Blümchen-Kleid oder enganliegendem Bleistiftrock ist im Kessel hingegen eher die Ausnahme als die Regel.

Das bedeutet aber nicht, dass die Stuttgarterinnen ihre Weiblichkeit nicht lieben und leben. Sie verstehen diese stattdessen auf andere Art und Weise zur Geltung zu bringen: Enganliegende Spitzenbodies zum sonst eher coolen Skater-Look oder ähnliche Stilbrüche machen in der aktuellen Saison die Runde. Dem hippen Bandshirt aus dem Second-Hand-Shop wird mit einer Schere ein sexy „Cut-off“ verpasst und im Sommer können die Shorts kaum kurz genug sein.

STUTTGART IST VOR ALLEN EINES: AUSSERGEWÖHNLICH:

Ton-in-Ton von Kopf bis Fuß, High Heels zur Boyfriend-Jeans, Strickschals in XXL, Sneakers in Neonfarben und natürlich Tattoos – eine Menge Tattoos: Stuttgart ist definitiv nicht langweilig, wenn es um Mode geht. Irgendwie hat hier jeder seinen eigenen Style und dennoch sehen am Ende alle verdammt cool aus.

Die modische Identität von Stuttgart ist lässig, bescheiden und individuell. Hier wird in unbekannten Online-Shops nach Schnäppchen gesucht, bei alter Kleidung selbst umgeschneidert und ungewöhnlich kombiniert. Wir Stuttgarter setzen bei Mode also nicht auf teure Marken oder Einzelstücke vom Designer.

Mode ist hier stattdessen ein Lebensgefühl. Sie soll Spaß machen, den Geldbeutel schonen und zugleich die eigene Persönlichkeit ausdrücken. Vintage spielt dabei eine ebenso große Rolle wie all die kleinen Labels, welche offline oder online ihre Designs an den Mann bringen.

Mode geht hier zudem weit über die eigentliche Kleidung hinaus. Die Frisur, das Make-up, die Tattoos & Co – in Stuttgart verschwimmt all das zu einem großen Gesamtbild und prägt den einzigartig coolen Streetstyle der Stadt im Kessel. Wer also denkt, die Stuttgarter könnten in der internationalen Modeszene nicht mitreden, hat sich mächtig getäuscht!

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